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Interaktiv-Trends 2026/2027: Influencer Marketing ist jetzt Performance-Werbung
07.01.2026 Große Einzeldeals mit Star-Influencern sind die schlagzeilenträchtige Ausnahme, zum Brot-und-Butter-Geschäft für Agenturen entwickeln sich Affiliate-Partnerschaften mit vorab definierten KPI's.
Klein anfangen, alles analysieren, dann skalieren
Die Frage ist natürlich: Wie wird dieses Geld ausgegeben? Für Makro-Influencer, die das werbende Unternehmen im großen Stil bekannter und sympathischer machen sollen? Oder für klar umrissene Aufgaben und Ziele innerhalb kurzer Zeit? Die Kolsquare-Studie lässt eher letzteren Schluss zu: Fast die Hälfte aller befragten Marketer wollen demnach wissen, wie viel genau ihnen jeder Werbeeinsatz bringt und machen sich Sorgen, mit welchen Mitteln dies zufriedenstellend bewerkstelligt werden soll. Fast 90 Prozent arbeiten mit Micro-Influencern zusammen, die ihre Fans innerhalb kürzester Zeit dazu bringen sollen, die Produkte des werbenden Unternehmens zu kaufen.In ihren "Key Takeaways" gibt die Influencer-Agentur Lucky Sherman folgende Losung aus: "CreatorInnen Content wird 2026 zum wichtigsten Performance-Hebel im Social Funnel - weit über Organic hinaus." Zusammengefasst lässt sich mit einigem Gewicht prognostizieren: Performance-Ziele werden den Influencer-Markt in diesem Jahr eindeutig dominieren.
Ein Indikator dafür ist auch die zunehmende Zahl von Performance-Kampagnen, die von Influencer-Agenturen als Ausweis ihrer Arbeit online gestellt werden. So konnte Upway , ein Berliner Unternehmen, das wiederaufbereitete E-Bikes verkauft, seine Kosten zur Neukundengewinnung mit Hilfe von Influencern zuletzt innerhalb von zwei Jahren halbieren. Die Strategie: mit geringen Ausgaben anfangen, jedes Posting nach KPI's analysieren und dann skalieren. Umgesetzt von der Agentur Adspecialist aus Königswinter bei Bonn wurde die Kampagne letztlich mit einem Mix-Modell erfolgreich. Upway setzte sowohl reichweitenstarke Influencer als auch Content-Lieferanten aus Nischensegmenten ein, die alle erst umfangreich getestet wurden, bevor sie größere Aufträge erhielten.
Die Learnings: Zum einen, klar - ohne Kurzvideos im Hochformat geht es nicht, wobei es auf die ersten 3 Sekunden ankommt. Zum anderen: Kampagnenauswertung braucht Geduld, 30 Tage seien Pflicht, führt Adspecialist-CEO Moritz Lambrecht aus: "Einer der größten Fehler im Influencer-Marketing ist, Kampagnen zu früh zu bewerten. Viele Marken ziehen nach wenigen Tagen ein Fazit und übersehen dabei, dass Conversions oft über Wochen oder sogar Monate nachlaufen."
Fortschrittliche Tracking-Methoden
Technologisch werden Performance-Kampagnen meist als Affiliate Marketing aufgesetzt. Die großen Einzelabschlüsse zu Festpreisen gibt es zwar immer noch, aber in der Breite arbeiten InfluencerInnen heute auf Provisionsbasis. "Das Affiliate Marketing ist technischer Enabler für Performance-basiertes Influencer Marketing", sagt André Koegler , Strategic Partnership Development Manager für die DACH-Region bei der Partner Marketing Plattform Impact .Für Stephan Fehske , Mitgründer der Influencer-Agentur Addfame , die zur Nayoki -Gruppe gehört, ist die Entwicklung vom Branding- zum Performance-Kanal eine "natürliche Marktreaktion", hervorgerufen durch den Bedarf der Unternehmen nach Wirkungsmessung ihrer Werbegelder einerseits und technologischer Durchbrüche andererseits.
