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Interaktiv-Trends 2026/2027

Interaktiv-Trends 2026/2027: Agenturmodell neu denken

29.12.2025 Digitalagenturen steht vor einem strukturellen Bruch. Nicht wegen fehlender Nachfrage nach Digitalisierung, sondern weil die Logik, wie Agenturen Wert schaffen und abrechnen, nicht mehr zur Realität passt. Projektgeschäft, Tagessätze und operative Auslastung verlieren rapide an Tragfähigkeit. KI wirkt dabei nicht als einzelner Trend, sondern als Katalysator, der bestehende Schwächen schonungslos offenlegt.

 (Bild: Sebastian Halm/Midjourney (KI))
Bild: Sebastian Halm/Midjourney (KI)
Nach Jahren des Wachstums ist/war spätestens 2025 für viele Agenturen eine Zäsur. Budgets schrumpfen, Investitionen werden verschoben, Insolvenzen und Konsolidierung nehmen zu. Besonders betroffen sind Agenturen, deren Geschäftsmodell stark projekt- und kapazitätsgetrieben ist.

Die zentrale Erkenntnis der vergangenen Monate: Das Projektgeschäft ist kein Geschäftsmodell mehr, sondern ein Abwicklungsmodus. Digitaldienstleister, die Umsätze primär über abrechenbare Stunden generieren, sind hochgradig krisenanfällig - und für Investoren wie Käufer zunehmend unattraktiv.

KI lässt die Margen schrumpfen

Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie tief Künstliche Intelligenz in die Wertschöpfung von Agenturen eingreift. Basisleistungen wie Content-Erstellung, Standardentwicklung, Variantenpflege oder Testing werden automatisiert. Damit bricht ein erheblicher Teil des bisherigen Umsatzfundaments weg. Gleichzeitig entstehen neue Kostenstrukturen, beispielsweise Token- und Infrastrukturkosten oder Investitionen in Modelle, Daten und Governance.

Das Resultat ist ein Produktivitätsparadoxon: Agenturen liefern schneller und besser - verdienen aber weniger, wenn sie weiterhin nach Zeit abrechnen. Der klassische Tagessatz ist damit strukturell obsolet.

Der strategische Kernfehler: Auslastung statt Wert

Die eigentliche Schwäche vieler Agenturen liegt nicht in Technologie oder Markt, sondern in der inneren Struktur:
  • unklare Positionierung,
  • fehlende betriebswirtschaftliche Steuerung,
  • hohe Overheads,
  • geringe Skalierbarkeit.

Der Markt differenziert zunehmend hart zwischen Agenturen, die Wertschöpfung verantworten, und solchen, die lediglich operative Kapazität bereitstellen. Letztere geraten unter Druck - unabhängig von Größe oder Reputation.

Der große Shift: Von der Werkbank zum Orchestrator

Zukunftsfähige Agenturen definieren ihre Rolle neu. Weg vom "verlängerten Arm", hin zu klaren Funktionen mit höherem strategischen Hebel:
  • Strategischer Partner statt reiner Umsetzer
  • Technologie- und KI-Orchestrator statt Tool-Anwender
  • Trusted Advisor für Architektur, Daten, Governance
  • Anbieter produktisierter Lösungen statt Einzelfallprojekten

Die zentrale Legitimation für Digitaldienstleister lautet künftig: "Wir können etwas, was der Kunde weder intern noch über Plattformen effizient abbilden kann."

Geschäftsmodelle, die 2026 tragen


Aus den aktuellen Diskussionen kristallisieren sich mehrere belastbare Modellrichtungen für Agenturen heraus:
  • Produktisierte Services mit klarem ROI Frameworks, Accelerators, KI-Assistenten und modulare Servicepakete ersetzen individuelle Projektlogik.
  • Lifecycle- statt Projektumsätze Erlöse entstehen über Betrieb, Optimierung, Monitoring und Weiterentwicklung - nicht über Implementierung allein.
  • Neue Pricing-Logiken Wertbasierte Modelle, Pakete, hybride Ansätze (Leistung + KI-Kosten) oder erfolgsabhängige Vergütung lösen den Tagessatz ab.
  • Spezialisierung oder Orchestrierung - kein Bauchladen Erfolgreich sind entweder klar fokussierte Spezialisten oder Generalisten mit ausgeprägter Architektur- und Beratungskompetenz. Dazwischen wird es eng.

Sichtbarkeit wird zum Wettbewerbsfaktor

Im KI-geprägten Markt wird Auffindbarkeit zur strategischen Größe. Thought Leadership, klare Positionierung und sichtbare Geschäftsführung sind kein Marketing-Add-on mehr, sondern Teil des Geschäftsmodells. Wer nicht klar verortet ist, wird von Kunden - und Algorithmen - nicht wahrgenommen.

Die entscheidende Frage für Agenturgeschäftsführer lautet nicht, ob sich das Agenturgeschäft verändert, sondern wie schnell die eigene Organisation darauf reagiert. Zukunftsfähige Agenturen:
  1. verkaufen Wert statt Zeit,
  2. setzen auf wiederholbare, skalierbare Leistungen,
  3. machen KI zum Fundament ihres Angebots,
  4. führen ihre Agentur wie ein Unternehmen - nicht wie eine Werkbank.

2026 wird für Digitaldienstleister kein Jahr der Experimente mehr sein, sondern der Bewährungsprobe. Wer bis dahin kein klares Geschäftsmodell jenseits des Projektgeschäfts etabliert hat, wird strukturell an Relevanz verlieren.
Thema: Interaktiv-Trends 2026/2027: Agenturmodell neu denken

Kommentar von Susan Rönisch

Das Ende der Auslastungslogik

Künstliche Intelligenz beschleunigt den Umbruch im Agenturmarkt, verursacht ihn aber nicht. Unter Druck geraten vor allem Geschäftsmodelle, die Wertschöpfung mit Auslastung verwechseln. 2026 entscheidet sich, wer relevant bleibt.

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Susan Rönisch, Analystin iBusiness (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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