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ECommerce-Prognose Elektronikhandel 2025: Verdrängter Stationärhandel

21.09.2022 Während sich der Onlinehandel mit Consumer Electronics längst zu einer Verdrängungsbranche entwickelt hat, hat nun auch das Webgeschäft mit Computern stark angezogen. Der stationäre Handel gerät hier nicht nur unter Druck, es drohen weitere Pleiten und Filialschließungen.

 (Bild: Media-Saturn-Holding)
Bild: Media-Saturn-Holding
Bild: Media-Saturn-Holding unter Creative Commons Lizenz by-nd
Trotz Pandemie und derer Begleiterscheinungen wie Lieferengpässe hat der deutsche Einzelhandel 2021 seinen Umsatz um zwei Prozent auf 589 Milliarden Euro steigern können. Deutlich schneller zugelegt hat der E-Commerce in dem zweiten von der Corona-Krise geprägten Jahr 2021:
Der Brutto-Umsatz mit Waren im E-Commerce stieg im Gesamtjahr 2021 auf 99,1 Milliarden Euro nach 83,3 Milliarden Euro im Jahr 2020. Das Wachstum zum Vorjahr beträgt entsprechend 19,0 Prozent, 2020 wuchs die Branche um 14,6 Prozent zum Jahr davor. Das bedeutet, dass jeder sechste Umsatz-Euro über digitale Shoppingkanäle erwirtschaftet wurde. Der Anteil des E-Commerce am Gesamthandel liegt damit bei knapp 17 Prozent.

Das geht aus den Daten der ECommerce-Verbraucherstudie des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel e.V. (BEVH)   und den Erhebungen des Handelsverbandes Deutschland (HDE)   hervor. Wachstumstreiber im Einzelhandel bleibt der Onlinehandel. Allerdings gibt es eine enorme Kluft innerhalb des Handels: Während der Internethandel - zwar deutlich langsamer - aber weiter wächst, ist die Lage im stationären Einzelhandel weiterhin von den Geschäftsschließungen der Lockdowns geprägt.

Steigende Inflation, immer höhere Energiekosten und eine schlechte Verbraucherstimmung sorgen für herausfordernde Rahmenbedingungen im Einzelhandel. Dementsprechend rechnen in einer aktuellen Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 800 Unternehmen 44 Prozent der Befragten für das Gesamtjahr 2022 mit sinkenden Umsätzen. "Der russische Krieg in der Ukraine und Corona-Lockdowns in Asien stören die Lieferketten, die Inflation steigt und die Energiekosten erreichen ungeahnte Höhen. Die Lage ist alles andere als einfach, die Zukunftsaussichten in vielerlei Hinsicht schwierig zu beurteilen", so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth .
Aktuelle HDE-Umfragedaten zeigen, dass im ersten Halbjahr 2022 noch knapp die Hälfte der Handelsunternehmen im Vergleich zum Vorjahr Mehrumsätze verzeichnen konnte.

Teilweise spielt hier sicher auch der Vergleich zu einem mit Corona noch schlechteren 2021 eine Rolle. Deutlich verhaltener sind die Erwartungen aber für die zweite Jahreshälfte: Hier rechnet nur noch ein Fünftel der Befragten mit Umsatzsteigerungen. Und auch bei den Händlern, die online und stationär aktiv sind, ist die Stimmung nicht mehr ganz so gut wie in den vergangenen Jahren. So rechnet knapp die Hälfte dieser Multichannel-Händler mit stagnierenden Umsätzen im Vergleich zum Vorjahr.

"Die steigende Inflation schmälert die Kaufkraft der Kundinnen und Kunden massiv. Gleichzeitig geraten die Gewinne der Unternehmen durch stark steigende Kosten unter Druck", so Genth weiter. Insgesamt prognostiziert der HDE für 2022 ein nominales Umsatzwachstum von drei Prozent auf dann 607,1 Milliarden Euro, inflationsbereinigt entspricht das einem Minus von zwei Prozent. Dabei legen die Umsätze im stationären Handel um nominal 1,4 Prozent zu, während der Onlinehandel ein Plus von 12,4 Prozent verzeichnet. Der Onlinehandel wächst also weiter, wenn auch wieder langsamer. Allerdings zeigen die iBusiness-Detailanalysen: Das Onlinewachstum läuft je nach Branche beziehungsweise Warensegment sehr unterschiedlich ab.

(Grafik: Quelle: BEVH, Bitkom, Börsenverein, BVDM, GfK, BVS, IFH, IVH, BTE, BJU; Grafik: HighText Verlag)


Um herauszufinden, wie sich die Segmente entwickeln, hat sich iBusiness mit Hilfe der einschlägigen Branchenverbände den Gesamtumsatz der Jahre 2007 bis 2021 angeschaut. Daraus konnten wir das Marktwachstum der einzelnen Märkte ableiten. Demgegenüber haben wir die Onlineumsätze gestellt, die entweder der entsprechende Verband bzw. der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (BEVH) für die einzelnen Branchensegmente durch Verbraucherbefragung ermittelt hat. So konnten wir ebenfalls nachvollziehen, wie sich der Onlineanteil in den einzelnen Gesamtsegmenten über die Jahre hinweg verändert hat - und daraus Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung ziehen.

