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Karrierestudie: Wie die Digitale Transformation Bewerberprofile verändert

von steiger_2

14.06.2018 Über 12.000 Stellen für Digitalisierungsexperten wurden in den vergangenen 24 Monaten ausgeschrieben. In der exklusiven Auswertung von 14 Millionen Stellenanzeigen bis Mai 2018 durch Joblift   für iBusiness zeigt sich eine weitere Veränderung: Es geht weg vom projektbezogenen Berater zur langfristigen Unterstützung inhouse. Wo die Schwerpunkte liegen und welche Branchen am häufigsten suchen, sagt aus, wo die Digitalisierung ein heißes Thema ist.

CDOs werden immer mehr zu ständigen Beratern der Unternehmer, wie auch der Präsident schon früher nicht auf gelegentliche Expertise von Beratern setzte, sondern auf seine Generäle. (Bild: Pixabay)
Bild: Pixabay
Bild: Pixabay unter Creative Commons Lizenz by-sa
CDOs werden immer mehr zu ständigen Beratern der Unternehmer, wie auch der Präsident schon früher nicht auf gelegentliche Expertise von Beratern setzte, sondern auf seine Generäle.

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TL;DR
Die Digitale Transformation erfordert kommunikative und strategisch agierende Fachkräfte, die als CDO oder auch als ITler verstehen, den digitalen Wandel im Unternehmen zu organisieren. Sie werden über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg gesucht.
Gibt es wirklich immer mehr Stellen für CDOs und ist die deutsche Wirtschaft branchenweit gleich engagiert bei der Digitalen Transformation - oder gibt es Lücken und trügt der Schein? Oder ist es nur so, dass sich die Hidden Champions der Digitalen Transformation in gar nicht mehr so verborgene verwandelt haben oder eben nicht mehr 'unter der Hand' ihre Posten wechseln? Die exklusive Analyse von Joblift für iBusiness liefert Zahlen, die den Wandel bestätigen. Immer mehr Stellen sind ausgeschrieben, immer deutlicher ist zu erkennen, dass die Digitale Transformation auf breiter Basis Einzug hält in die Unternehmen.

Im Vergleich mit der Gesamtanzahl an Stellenausschreibungen der zurückliegenden zwei Jahre fällt die Zahl der Inserate mit Bezug zum digitalen Wandel vergleichsweise gering aus, hat sich jedoch in den letzten zwölf Monaten mit 87 Prozent Zunahme im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beinahe verdoppelt. "Unternehmen scheinen die Bedeutung der Digitalisierung zunehmend ernst zu nehmen und ihren Personalbedarf dafür zu planen", äußert sich Laura Jentsch von Joblift gegenüber iBusiness.

Bei der Analyse der Anstellungschancen für Digitalisierungsexperten zeigte sich, dass noch immer unterschiedliche Anforderungsprofile erstellt werden. Noch lange ist es nicht immer der CDO, der gesucht wird. Doch im Vergleich zu 2017, als Joblift bereits einmal die Häufigkeit von Stellenausschreibungen als CDO analysierte, ist die Anzahl der gesuchten ausgesprochenen CDOs deutlich gewachsen. Bis Februar 2017 waren in einem 24-Monats-Zeitraum nur 16 Stellen ausgeschrieben - in den 16 Monaten bis Mai 2018 kamen 162 neue Posten hinzu.

Jeder zweite Job lockt bei Großkonzernen


In Großkonzernen werden deutlich mehr Fachkräfte benötigt, um die digitale Transformation umzusetzen: 58 prozent der 12.300 ausgeschriebenen Jobs sind in Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern angesiedelt.
In Großkonzernen werden deutlich mehr Fachkräfte benötigt, um die digitale Transformation umzusetzen: 58 prozent der 12.300 ausgeschriebenen Jobs sind in Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern angesiedelt. (Grafik: Quelle: Joblift exklusiv für iBusiness; Grafik: HighText Verlag)
Doch auch neben den ausgewiesenen CDO-Stellen gibt es ein breites Spektrum an Stellenprofilen, die den digitalen Wandel eines Unternehmens konzipieren, managen und beschleunigen helfen sollen. Dabei unterscheidet es sich deutlich, welche Unternehmen besonders häufig nach Unterstützung für ihre Digitalisierungsprozesse suchen.

Obwohl Konzerne mit mehr als 1.000 Angestellten unter 1 Prozent der deutschen Unternehmenslandschaft repräsentieren, finden sich mehr als die Hälfte (58 Prozent) der mit digitaler Transformation befassten Stellen in Firmen dieser Größe. Zum Vergleich entstehen in kleinen Organisationen mit weniger als 50 Beschäftigten nur rund 18 Prozent dieser Jobs.

