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Die Ängste der Onlinehändler: 'Wir stehen tatsächlich an einer Zeitenwende'
25.03.2022 Der E-Commerce der kommenden Jahre wird sich von dem unterscheiden, den wir gegenwärtig kennen. Russlands Angriff auf die Ukraine ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Brandbeschleuniger für eine Neupositionierung des Onlinehandels.
Eine Einflussanalyse über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Digitalwirtschaft hatten wir schon veröffentlicht. Beim Thema ECommerce im Ukrainekrieg muss man allerdings drei verschiedene Ebenen auseinanderhalten, wie iBusiness-Analystin Susan Rönisch und Herausgeber Joachim Graf im Videopodcast deutlich machen:
Die jetzt zu beobachtenden kurzfristigen Auswirkungen wie Lieferengpässe (Salatöl ist das neue Klopapier) werden sich ebenso wie die Kaufzurückhaltung der VerbraucherInnen schneller auflösen, als man "Gewöhnung an den Krieg im Fernen Osten" sagen kann. Wenn klar ist, dass die russische Armee nicht übermorgen über die Berliner Friedrichstraße rollt (trotz verkehrsberuhigter Zone!!), dann wird der Ukraine-Krieg das Donbass-Schicksal erleiden und an Aufmerksamkeit verlieren, argumentieren die beiden.
Die mittel- und langfristigen Auswirkungen werden uns hingegen im Onlinehandel erhalten bleiben: Die steigende Inflation wird uns erhalten bleiben, steigende Energiepreise werden uns erhalten bleiben, die energetisch-ökologische Wende wird uns erhalten bleiben.
Lange Lieferketten, Just-in-Time-Lieferung, das Rendite-Rosinenpicking der Plattformökonomie: Auch diese Konzepte der Manchester-Globalisierung werden langfristig unter Druck geraten. Stattdessen werden Resilienz und Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnen: Regionale Fertigung statt Billigware aus China. Investitionen in (Cyber-)Sicherheit, regionale Netzwerke statt globaler Einkauf, Handel als Zufriedenheitsservice für KundInnen, Mitarbeitende und Partner statt Kistenschieben. Und vor allem: Der Onlinehandel wird nachhaltiger werden müssen. Bei Lieferung, Retourenmanagement und Produkten - und das auch kommunizieren müssen.
Kurzfristig werden (neben der konkreten Hilfe für Ukraine-Flüchtlinge) für die Verantwortlichen im E-Commerce allerdings zwei Dinge zu beachten sein: Neben der wirtschaftlichen Auswirkung - von Logistik, Zahlungsströmen bis hin zu Umsatzauswirkungen - sei die menschliche Komponente im Unternehmen ein oft vernachlässigter Faktor: Nach zwei Jahren der Unsicherheit und des Stresses durch die Pandemie müssten sich die Führungskräfte auch der Auswirkungen des Krieges auf die MitarbeiterInnen bewusst sein. Weil Menschen ein grundlegendes Bedürfnis nach einer geordneten und sicheren Welt haben und Kontrolle über ihr Leben behalten möchten, insbesondere in bedrohlichen Situationen, sei wichtig: "Der Krieg ist schrecklich, wenn sich Menschen Sorgen machen, darf das in Unternehmen kein Tabuthema sein."
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