Entwicklung des Warensegments Consumer Electronics (UE & TK-Geräte)

Es zeichnet sich seit Jahren ab: Im Warensegment Unterhaltungselektronik, Telekommunikations-Endgeräte schreitet die Verdrängung des Offlinehandels durch den Onlinehandel weiter voran. Als Verdrängungsbranche definiert iBusiness die Branchen, bei denen mindestens 50 Prozent des Branchenumsatzes ins Web abwandern.

In dem Segment Consumer Electronics wächst der E-Commerce seit Jahren so stark, dass der Onlineanteil am Gesamtmarkt längst bedeutend mehr als die Hälfte ausmacht. Und der Onlinehandel mit Consumer Electronics wächst kontinuierlich weiter, während der Umsatz im Gesamtmarkt seit Jahren rückläufig ist.

Der online erwirtschaftete Umsatz mit Consumer Electronics ist dem BEVH zufolge im Jahr 2021 um 11,9 Prozent auf 16, 444 Milliarden Euro gestiegen. Zum Vergleich: 2009 lag das ECommerce-Umsatzvolumen in dieser Warengruppe erst bei 1,75 Milliarden Euro. Das heißt, der Onlineumsatz hat binnen zwölf Jahren knapp 940 Prozent zugelegt.

Gemessen am Gesamtumsatz der Branche Consumer Electronics, den der Bitkom   in 2021 auf 20,5 Milliarden Euro beziffert, ist der Anteil des Onlinehandels auf mittlerweile 80 Prozent gesprungen. Das ist erneut eine massive Zunahme des Internetgeschäfts in diesem Markt. 2009 lag der ECommerce-Anteil nämlich erst bei zehn Prozent. Ein Ende des Onlinebooms in dieser Warengruppe ist vorerst nicht in Sicht, auch wenn sich das Wachstum künftig abschwächen wird.

(Grafik: HighText Verlag)


Der stark technikgetriebene Markt bleibt in den kommenden Jahren insgesamt sehr spannend für den Onlinehandel. Treiber sind nach wie vor die teils sehr preisintensiven Geräte aus dem Bereich Telekommunikation, die weiter für gute Umsätze sorgen. Dazu gehören Smartphones, Tablets und Wearables wie Smartwatches und Fitnesstracker. Mobile, smarte Endgeräte, aber auch vernetzbare Geräte aus dem Bereich Internet der Dinge, werden das Warensegment weiterhin pushen.

Die Entwicklung zeigt deutlich, dass es der stationäre Einzelhandel im Markt der Unterhaltungselektronik und TK-Geräte schwer hat. Der Onlineanteil wächst, während der Gesamtmarkt leicht rückläufig ist (-1,92 Prozent in 2021). Das heißt, der stationäre Handel leidet seit Jahren unter einem Verdrängungswettbewerb durch das starke Webgeschäft.

Wie stark die Verdrängung im Stationärhandel voranschreitet, zeigte zuletzt der strategische Richtungswechsel des Elektronik-Händlers Conrad   . Das deutsche Familienunternehmen mit Hauptsitz im bayrischen Hirschau will noch in diesem Jahr nahezu alle Filialen schließen. Der Grund liegt auf der Hand: Da mit Corona immer mehr Privatkunden ihre Geschäfte online abschließen, statt in die Filialen zu gehen, ändert das Unternehmen seinen Fokus und schließt bis auf eine Filiale, alle Standorte in Deutschland und Österreich. Stattdessen fokussiert sich das Unternehmen auf B2B-Kundschaft und den Onlinehandel.

Ganz aus dem Deutschland-Geschäft zieht sich der Anbieter AO   zurück. Als Grund für die Schließung des Onlineshops und der Filialen nannte AO die Corona-Pandemie. Nachdem sie zunächst für einen Aufschwung bei Online-Bestellungen gesorgt hatten, brachen die Zahlen zuletzt deutlich ein. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Marketing und Lieferungen aber enorm an, während der weltweite Chip-Mangel teils für lange Wartezeiten sorgte. 

Auch Deutschlands größter Elektronikhändler Media-Markt-Saturn hatte vergangenes Jahr angekündigt, 13 seiner 419 Märkte zu schließen. Die betroffenen Filialen ließen sich nach sorgfältiger Analyse nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben. Auch hier liegt der Grund in dem durch die Pandemie nachhaltig veränderten Einkaufsverhalten, begründete die Geschäftsleitung die Einschnitte in das Filialnetz. Immer mehr KundInnen erledigten ihre Einkäufe online. Der ECommerce-Anteil am Gesamtumsatz des Unternehmens habe sich im laufenden Geschäftsjahr mehr als verdoppelt. Dies zwinge das Unternehmen, Anzahl und Größe der stationären Märkte auf die neuen Gegebenheiten auszurichten.