Vor allem die "Fortschritte bei Tracking-Methoden wie dynamischer Attribution, Cookieless-Tracking und die Nutzung personalisierter Links oder Codes", sagt Marcel Schöne , Inhaber und Geschäftsführer der Performance Partnerships-Agentur Uppr , "ermöglichen es Marken, genau nachzuvollziehen, welche Influencer tatsächlich Umsatz generieren. Gleichzeitig haben Social-Media-Plattformen und Affiliate-Netzwerke ihre Systeme optimiert und bieten nun standardmäßig Performance-basierte Vergütungsmodelle, etwa auf Basis von Cost per Lead oder Revenue Share."
Social Media arbeitet mit Affiliate-Systemen
Markus Kellermann , Gründer und Geschäftsführer der Augsburger Digitalmarketing-Agentur Mai Xpose 360 , weist auf einen weiteren zentralen Aspekt hin, die Verknüpfung von Social Media mit Affiliate-Netzwerken: "Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube haben ihre Integrationen mit Affiliate-Systemen verbessert", was es für Unternehmen viel einfacher mache, "Conversions direkt zu erfassen". Am deutlichsten sichtbar werden die technologischen Verbesserungen in der User-Anwendung: Der Weg vom Content zur Kaufentscheidung ist im Social Commerce heute deutlich kürzer und einfacher - auch wenn Marvin Liebner , Geschäftsführer von Nayoki Performance, zu bedenken gibt, dass "Endkunden selten direkt über Tracking-Links einen Kauf abschließen."
Heißt: VerbraucherInnen entscheiden sich eher nicht spontan, sondern brauchen eben auch mal 30 Tage oder mehr Zeit. Gehen Umwege. Klicken mal hier, mal da, schauen bei der Konkurrenz vorbei, suchen Rat auf Preisvergleichsportalen und kaufen vielleicht erst drei Tage später zwar das beworbene Produkt, aber bei einem ganz anderen Online-Shop. Der ursprüngliche Zusammenhang - das Infotainment-Video des Influencers über jenes Produkt - ist da möglicherweise längst verwischt, erst recht, wenn User sich verstecken, Cookies also blockieren und inkognito surfen.
Umso beeindruckender wirken die Erfolgszahlen der Agenturen und Affiliate-Marketing-Netzwerke. Die Axel Springer -Tochterfirma Awin etwa, die eines der größten Affiliate-Marketing-Netzwerke weltweit betreibt, bringt nach eigenen Angaben weit über 3.000 Unternehmen mit InfluencerInnen zusammen. Der ROI, so das Unternehmen, betrage im Schnitt 16:1. Was eins zeige, meint Alexander Kube , Director Client Services & Business Development bei der Springer-Agentur: "Mit dem richtigen Kampagnen-management kann Influencer Affiliate Marketing ein äußerst rentabler Kanal sein."
Betrug ist ein großes Thema
Probleme gibt es dennoch: Neben verlorenen Tracking-Spuren und dem - außer bei TikTok Shop - letztlich immer noch vorhandenen Kanalbruch zwischen Social Media und Online-Shop sind auch betrügerische Konten ein leidiges Thema. "Manipulationen durch falsche Trackingdaten stellen eine reale Bedrohung dar", sagt Marcel Schöne von Uppr. "Umso wichtiger ist es, proaktiv gegen Affiliate-Betrug vorzugehen, um vor finanziellen Verlusten zu schützen und die Gesamtleistung des Programms durch eine verbesserte Datenqualität und den Aufbau langfristiger Partnerschaften mit vertrauenswürdigen Publishern zu steigern."Die Lösung: "Technologische Innovationen müssen durch persönliche Beziehungen, konsequente Regelumsetzung und fundierte Beratung ergänzt werden. Entscheidend ist die Kombination aus automatisierten Analysen und menschlicher Kontrolle, um vor ungültigen Klicks oder falschen Verkäufen zu schützen. Das schafft nicht nur Vertrauen zwischen Marken und Influencern, sondern steigert auch die Gesamtleistung der Programme."
