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EHealth-Revolution aufgeschoben: Versicherte wollen nicht gläsern werden
10.09.2015 Die Hoffnung der Wearable-Branche geht wohl nicht so schnell auf: Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung möchte ihre Gesundheitsdaten - zum Beispiel aus Fitness-Trackern - nicht an Dritte geben. Die meisten Versicherten auch dann nicht, wenn es dafür im Gegenzug finanzielle Anreize gibt.
Um den gläsernen Versicherten als Szenario möglich zu machen, müssten drei Faktoren gegeben sein: Die Erfassung von Gesundheitsdaten, eine elektronische Dokumentation und die Weitergabe der Daten an Dritte, etwa an Versicherer. Diese Voraussetzungen sind derzeit überwiegend nicht gegeben, wie die
repräsentative Bevölkerungsbefragung Continentale-Studie 2015 - Auf dem Weg zum gläsernen Versicherten? ergab. Für die Erhebung wurden 1.321 Personen ab 25 Jahren befragt.
Die meisten Bürger speichern ihre Daten nicht
Um gesundheitsförderliches oder -schädliches Verhalten beobachten und daraus Maßnahmen ableiten zu können, müssten die Bürger Daten erfassen. Das ist aber nur in geringem Maße der Fall. Zwar sagt die Mehrheit der Bevölkerung, dass sie auf ihre Gesundheit achtet. Im Schnitt gaben 53 Prozent an, die acht abgefragten Gesundheitsaspekte (Ernährung, Bewegung, Gewicht, Schlaf, Blutdruck/Puls, Alkohol-/Zigarettenkonsum, Kalorienverbrauch, Krankheitsverläufe) im Blick zu haben. Fast alle Befragten, nämlich 95 Prozent, achten mindestens auf eines dieser Kriterien, aber nur 19 Prozent erfassen die Ergebnisse ihrer Beobachtungen.Nur bei einer Gruppe ist der Unterschied zwischen "auf Gesundheitsdaten achten" und "diese dokumentieren" kleiner: Diejenigen, die auf mehrere Kriterien achten, dokumentieren ihre Beobachtungen häufiger. Von den Befragten, die auf sieben oder sogar alle der aufgezählten Daten häufig oder sehr häufig achten, machen sich 32 Prozent mindestens zu einem Punkt Notizen. Da die eigene Gesundheit mit steigendem Alter immer mehr zum Thema wird, wundert es nicht, dass 63 Prozent dieser Personen 50 Jahre und älter sind.
Gesundheits-Apps nutzt nur jeder fünfzigste regelmäßig
Allen Schlagzeilen über Gesundheitsapps und Smartwatches zum Trotz nutzen aber nur 2 Prozent solche Möglichkeiten intensiv und 4 Prozent gelegentlich. Weitere 4 Prozent geben an, dass sie Apps oder Ähnliches zwar in der Vergangenheit in Gebrauch hatten, sie mittlerweile aber schon nicht mehr nutzen. 17 Prozent der Befragten, die bisher keine Daten erhoben haben, könnten sich allerdings vorstellen, dass sie künftig auf technische Angebote zugreifen. Die große Mehrheit, 72 Prozent der Bevölkerung, hat eine klare Haltung: "Das kommt für mich nicht infrage."Blickt man mit der statistischen Lupe auf die 6 Prozent der Fans von Gesundheitsapps und Co., fällt auf: Die meisten Nutzer (12 Prozent) finden sich in der Altersgruppe "30-39 Jahre". Aber hier ist auch der Anteil derjenigen, die sich von den Geräten oder Apps bereits wieder abgewendet haben, am größten (8 Prozent). Es liegt nahe, dass es sich bei dieser Gruppe um Lifestyle-affine Early Adopter handelt, die Trends zunächst gern folgen, ohne letztlich dauerhaft dabeizubleiben.
Gesundheitsdaten an Dritte geben? 63 Prozent würden das auf keinen Fall tun
Es bleibt abschließend noch die dritte Frage, ob die Bevölkerung generell bereit wäre, aufgezeichnete Gesundheitsdaten weiterzugeben. In der großen Mehrheit ist das nicht der Fall. 63 Prozent würden diese höchst persönlichen Informationen "auf gar keinen Fall" an Dritte weitergeben, weitere 22 Prozent "wahrscheinlich nicht". Besonders groß ist die Abneigung bei jungen Menschen im Alter von 25 bis 29 Jahren: 97 Prozent möchten eher keine Weitergabe, 78 Prozent davon lehnen das sogar kategorisch ab. Wenn Daten überhaupt weitergeben werden würden, dann gäben sie die Befragten noch am ehesten an Ärzte (85 Prozent) oder die Familie (74 Prozent). Also an Personen, denen der Einzelne großes Vertrauen entgegenbringt.Daran ändern selbst finanzielle Anreize kaum etwas. Denn die Aussage "Für einen finanziellen Vorteil bin ich bereit, mich von meinem Krankenversicherer mit Hilfe meiner Gesundheitsdaten überprüfen zu lassen" lehnen 43 Prozent ab, weitere 36 Prozent der Befragten stehen dieser Aussage skeptisch gegenüber. Auf der anderen Seite ist bemerkenswert: Für einen finanziellen Vorteil wären immerhin 30 Prozent der 30- bis 39-Jährigen zur Datenweitergabe bereit.