Aufhorchen lassen unter anderem auch die Strategien der großen Mobilfunkdienstleister bezüglich ihrer Handy-Shops. Jeder große Anbieter (Telekom, O2, Vodafone/Unitymedia) hat die Zahl seiner Shops drastisch reduziert oder wird eigene Filialen schließen. Die Telekom erklärte dazu im vergangenen Jahr, das liege am "Online-Boom" und dem veränderten Verhalten von KundInnen. Insgesamt sind 99 der 504 eigenen Telekom-Shops dem Rotstift zu Opfer gefallen.

Laut der Prognose des Bitkom für 2022 stößt der Gesamtmarkt für Consumer Electronics an eine Wachstumsgrenze. Verantwortlich dafür sind maßgeblich der starke Preisverfall sowie sinkende Absatzzahlen bei klassischer Unterhaltungselektronik wie beispielsweise TV-Geräten. Es ist hauptsächlich der Teilmarkt für Unterhaltungselektronik, der stark unter Druck steht und negative Wachstumsraten verbucht. Dem Bitkom zufolge fallen die Umsätze 2022 erneut, nachdem 2020 Corona-Sondereffekte zu einem zwischenzeitlichen Anstieg geführt haben. Dieser kleinste Teilmarkt schrumpft voraussichtlich um 2,3 Prozent. "Der Umsatz mit Consumer Electronics ist im langfristigen Trend rückläufig, aber auf dem Markt zeigen sich interessante Verschiebungen. So ist der Umsatz mit Spielkonsolen zum zweiten Mal in Folge um 40 Prozent gewachsen - und das trotz Chipmangels", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg .

Entwicklung Warensegment Computer

Vom Nischensegment zu einem Wachstumssegment im Onlinehandel entwickelt hat sich mittlerweile der Warenbereich Computer und Zubehör. Vor zwei Jahren prognostizierten wir, dass der Onlineanteil vom Handel mit Computern und Zubehör bis 2025 auf mindestens 20 Prozent Marktanteil wachsen wird. Dieser ECommerce-Anteil ist jetzt bereits überschritten.

(Grafik: HighText Verlag)


Der Gesamtmarkt war 2021 laut Branchenverband Bitkom 34,7 Milliarden Euro schwer. Auf den Internethandel entfielen dabei 8,2 Milliarden Euro Umsatz. Dem BEVH zufolge ist das ein starker Zuwachs um 23,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während der Gesamtmarkt um gut neun Prozent gewachsen ist. Damit hat sich der ECommerce-Anteil am Markt für Computer und Zubehör von 5,4 Prozent in 2008 auf 23,7 Prozent in 2021 mit stabilem Wachstum kontinuierlich entwickelt.

In dieser Warenkategorie ist in den nächsten Jahren weiterhin mit Wachstum online zu rechnen, aber auf einem niedrigeren Niveau. Insgesamt bleibt der ECommerce-Anteil am Gesamtmarkt mittelfristig im Vergleich zu anderen Branchen niedrig, weil vielen KundInnen Beratung und persönlicher Support vor Ort nach wie vor wichtig sind. Wir rechnen damit, dass sich der Marktanteil des Onlinehandels bis 2025 zwischen 25 bis 30 Prozent einpendeln wird.

(Grafik: Quelle: BEVH, Bitkom, Börsenverein, BVDM, GfK, BVS, IFH, IVH, BTE, BJU; Grafik: HighText Verlag)


Die Detailanalysen des deutschen E-Commerce
Dieser Beitrag ist ein Teil aus der Serie 'Detailanalysen des deutschen E-Commerce 2025'. Die Teile im Überblick:
  1. Übersicht ECommerce-Entwicklung: Zehn Handelssegmente in der Langzeit-Analyse
  2. Detailanalyse Tierbedarf
  3. Detailanalyse Bürobedarf/PBS
  4. Detailanalyse Bücher
  5. Detailanalyse Schmuck
  6. Detailanalyse Computer/Unterhaltungselektronik
  7. Detailanalyse Mode
  8. Detailanalyse Möbel
  9. Detailanalyse Lebensmittel
  10. Detailanalyse Spielwaren
Thema: ECommerce-Prognose Elektronikhandel 2025: Verdrängter Stationärhandel

Kommentar von Susan Rönisch

Druck auf Stationärhandel wächst

Das Geschäft mit Computern ist noch weit entfernt von den ECommerce-Umsatzanteilen der Unterhaltungselektronik. Wer glaubt, dass Rechner auf ewig in Geschäften gekauft werden, verrechnet sich.

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Susan Rönisch, Redakteurin iBusiness (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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