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Warum Googles und Microsofts Agenten scheitern werden
10.10.2016 Googles Agent und Microsofts Cortana sind die Vorboten einer neuen Art, wie wir in Zukunft mit der digitalen Welt interagieren. Doch noch fehlt den Agenten ein wesentliches Element - und das ist nicht technischer Natur.
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Wir werden recht behalten. Das ist spätestens klar, seit Google vergangene Woche sein neues Smartphone Pixel vorgestellt hat (Google stellt neues Smartphone und andere Gadgets vor). Denn das hat Agenten inside. Zumindest etwas in der Art.
Der Suchmaschinenriese nennt es 'Google Assistant' und der semantische Service ist in der Tat eher Bundesnachrichtendienst als James Bond. Denn obwohl Google ausdrücklich davon spricht, der Assistant könne "Dinge erledigen" ("Reserviere einen Tisch fürs Abendessen, setze eine Erinnerung und schicke die Informationen per SMS an einen Freund") ist er eher umbenanntes Google Now als ein wirklicher Vertreter des Nutzers in der virtuellen Welt.
Ebenso wie Apples Siri und Microsofts Cortana ist auch Googles Assistant im Herzen erst einmal ein Sprachinterface, mit dem die Nutzer Befehle einsprechen können. Das Blut sind die Suchergebnisdaten (bei Google aus der eigenen Suchmaschine, bei Microsoft von Bing), das Muskelgewebe besteht aus Maschinenlern-Algorithmen, die die Spracheingabe analysieren und Suchmaschinentreffer in ausgebbare Knowledge-Bits verwandeln.
Microsofts Cortana ist da zwar schon einen Schritt weiter : Hier existiert ein (Open-Sorce-)API, mit dem sich Unternehmens-Bots in den Nutzerdialog einklinken und Aufgaben erfüllen können. Doch statt einer Restaurant-Buchung liefert Agentin Cortana bislang auch noch nicht mehr als eine Restaurant-Empfehlung.
Das ist aber zu kurz gesprungen. Agenten sollen dem Nutzer schließlich Arbeit abnehmen, und nicht nur die Sucheingabe per Tastatur durch Spracheingabe ersetzen. Eigentlich soll der Agent automatisch agieren und Arbeiten selbstständig lösen. Daher wird der virtuelle Assistent der Zukunft vor allem mit Maschinen kommunizieren - mit Bots, anderen Agenten und über offene Schnittstellen. So wie heute schon bei Programmatic Advertising im Hintergrund jedes Endgerätes eine vollautomatisierte Versteigerung der Werbeplätze stattfindet, die der Nutzer auf diesen Geräten zu sehen bekommt.
Doch noch fehlt die Akzeptanz der Öffentlichkeit für Agenten. So kam fast kein Bericht über Cortana oder Google Assistant ohne den Hinweis auf, wie datenhungrig sich die geplanten Dienste gerierten und wie schlecht es allgemein bei ihnen um den Datenschutz bestellt sei. Dabei funktionieren Agenten ja nur dann, wenn sie wissen, was der Nutzer will - wofür sie möglichst viele personenbezogene Daten brauchen.
Damit der Nutzer aber einen Agenten in Zukunft wirklich als die Vertretung seiner selbst akzeptiert, muss er Vertrauen zu ihm haben - wie man einem Anwalt vertrauen muss, wenn man ihn als Vertreter vor Gericht schicken will. Gegenwärtig sind Cortana und ihre Kollegen allerdings vor allem Agenten ihrer Häuser: Sie vertreten Microsoft, Google, Apple und Amazon , damit unsereins deren Services einfacher in Anspruch nehmen kann. Sie sind nicht unabhängig von ihren Schöpfern - geschweige denn, dass sie uns - den Nutzern - persönlich dienen. Und weil wir alle wissen, dass niemand zwei Herren dienen kann (auch kein Agent) wissen wir auch: Sie dienen ausschließlich ihren Schöpfern. Und denen bringen wir mal mehr, mal weniger Vertrauen entgegen. Meistens weniger.
Denn es ist ein prinzipieller Unterschied, ob ich meinen eigenen persönlichen Agenten dadurch schule, indem ich ihm Zugriff auf meine persönlichsten Daten gewähre. Oder ob ich einen Butler von einem Unternehmen engagiere, der für dieses in meiner Wohnung herumschnüffelt, damit mir der Vertreter dieses Unternehmens am Ende irgendetwas verkaufen kann. Um im Bild zu bleiben: Die meine Gewohnheiten erschnüffelnden Targeting-Maschinen dienen ja auch nicht mir, sondern den Programmatic-Plattformen, den Website-Betreibern und zuletzt den Advertisern, damit mir diese (zumeist auch noch unpassende) Werbung anzeigen können.
Erst wenn es Agenten-Software gibt, die man unabhängig von den großen Monopolen einsetzen kann, werden Agenten ihren Siegeszug antreten. Das wird dann ein Agent sein, der zwar käuflich war, aber dann ausschließlich für mich arbeitet. Nicht Googles Agent. Sondern mein Agent.
Vier Szenarien für den Agenten-Markt
Agentenherrschaft
Agenten werden das meistgenutzte Interface zur Kommunikation mit Endgerät und Web - sie organisieren den Alltag der Nutzer automatisiert und leisten so einen Beitrag zur Abschaffung der App. Die Programmierzukunft liegt also in den APIs, nicht mehr in den Apps.
Die soziale Nische
Agenten kommen aus den sozialen Netzen und den Messengern: Beispiele für Vorstöße zur virtuellen Assistenz aus dieser Ecke kommen von Facebook und dem chinesischen Dienst WeChat , wie die iBusiness-Analyse Die Abschaffung der App gezeigt hat. Agenten verabreden ihre Nutzer mit Freunden und kaufen ihnen Tickets für soziale Events (Konzert etc.). Das große Einfallstor zum Nutzer wird für den Programmierer der soziale Bot.
Übergangsweise Gleichberechtigung für Apps und Agenten
Google, Cortana und Siri organisieren den einen oder anderen Teil des Nutzeralltags, manches erledigen unabhängige Agenten - aber vieles macht der Nutzer nach wie vor gerne selbstbestimmt, mit einem grafisch/textuellen Interface in einer App. Beide Systeme koexistieren für die kommenden Jahre.
Randexistenz
Agenten sind eher ein Nerd-Tool. Schuld dran werden auch die Anbieter sein, die sich nicht auf Standards einigen. Doch auch der menschliche Faktor ist entscheidend: "Die sprachgesteuerte Oberfläche wird nicht die grafische und textbasierte Oberfläche verdrängen - das wird nicht passieren", sagt etwa Jörg von Kirschbaum. So bleiben Agenten ein Tool mit dem man vieles machen könnte, manches aber eben nicht kann und vieles auch nicht tun möchte.
Zu: Warum Googles und Microsofts Agenten scheitern werden
Vielmehr geht es darum die Konsumenten mit Situationsrelevanten Informationen zu bestücken. Sprich sie müssen bspw. erfassen, was die Menschen an Klamotten kaufen und Tipps geben, was sie zum aktuellen Wetter anziehen müssen.
Da alle gut Daten sammeln können wird der entscheidende Wettbewerbsvorteil das Vertrauen zum Datenschutz sein. Und genau da haperts bei Google und Facebook besonders. Apple und Microsoft hätten da aber auch noch Potenzial. Ich denke dass es hier einen neuen Player geben wird, der das Rennen macht.
