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Deutsche Agenturen sehen gute Business-Chancen bei Google Lively
10.07.2008 Mit Lively hat Google jetzt eine 3D-Chatumgebung gestartet. Mit ihr können Webseitenbetreiber und Blogger die Kommunikation mit und zwischen den Besuchern fördern. Deutsche 3D-Experten sind mehrheitlich angetan: Hier tun sich in Marketing und E-Commerce neue Chancen auf. Und langfristig die Chance auf ein 3D-Web.
Tatsächlich kann der Nutzer unter Windows XP oder Vista 3D-Chaträume, Einrichtungsgegenstände und Avatare selbst gestalten und den Code für den erschaffenen Lively-Chatraum kann dann kostenlos in Blogs und andere Webseiten einbauen. Kommerzielle Pläne hat Google wohl ebenfalls schon: Im Katalog können Avatare, Ausrüstung, Möbel und Einrichtungsgegenstände bestellt werden. Noch kostenlos, aber kostenpflichtige Angebote sind hier durchaus denkbar. Google listet alle Lively-Räume in einem Verzeichnis, so dass sie leichter gefunden werden.
Google bietet neben seinem offiziellen Firmen-Webblog eine Lively-Hilfs- und Diskussionsgruppe an, in der bereits angekündigt wird, in Zukunft auch einen eigenen Editor für virtuelle Produkte zur Verfügung zu stellen.
Markus Breuer , Geschäftsführer der 3D-Consulting- und Entwicklungsfirma Otherland Group vermutet hinter Lively ebenfalls "potentiell einen grossen Erfolg", aber bedroht sei weniger Second Life, sondern in erster Linie Plattformen wie IMVU , Vivaty , Exit Reality und die deutsche Stage Space , die mit sehr ähnlichen Modellen arbeiten: "Die echten virtuellen Welten trifft das nicht so. Deren Marktsegment ist aber auch noch klein, weshalb das Google nicht interessiert". Second Life könnte vielleicht sogar profitieren, da ein solches Angebot von Google den Markt und das Thema 3D legitimieren würde.
Breuers ehemalige Mitstreiter, der 3D-Berater Sebastian Küpers (Pixelsebi ) hingegen widerspricht. Er sieht Lively sehr wohl als vollgültige virtuelle Welt, weil sie die fünf Elemente einer virtuellen Welt erfülle:
- 1. Raum (jedes Objekt hat einen Platz, eine Entfernung und eine Größe)
2. Identität (es existiert ein nutzergenerierter Nutzer-Avatar)
3. Konsens (jeder sieht am selben Platz dasselbe, von unterschiedlichen Perspektiven)
4. Beständigkeit (Änderungen, die der Avatar vornimmt sind permanent)
5. Freiheit (die Welt existiert ohne vorgegebene Ziele, der Nutzer hat die Freiheit, zu tun, was er will)
Doch während andere Experten die Beschränkung auf 20 Nutzer pro Lively-Welt dazu verwenden, Lively auf seinen Messenger-Charakter zu reduzieren, argumentiert Küpers, dass ja auch in Second Live die bevorzugte Bewegungsart der Avatare die Teleportation sein: Man springt von Ort zu Ort, von Insel zu Insel. In Google Lively mache man dasselbe: "Das gesamte Google Lively ist eine große virtuelle Welt - nur verteilt auf tausende von Websites. Und das bringt uns dem Metaversum nahe.
Warum Google nicht auf Google Maps aufsetzt und Streetviews aufbohrt, wundert hingegen sich der Geschäftsführer von Toca Me , Roland Iberl : "Gerade im Tourismus-Bereich sind sogenannte 'Mirror Worlds' als Kopien der realen Welt statt der Erzeugung eines künstlichen Metaversums von Interesse, da man reale Gegebenheiten abbilden und in eine reale Umgebung plazieren kann", argumentiert er. Der Wunsch nach einer virtuellen "realen" Welt sei sehr stark. Unabhängig davon hält er den Markteintritt von Google ins 3D-Geschäft für gut, weil das "für alle "gebeutelten" SecondLife-Stakeholder ein positives Zeichen ist und zeigt, dass das Phänomen Virtuelle Welt und SecondLife im besonderen kein One-Hit-Wonder bzw. kurzfristiger Hype ist".
Während Prof. Wolf Groß , Dozent an der Mediadesign-Akademie mit eigener Agentur das Thema virtuelle Welten durch Lively "wieder vermehrt auf die Tagesordnung kommen sieht, die Möglichkeiten für Dienstleister und Agenturen trotzdem eher verhalten" einschätzt, hofft Michael Schumann auf den Lively-Marktplatz für virtuelle Produkte: "Wenn das mal läuft, bietet es sich für Agenturen an, hier Content zu produzieren". Ole Wiemeler , Geschäftsführer der Designagentur Sales King sieht mangels Editor kurzfristig kein Geschäft für Dienstleister, ist sich jedoch sicher: "Der browserbasierte virtuelle Welt gehört die Zukunft".
Auch Ronald Iberl ist optimistisch. Dass Google das 3D-Thema pushe, "bedeutet wiederum, dass SL-Dienstleiter und Agenturen auf ein wieder steigendes Geschäft hoffen dürfen. Es ist nur Wert darauf zu legen, sich nicht auf eine einzige virtuelle Welt zu fokussieren, sondern den Markt zu beobachten und Expertise in unterschiedlichen Welten zu erlangen."
Der Geschäftsführer des Betreibers von Second Life München , ERC , Oliver Reitz hingegen sieht die Chancen eher bei Second Life: "Wir bleiben Secondlife treu, bis es eine bessere virtuellle Welt gibt. In der es möglich ist noch mehr Interfaces mit Real Life zu verknüpfen. Genau hier liegt der Motor und die Zukunft. " Berater Carsten Marmulla von Braincourt sieht die Chancen hier aber eher verhalten: "An virtuellen Welten im 3D-Look wird mittelfristig kein Weg dran vorbeiführen. Klar ist aber auch, daß die prominenteste Implementierung heute auch der Marktführer von Morgen ist. SecondLife ist immer ein Rapid-Prototype gewesen, leider bedingt dies auch, daß 'Buggy-by-Design' nur sehr schwer korrigierbar ist. "