Dies spiegelt sich auch in den Top 3 Arbeitgebern wider: Auf Platz eins der meistausschreibenden Unternehmen findet sich die Deutsche Bahn mit 3 Prozent der Inserate, gefolgt von Daimler und Siemens mit je 2 Prozent der Stellenangebote.

Mehr als die Hälfte aller Stellen sind in den drei Bereichen Fertigungsindustrie, IT-sektor und Dienstleistungen.
Mehr als die Hälfte aller Stellen sind in den drei Bereichen Fertigungsindustrie, IT-sektor und Dienstleistungen. (Grafik: Quelle: Joblift exklusiv für iBusiness; Grafik: HighText Verlag)
Bei größeren Strukturen ist es kaum zu vertreten, dass die Transformation nur von Externen organisiert wird. Das weite Mittelfeld der KMU hat ebenfalls Bedarf und scheint auch zu erkennen, dass alleine von außen eingekaufte Beratungskompetenz auf Projektbasis den Prozess nicht vollumfänglich oder auch nicht schnell genug ablaufen lässt.

Die größte Nachfrage herrscht dabei in der Fertigungsindustrie (24 Prozent der Stellen), der IT-Branche (19 Prozent) und dem Dienstleistungssektor (15 Prozent). Um wettbewerbsfähig zu bleiben, dürften insbesondere produzierende Betriebe an einem beschleunigten Wandel hin zur Industrie 4.0 interessiert sein und verstärkt Fachpersonal in diesem Bereich suchen. Hier kann es daher auch in 2018 noch zu einem überproportionalen Anwachsen der Personalgesuche kommen.

Unternehmen holen sich dauerhaft Kompetenz ins Haus


Wirft man einen Blick auf die Spezialisierung der gesuchten Profile, so werden nach wie vor am meisten Beraterinnen und Berater mit dem Schwerpunkt Digitalisierung gesucht. Mit insgesamt 1.669 offenen Stellen wurden sie am häufigsten nachgefragt, der Bedarf stieg in den letzten zwölf Monaten sogar um 82 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. An zweiter Stelle mit 162 Prozent Wachstum, also einer Verzweieinhalbfachung der Gesuche, finden sich IT-Fachkräfte mit insgesamt 1.317 Inseraten in den letzten zwei Jahren. Mit 1.023 offenen Stellen rangieren die Managementpositionen auf Platz drei, der Bedarf nach Führungskräften im Bereich digitale Transformation stieg mit 45 Prozent jedoch am schwächsten.

Trotz der großen Nachfrage nach Beratung scheinen Unternehmen den Digitalisierungsprozess zunehmend als internen langfristigen Richtungswechsel zu verstehen, für den zusätzlich zu externer projektbezogener Hilfe auch IT- und Managementpositionen geschaffen werden. Das ist auch daran zu erkennen, dass 22 Prozent der Inserate für digitale Transformation Senior-Profile mit Erfahrung in diesem Bereich sind, nur 5 Prozent entfallen auf Junior-Positionen.

Stellenausschreibungen nehmen zu, frei verfügbare CDOs ab

Waren im Februar 2017 die Einschätzungen der Metasuchmaschinenexperten noch verhalten, was die tatsächliche Anzahl gesuchter Experten betrifft, so zeigen die aktuellen Zahlen deutlich: es hat eine Verlagerung auf den freien Markt stattgefunden und Digitalisierungsfachkräfte werden offiziell gesucht, so wie andere Mitarbeiter auch.

Die Einschätzung von Joblift von vor eineinhalb Jahren, dass die Position des CDO lediglich 28 mal öffentlich ausgeschrieben wurde und davon auszugehen sei, dass diese Position aber darüber hinaus häufig über direkte Ansprache oder interne Beförderung besetzt wurde, ist mit den aktuellen Zahlen überholt. Auch die Hilfe von außen, die bei den damals ermittelten 2.495 Stellen mit Schwerpunkt auf Digitalisierungsprozessen mit 854 Ausschreibungen für Managementberater sehr hoch angesetzt war, ist nunmehr durch die überwiegende Anzahl an Festanstellungsangeboten deutlich heruntergefahren.

Dazu meint Laura Jentsch: "Besonders Konzerne sind bemüht, ihre Strukturen zu modernisieren - und alle Unternehmen holen sich dafür oft Berater für projektbezogene Digitalisierungsprozesse ins Haus. Allerdings deutet die Nachfrage nach IT- und Management-Experten darauf hin, dass die Digitale Transformation immer weniger als Projekt und mehr als wirklicher Richtungswechsel verstanden wird, was langfristig die erfolgreichere Strategie sein dürfte."

