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Studie digitale Ängste der Deutschen: Was vertraut scheint, ängstigt nicht
06.02.2023 Kryptowährungen, digitale Menschen, autonome Autos und Chatbots: Vor diesen Techniken fürchten sich die Deutschen am meisten. Andere heiß diskutierten Techniken sind den Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern völlig unbekannt. Unsere exklusive bevölkerungsrepräsentative Studie zeigt, wie sehr sich die Interessen der Bevölkerung von so mancher Branchendiskussion unterscheiden.
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Dabei schnitten Technikfelder aus dem Bereich der sogenannten Künstlichen Intelligenz durchschnittlich am besten ab. Im Gegensatz dazu schätzten die Befragten Backend-Technologien und Roboter im Schnitt am wenigsten positiv ein.
Per Panel-Befragung hatte das Marktforschungsinstitut Anfang Januar 2023 insgesamt 1.001 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren nach ihrer Meinung zu 22 aktuell diskutierten Technologiefeldern befragt. Diese basierten aus den Erkenntnissen der aktuellen Gartner Hype-Cycle-Methodik . Wo Begrifflichkeiten nicht selbsterklärend waren, haben wir eine kurze Erklärung hinzugefügt.
Angeben konnten die Befragten, ob die jeweilige Technik nach ihrer Einschätzung einem selber und/oder der Gesellschaft "sicher" beziehungsweise "eher" schadet, nützt oder neutral zu betrachten ist. Die Antworten haben wir gewichtet und negative und positive Werte zu einem Indexwert zusammengeführt:
Deutlich zu sehen: Kollaborationstools und Cloudsysteme (beide von uns ins Segment "Netz" (grün) eingeordnet) schnitten mit deutlichem Abstand am besten ab, gefolgt von der KI-Technik "Natural Language Processing" NLP. Mit allen drei Technologien haben die meisten Menschen einen direkten Kontakt: Sei es, dass sie Übersetzungstools beispielsweise bei Google nutzen, sei es, dass am Arbeitsplatz Cloudsysteme und Kollaborationstools eingesetzt werden. Offenbar schätzen Menschen Technologien um so positiver ein, je mehr Erfahrungen sie mit ihnen haben.
Umgekehrt: Die Wellen von Insolvenzen von Krypo-Portalen, die Flut von Kryptowährungs-Spams und die wachsende Zahl von Berichten über Hacker und andere Verbrecher, die mit Kryptowährungen versuchen, ihre Spuren zu verschleiern - sowie das Platzen der Krypto-Spekulationsblase haben offenbar dazu geführt, dass Kryptowährungen von der Mehrheit der BundesbürgerInnen als extrem negativ eingeschätzt werden. Die meisten Kreuze bei "schadet sicher" landeten bei den Kryptowährungen. Und anders als bei Pflegerobotern, die die zweitmeisten extrem negativen Einschätzungen gesammelt haben, gibt es deutlich weniger Menschen, die Kryptowährungen wie Bitcoin etwas oder sehr positiv sehen.
Ebenso wie Pflegeroboter sind es das Metaverse, Chatbots und autonome Autos, die in der Bevölkerung besonders umstritten sind: Bei diesen vier Techniken gibt es gleichermaßen sehr deutliche Zustimmung und sehr deutliche Ablehnung von vielen Menschen.
Wo die Technologiehoffnungen liegen
Wenn man die positiven und negativen Erwartungen der KundInnen auf der einen Achse und die Bekanntheit der jeweiligen Technologie auf der anderen Achse abträgt, sieht man sehr gut, dass man drei Felder identifizieren kann, in denen sich die Technikhoffnungen und -ängste der Deutschen bewegen:- Irrelevantes:
Fediversum, digitaler Zwilling, Web3 und Blockchain besitzen eine relativ niedrige Bekanntheit und eine eher durchschnittliche Akzeptanz. Sie werden von der Mehrheit der Bevölkerung ignoriert oder nicht wahrgenommen.
- Gefahrenquellen:
Kryptowährungen und menschenähnliche KI-Systeme werden von der Mehrheit als Gefahr eingeschätzt. Autonome Autos und Roboter haben auch mehr Risiken als Chancen aus der Sicht der deutschen Bevölkerung.
- Hoffnungsträger
sind vernetzte Computersysteme und (eingeschränkt) Kollaborationstools, Lieferrobots, VR und lernende KI-Systeme.
Alles andere kann man guten Gewissens in die "Meeeh"-Rubrik einsortieren. Mit Themen wie Metaversum, Augmented Reality, Super-App oder NFT lässt sich zumindest marketingtechnisch zur Zeit in breiten Teilen der Bevölkerung kein kommunikativer Blumentopf gewinnen:
Das Studiendesign: "Was denken Sie über die Auswirkungen von diesen neuen Techniken?"
Die folgenden 22 Techniken haben wir im einzelnen abgefragt. In Klammern angegeben sind die Kurzerklärungen, die die Umfrageteilnehmenden zusätzlich erhalten haben.- Augmented Reality (Integration von Onlineinhalten ins richtige Leben)
- Autonome Autos (Selbstfahrende Kfz)
- Blockchain (Speichersystem von Veränderungssignaturen für Dateien)
- Chatbots (KI-gesteuerte Chatautomaten)
- Cloudsysteme (Speichersysteme online)
- Consent Management (zur Speicherung von Nutzer-Einwilligungen auf Websites)
- Digitale Menschen (Weiterentwicklung von KI)
- Digitaler Zwilling (Digitale Version z.B. einer Fabrik zur Optimierung)
- Fediversum (dezentrales Internet wie Mastodon)
- Kollaborationstools (Onlinetools für gemeinsame Meetings, Planung etc…)
- Kryptowährungen (Digitale Währungen wie Bitcoin)
- Lieferrobots (autonome Robots zur Warenauslieferung)
- Maschinenlernen (Künstliche Intelligenz, die lernt)
- Metaverse (Internet als immersive 3D-Welt)
- Natural Language Processing NLP (Übersetzungs-KI wie DeepL)
- Non-Fungable Tokens NFT (unfälschbares Wasserzeichen für Dateien)
- Pflegerobots (autonome Robots in der Pflege)
- Servicerobots (autonome Robots z.B. in der Gastro)
- Super-Apps (Multi-Anwendungs-Apps)
- Virtual Reality (interaktive 3D-Welten)
- Web3 (vernetztes Internet 3. Generation)
- Wissens-Software wie ChatGPT (z.B. als Recherchesystem)
Nachvollziehbar ist, dass zwei Drittel der Menschen auch mit dem Begriff "Digitaler Zwilling" und mit dem Konzept von Web3 nichts anfangen können. Beides sind Technologiefelder, die eher ins Agenturumfeld oder in den Bereich der Netzwerkkonzeption gehören.
Interessant ist allerdings, dass Themenfelder, die in der Digitalbranche seit langem diskutiert werden (und die es mittlerweile auch aus der Fachpresse in die Mainstream-Medien geschafft haben), für mehr als jeden vierten Befragten unbekannt sind: Blockchain und Echtzeit-Spracherkennung, Super-Apps und selbst das aktuell in jedem Social-Media-Feed unumgängliche "Generative Pre-trained Transformer" ChatGPT sind für einen großen Teil der Bevölkerung völlig unbekannt.

