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Elf Programmatic-Advertising-Trends für 2020/2021
15.09.2020 Corona hat Programmatic Advertising etwas im Siegeszug gebremst, aber nun rollt er weiter: Diese elf Trends sollten Agenturen, Advertiser und Publisher in den kommenden Monaten und in 2021 auf dem Schirm haben.
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Auch Marc Majewski, Gründer des Performance-Marketing-Dienstleisters Advanced Store GmbH , hat zwar partielle Einbußen, aber vor allem verstärkten Werbedruck in breiten Segmenten verzeichnet: "Die ganzen Travelbrands waren raus - und auch die Brandingleute haben die Reißleine gezogen. Aber im Performance-Marketing, also auch im Programmatic Advertising, wurde verstärkt geworben: Die Menschen im Lockdown waren gezwungen, online zu kaufen, da galt es für die Marken, dabei zu sein und Sales zu generieren."
Und dort, wo Programmatic substanziell zurückgefahren wurde, war es oftmals schneller wieder zurück im Geschäft, sobald die Maßnahmen gegen die Pandemie gelockert wurden: "Die digitalen Medien taten sich leichter wieder Fuß zu fassen, klassische Kampagnen kommen langsamer wieder zurück: Kanäle wie Programmatic werden schneller aus dem Mix rausgeworfen, kommen aber auch schneller wieder zurück", sagt Thomas Koch , Media-Guru und Inhaber der Digital-Außenwerbung-Agentur The Dooh Consultancy . Hendrik Kempfert, Director Business Development beim Logistics Summit mit langjähriger Erfahrung in der Programmatic-Branche, beobachtet indes einen "leicht rückläufigen Programmatic-Markt in Deutschland - es gibt weniger rein vollautomatisches Programmatic und mehr Deals und mehr Programmatic Guaranteed."
Vielleicht liegt eine der Ursachen für diesen Trend darin, dass nur dort, wo Programmatic bereits betrieben wurde, Corona als Turbo wirken konnte. In allen anderen Betrieben wurden die laufenden oder geplanten Schritte auf's Programmatic-Parkett erst einmal eingefroren:
Aktuell treibt die Branche weniger Corona um, als der gesetzliche Rahmen, der dem Markt gesteckt ist: "Größtes Thema sind aktuell E-Privacy-Regelung und DSGVO: Wie kriegt man das Business rechtskonform in den Griff?", sagt Sebastian Reischl. "Und daraus ergeben sich weitere Themen wie: Datenhoheit - also wie kriege ich die Daten genutzt? Und Technologiehoheit - hier gibt es beim Adserving eine Inhouse-Bewegung, weg von den Agenturen. Kontrolle ist hier das Hauptmotiv." Marc Majewski etwa rät vor diesem Hintergrund seinen Kunden, "auf etablierte Systeme zu setzen, die breite Unterstützung im Markt haben und den Datenverarbeitungsstandard IAB-TCF unterstützen, etablierte Technologien sind hier sicherer."
In diesem aktuellen Umfeld geben elf Trends vor, in welche Richtung sich Programmatic Advertising in 2020/2021 weiter bewegen wird.
Trend eins: Verstärkte Abhängigkeit von Publisher-Daten
1st-Party-Daten beherrschen den Markt - Ursache sind das absehbare Aus für das legale Setzen von Cookies und die DSGVO. Programmatic wird damit zunehmend von den Sammlern juristisch sauberer Daten abhängig, 3rd-Party nimmt einen langsamen Abschied. Das führt unmittelbar zum nächsten Trend.Trend zwei: GAFA-Machtzuwachs: Machtkonzentration in den Walled Gardens
Die großen Internetkonzerne wie Google , Amazon , Facebook und Apple (und natürlich auch die Netflixe und Spotifys und weitere) gewinnen Programmatic-Macht, weil sie eben jene Daten haben, die der Treibstoff für das Geschäft sind. Advertiser und Agenturen müssen immer öfter bei ihnen anklopfen und mit Geldscheinen in der Hand um Nutzerkontakte bitten.
Trend drei: ... und noch mehr Macht für alle mit Cross-Channel-Analytics
Besonders mächtig werden in diesem Umfeld alle großen Konzerne, die den Nutzer vom Internet über seine diversen Endgeräte bis an die Haustür oder in den Handel tracken können: Das ist beispielsweise ein Google, ein Amazon oder auch ein Apple, allesamt Konzerne mit eigenen Bezahlfunktionen: Wieso sollte ein Advertiser bei einem deutschen Anbieter sein Programmatic Advertising buchen, der nur melden kann, dass der Kunde höchstwahrscheinlich gekauft hat - während etwa Google ihm sagt, um wie viel Uhr er in welchem Laden gekauft hat und was er sonst noch im Warenkorb hatte?Trend vier: Portalvielfalt als Lösung
Wer im Programmtic mithalten will, muss also das Spiel der Großen spielen - und möglichst viele Datenquellen besitzen: Wer nur auf der eigenen Homepage seine 1st-Party-Daten schürfen kann, gerät ins Hintertreffen gegenüber Netzwerken, die den Nutzer auf verschiedenen Portalen tracken können.Trend fünf: Druck für europäische Technologie-Dienstleister - und ein Funken Hoffnung
DSGVO und Cookie-Richtlinie lassen den Druck auf die Dienstleister im europäischen Geltungsbereich der Reglementierungen wachsen - jedoch wächst analog dazu der Standortvorteil mit: Wer konform zu gängigen Richtlinien in Europa tracken und auswerten kann, hat immerhin ein gutes Argument in der Tasche.Trend sechs: Konzentration bei den Technologie-Dienstleistern und Publishern
Lokale europäische Marktteilnehmer werden gezwungen sein, Technologien, Reichweiten und jedwede Pflastersteine, die sie von der Customer Journey des Kunden im Blick haben, zusammenzuwerfen, um mithalten zu können. Pro Sieben Sat.1 und RTL machen dies im Gewand des Verbundes D-Force vor, ein Joint Venture, das die Reichweiten beider Mediakonzerne kombiniert und so etwa ein übergreifendes Frequency Capping erlaubt: Statt den gleichen Nutzer beispielsweise zehn Mal bei RTL und zehn Mal bei Pro Sieben anzusprechen, können Marken den gleichen Nutzer in beiden Netzwerken mit einem Kontaktlimit von insgesamt zehn Impressions kontakten und Streuverluste verkleinern.Trend sieben: Abwärtsspirale der Datenvielfalt als Kampagnenkiller
Der Schutz der Nutzerdaten setzt eine zunehmende Abwärtsspirale in Gang, glaubt Ralf Scharnhorst, Media- und Marketing-Experte und Inhaber von Scharnhorst Media , und erklärt das anhand des Beispiels 'Zielgruppe Katzenliebhaber': "Um so stärker Cookies eingeschränkt werden, um so weniger User werden auf einer Katzenfutter-Website markiert. Damit sinkt die Größe des verfügbaren Datenpools. Vielleicht gibt es also in einem Jahr, bei einem beispielhaften Daten-Anbieter, nur noch 100.000 Katzenfans, wo es jetzt 200.000 gibt." Das kann daher rühren, dass Browser wie Firefox und Safari Cookies einen Riegel vorschieben, aber auch am gesetzlichen Rahmen. "Es sinkt also die Quantität der Daten und das führt zu sinkender Reichweite - man kann dies auch als sinkende Qualität der Daten sehen, denn auf Basis dieser Daten werden wir dann keine Katzenfutter-Kampagne mehr schalten."