Überproportional viele neue Stellen wurden in den vergangenen 24 Monaten mit vertieften IT-Kenntnissen ausgeschrieben. Im Vergleich zu den Stellen von 2017 wuchs die Nachfrage um 162 Prozent.
Überproportional viele neue Stellen wurden in den vergangenen 24 Monaten mit vertieften IT-Kenntnissen ausgeschrieben. Im Vergleich zu den Stellen von 2017 wuchs die Nachfrage um 162 Prozent. (Grafik: Quelle: Joblift exklusiv für iBusiness; Grafik: HighText Verlag)
Auch wie schon 2017 liegen bei der inhaltlichen Analyse der Ausschreibungen die Planungsaufgaben der digitalen Strategie im Vordergrund und bestimmen über den Typ der Experten. Mit 1.699 Stellen für beratende Funktionen zeigt sich die Suche als größte Gruppe der nachgefragten Bewerber. Doch auch Schnittstellenmanagement zählt zu den Hauptaufgaben eines CDO, außerdem werden Weiterentwicklung von digitalen Geschäftsmodellen sowie Projektmanagement genannt, sodass auch die Managerpositionen deutlich gewonnen haben.

Noch immer gilt, dass Qualifikationen in der IT oder ein Abschluss in Informatik verbunden mit umfangreicher Führungserfahrung im Digitalgeschäft beste Voraussetzungen für einen Job als CDO darstellen.Immerhin 1.317 Stellen - mit einem Zuwachs von 162 Prozent gegenüber der Erhebung 2017 - sind mit diesem Schwerpunkt ausgeschrieben. Die Probleme, die die technische Umsetzung mit sich bringt, werden von den suchenden Unternehmen sehr hoch aufgehängt und bestimmen den Tenor der Jobangebote.

Die iBusiness-Analyse macht auch deutlich: Der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt, insbesondere, da die Unternehmen zusehends erkannt haben, dass die Digitalisierung nicht delegierbar ist und auf Leitungsebene mehr Gewicht bekommen hat. Dieser Bedarf kann nur gedeckt werden, wenn in den Unternehmen selbst der Nachwuchs eine Chance bekommt, aktiv mitzuwirken und Erfahrungen aufzubauen. Die Herausforderung besteht also darin, möglichst viele in die Prozesse einzubeziehen, damit sie die CDOs von morgen werden.

Vier Szenarien der Jobperspektiven als CDO

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
35%
Best-Case-Szenario

Führungs- und Strategiefunktionen

Je größer das Unternehmen, umso weiter oben wird die Verantwortung für die Digitale Transformation angesiedelt und auch personell besetzt. Dabei sind diese Posten vor allem Strategie- und Managementpositionen, die sich innerhalb der Geschäftsführung als Treiber engagieren.

Aktiv
20%
Worst-Case-Szenario

IT-lastiges mittleres Management

In Betrieben, die IT-technischen Nachholbedarf haben, werden Spezialisten mit einem Strategiehut gesucht, die in der Lage sind, anzupacken und technische Neuerungen umzusetzen. Prioritäten liegen dabei auf dem "Mithalten können".

Passiv
35 %
Best-Case-Szenario

Management und Innovationstreiber

Wer auf Augenhöhe aber außerhalb der Geschäftsführung agieren darf, kann sowohl Strategien entwickeln als auch Innovationen einbringen, die durch flexible Strukturen und die Möglichkeiten, experimentieren zu dürfen, erleichtert werden - Unterstützung der Geschäftsleitung vorausgesetzt.

Passiv
10%
Worst-Case-Szenario

Fachkompetenzen mit Umsetzungssausfgaben

Noch immer werden Fachleute gesucht, die als eine ihrer Aufgaben die Unterstützung der Digitalen Transformation übertragen bekommen. Sei es in Zusammenarbeit mit externen Beratern oder aus der Digitalisierungsabteilung haben sie mehr praktische denn strategische Funktionen.

Thema: Karrierestudie: Wie die Digitale Transformation Bewerberprofile verändert

Kommentar von steiger_2

Wer Fachleute fordert, muss sie sich entwickeln lassen

Wer meint, die Digitale Transformation sei schon längst in vollem Gange und in fünf Jahren abgeschlossen, unterschätzt, dass noch längst nicht alle Unternehmen so weit sind, die richtigen Fachleute engagiert zu haben. Der Zuwachs an Jobausschreibungen für CDOs und andere spricht eine deutliche Sprache.

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Susanne Steiger (Susanne C. Steiger)
Bild: Susanne C. Steiger
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