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Social-Media-Marketing: Sechs Trends - und zwei Must-haves
29.09.2020 Das Corona-Virus, ein US-Präsident und eine Parallelwelt bestimmen das Social-Media-Marketing in 2020/2021 - sechs Trends und zwei ebenso wichtige Must-haves, die Marketeers und Marken kennen sollten.
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Corona hat dazu beigetragen, dass Soziale Medien noch mehr an Bedeutung gewinnen - und damit ist nicht nur die tägliche Information und Desinformation gemeint, die Facebook beisteuert. Manche Kanäle sind in der Pandemie zu Freunden und Begleitern in der selten wirklich offenen diskutierten Einsamkeit geworden: "Menschen schauen sich Schach-Partien auf Twitch an. Es gibt ein verstärktes Nebeneinander sozialer Medien wegen Corona", sagt Christian Faltin,geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikations-Agentur Cocodibu .
Trend eins: Neuer Berater-Alltag
Social-Media-Marketing als Beratergeschäft wird sich wegen Corona vor allem in Bezug auf die Logistik wandeln; die einstündige Sitzung mit den Ansprechpartnern beim Kunden wird immer häufiger als Videokonferenz stattfinden, die Pandemie hat hier die Machbarkeit aufgezeigt. "Sowohl auf Kunden-, als auch Agenturseite ist hier ein gewisses Umdenken geschehen", sagt Jochen Hencke, Chief Operating Officer bei der auf Social-Media spezialisierten Agentur d.Tales . "Man muss nicht unbedingt Berater für einen einstündigen Termin von München nach Berlin schicken. Sei es mit dem Flugzeug, als auch mit dem Zug. Das geht auch wunderbar online. Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern spart auch Zeit und Kosten, die sonst für An- und Abreise anfallen würden." Doch auch über Reisen hinaus wird sich der Arbeitsalltag in Social-Media-Agenturen ändern, glaubt Hencke: "Mit einer rigorosen Homeoffice-Regelung lassen sich natürlich auch Büro-Flächen und somit Betriebskosten einsparen. Ich glaube, dass gerade für kleinere Agenturen Coworking-Spaces immer attraktiver und sinnvoller werden."Trend zwei: Bedeutungszuwachs für Corporate Influencer in B2B
Was iBusiness bereits im Februar angekündigt hat, gewinnt noch mehr an Bedeutung: Die Selbstdarstellung von Marken in Social Media funktioniert über Menschen, nicht über Unternehmensseiten. Statt die Marke dort aufzubauen, sollten Firmen ihre Sales-Mitarbeiter thematisch positionieren und in den Kundendialog gehen lassen. Analog zu der daraus resultierenden Vernetzung steigt auch die Chance zur Leadgenerierung. Damit besitzt der auf LinkedIn aktive Mitarbeiter eine große Schnittmenge zum Corporate-Influencer. Wichtig für die Selbstdarstellung ist die Zusammenfassung der eigenen Person in drei Hashtag-artigen Schlagworten - eine klare Definition der eigenen Themen. Wichtiger als die Nennung der Position ist die der Verantwortung im Unternehmen, wichtiger als der Titel ist das eigene Thema im Betrieb. "Wenn man es richtig macht, ein Strategie entwickelt, die Mitarbeiter schult und ihnen Freiheiten gibt, lassen sich ohne Probleme gewisse Kommunikationsaufgaben abgeben", sagt Jochen Hencke: "Es geht nicht darum, dass die Mitarbeiter/innen jetzt das Community Management oder die komplette PR übernehmen sollen, sondern einfach mehr aus ihrem Arbeitsalltag berichten."
Trend drei: Marktverteilung - Teflon-Netzwerk Facebook unter Druck, Tiktok wächst weiter
Aktuell ist Facebook nach wie vor das Teflon-Netzwerk - an ihm gleitet jede Form von ernstzunehmender Bedrohung ab: Vorwürfe, rechtsgerichtete Agitation zu unterstützen oder die Demokratie zu destabilisieren werden weggeatmet und ausgesessen - immerhin zeigt man zaghafte Ansätze, an Algorithmus und Strukturen zu schrauben. Vorwürfe, einen feuchten Kehricht um Datenschutz zu geben, werden schon mal mit der Drohung, doch einfach Europa als Markt aufzugeben, gekontert. Ein neues Netzwerk kommt mit einer spannenden Idee oder Funktion um die Ecke? Das wird einfach nachprogrammiert. Geschadet hat es Facebook bisher nicht substanziell.Der einzige hartnäckige Störfaktor, quasi das gallische Dorf im römischen Imperium, bleibt der asiatische Konkurrent Tiktok . Der wächst nicht nur munter und kratzt an der Marke zu Instagram-Mitgliederdimensionen; nicht mal der von Donald Trump angedrohte Zwangsverkauf kostete den Konkurrenten aus dem Hause Bytedance mehr als ein paar Wochen Taktieren und einen cleveren Schachzug - ab jetzt lässt man sich einfach in den USA hosten. Hier erhascht man einen kleinen Ausblick darauf, was Facebook langsam aber stetig unterminieren könnte - eine originelle Konkurrenz mit der Unterstützung der Jugend: "TikTok ist ein ernsthafter Konkurrent für das Zuckerberg-Imperium geworden. Facebook muss langsam selbst zum Innovator werden und nicht immer einfach nur Funktionen von anderen Netzwerken kopieren", glaubt Jochen Hencke. Doch noch ist die Bedrohung eher visionär-strategischer Natur als akut. Marketeers sollten aber Tiktok auf dem Radar haben - besonders wenn ihnen der blaue Riese zunehmend auf die Nerven geht.
Trend vier: Netzwerk-Politik wird zur Wildcard
Donald Trumps Poltern gegen Tiktok ging schließlich verhältnismäßig harmlos für das Konkurrenznetzwerk von Amerikas Social-Media-Primus Facebook aus. Aber es zeigte, dass Social Media nicht nur in autoritär geführten fernöstlichen Märkten zum Spielball der Politik werden kann. Mit dem gezielten quasi-diktatorischen Vorgehen einer staatlichen Instanz gegen einen weltweiten Social-Media-Player haben die USA einen Präzedenzfall geschaffen. Künftig werden die Daten, die soziale Netzwerk ansammeln, nicht mehr der Schatz sein, auf dem sie hocken und sich sicher wähnen können: Die darin wohnende Macht hat nun einmal ein Staatsoberhaupt auf den Plan gerufen - das kann jederzeit wieder passieren.Tendenziell läuft die Entwicklung weg vom Social Weg hin zum Social Splinternet auf höheren Touren als je zuvor: Die Reise geht zum Flickenteppich aus voneinander isolierten regionalen Social Webs auf globalem Level. Das heißt, wir haben es mit gewaltigen Flicken zu tun: sie haben die Ausmaße von China, eventuell USA und Europa - aber der Nutzer wird Zugriff auf ganz andere Inhalte oder sogar ganz andere Netzwerke haben, abhängig davon, wo er sich auf dem Globus befindet.
Trend fünf: B2B-Networking: LinkedIn lässt Xing endgültig hinter sich
Das Business-Netzwerk LinkedIn ist im Begriff, seinen langjährigen Konkurrenten Xing nun endgültig abzuhängen. Der Business-Netzwerk-Markt ist attraktiv für Marketeers: "Immer mehr Menschen und auch Unternehmen erkennen, wie wichtig Personal Branding ist. Und hier macht LinkedIn den klar besseren Job", sagt Jochen Hencke. "Mit einer Blog-Funktionalität, SlideShare, Content-Newslettern und und und, haben sie den Trend frühzeitig erkannt und forciert. LinkedIn hat sich von einem Job-Netzwerk zu einer Publishing-Plattform für Experten entwickelt. Eine E2E (Expert-2-Expert) Plattform sozusagen."Auch Felix Beilharz , Berater für Online- und Social-Media-Marketing, attestiert Facebook, dass "hier die organischen Reichweiten deutlich spannender (sind) als bei Facebook." Beilharz hält LinkedIn im Business-Kontext für unverzichtbar: "Xing ist nach wie vor eher im deutschen Mittelstand ansässig und ist immer noch der hinterher hinkende etwas lahme Stiefbruder von LinkedIn. Man gibt sich dort redlich Mühe, mit der schnellen Entwicklung des Social Web mitzuhalten, aber während LinkedIn bereits über Pixel, Custom und Lookalike Audiences, Stories, Filter und Livestreams verfügt, hat man bei XING gerade erst Video-Ads eingeführt." Und Christian Faltin geht davon aus, dass "die Young Professionals eher zu LinkedIN gehen werden, für Xing wird es damit auf lange Sicht schwierig."
Trend sechs: Die Parallelwelt zum Fernsehen
Dass Nutzeraufmerksamkeit, die früher dem linearen TV vorbehalten war, in die Streaming- und Videoplattformen dieser Welt wandert, ist nicht neu; aber viele Marken dürften nicht auf dem Schirm haben, mit welcher neuen Qualität und Quantität hier eine Parallelwelt zum Fernsehen entsteht: "Die Veranstaltung mit Knossi, Sido und anderen bot 72 Stunden Livestream und hatte in der Spitze über 310.000 Zuschauer gleichzeitig", verweist Felix Beilharz auf das Beispiel der besonders bei Gamern beliebten Streaming-Plattform Twitch : "Das entspricht in etwa den Einschaltquoten von WDR aktuell um 18 Uhr oder einer schwächeren Folge 'Love Island' bei RTL2 ."Und wer bis hier gelesen hat, bekommt als Bonus zwei Must-haves. Aufgelistet werden sollen sie aber trotzdem wegen ihrer hohen Handlungsrelevanz - denn nicht jeder hat sie auf dem Schirm.

