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Landwirtschaft: Digitale Lösungen gewinnen in Corona-Krise an Bedeutung

28.04.2020 Ob Hightech-Landmaschinen, Agrar-Apps, Robotik oder Drohnen - die Digitalisierung ist heute ein fester Bestandteil der Landwirtschaft. Mehr als 8 von 10 landwirtschaftlichen Betrieben (82 Prozent) in Deutschland setzen digitale Technologien oder Anwendungen ein. Weitere zehn Prozent planen oder diskutieren dies.

 (Bild: Pixabay)
Bild: Pixabay
Die Corona-Krise zeigt einmal mehr, wie wichtig eine funktionierende Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland ist. Zugleich wird deutlich, welche Chancen digitale Lösungen bieten. Ob bei der Erzeugung oder dem Absatz von Lebensmitteln, der Vermittlung von Erntehelfern oder der Fernwartung von Landmaschinen: Digitale Technologien und Anwendungen helfen Landwirten und Verbrauchern, besser aus der Krise zu kommen. Besonders weit verbreitet sind aktuell GPS-gesteuerte Landmaschinen, die von 45 Prozent der Landwirte genutzt werden. Unter den Betrieben, die Nutztiere halten, sind intelligente Fütterungssysteme mit 46 Prozent bei fast jedem Zweiten im Einsatz. 40 Prozent aller Landwirte arbeiten mit Agrar-Apps für das Smartphone oder Tablet, ebenfalls 40 Prozent steuern ihren Betrieb mithilfe von Farm- oder Herdenmanagement-Systemen. Eine intelligente und teilflächenspezifische Ausbringung von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln ist bereits bei jedem Dritten (32 Prozent) im Einsatz - so werden Ressourcen und die Umwelt geschont. Mehr als jeder Vierte (28 Prozent) nutzt Sensortechnik, etwa zur tierindividuellen Überwachung oder zur Messung von Klima-, Boden- und Pflanzendaten. 19 Prozent setzen auf vorausschauende Wartung, bei der mit Sensoren und Datenanalyse drohende Ausfälle von Anlagen und Maschinen frühzeitig erkannt werden. Auf etwas geringerem Niveau bewegt sich bezogen auf alle Betriebsarten der Einsatz von Robotertechnik (12 Prozent).

Allerdings setzen bereits 21 Prozent der Milchviehbetriebe Melkroboter ein. Drohnen werden von jedem zehnten (11 Prozent) Landwirt genutzt. Künstliche Intelligenz, etwa zur Auswertung großer Datenmengen aus der Bildverarbeitung zur Erkennung von Krankheiten bei Pflanzen und Tieren, findet sich in 9 Prozent der Betriebe. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser , des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser und der Landwirtschaftlichen Rentenbank (LR) zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser , für die 500 Landwirte in Deutschland im Februar und März 2020 befragt wurden.

Große Potenziale für Tierwohl, Nachhaltigkeit und Umwelt

81 Prozent der Landwirte sagen, die Digitalisierung erhöhe vor allem die Produktionseffizienz. 79 Prozent zählen die körperliche Entlastung zu den Vorteilen, mehr als jeder Zweite (57 Prozent) betont eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Insbesondere können aber aus Sicht der Landwirte Umwelt und Tiere von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren: Die große Mehrheit von 93 Prozent ist der Ansicht, dass digitale Technologien dabei helfen, Dünger, Pflanzenschutzmittel und andere Ressourcen einzusparen. 81 Prozent sagen, durch digitale Technologien werde eine umweltschonendere Produktion ermöglicht. 7 von 10 Landwirten (69 Prozent) betonen, die Digitalisierung sei prinzipiell eine große Chance für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Zwei Drittel (65 Prozent) sagen, digitale Technologien könnten zu einer Steigerung des Tierwohls beitragen.
Zugleich sehen 77 Prozent der Landwirte den Klimawandel als eine große Bedrohung für die Landwirtschaft. Fast alle (97 Prozent) geben an, auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz in ihrem Betrieb zu achten.

Drei Viertel sehen die Digitalisierung vor allem als Chance

Fast drei Viertel (73 Prozent) der Betriebe sehen in der Digitalisierung grundsätzlich eine Chance. 64 Prozent betonen, so könnten langfristig Kosten gesenkt werden. Gleichwohl ist die Digitalisierung für mehr als jeden zweiten Landwirt (58 Prozent) eine große Herausforderung. 40 Prozent verzeichnen zudem einen Mangel an Mitarbeitern mit digitalem Know-how und 17 Prozent betrachten die Digitalisierung gar als Risiko. Als nachteilig empfinden die Landwirte die mit der Digitalisierung verbundenen Investitionskosten (92 Prozent). Groß ist auch die Sorge vor Hacker-Angriffen bzw. um die IT-Sicherheit (84 Prozent).

Fast alle Betriebe (95 Prozent) sind unter bestimmten Voraussetzungen dazu bereit, digital erhobene Betriebsdaten zur Verfügung zu stellen, etwa damit Schäden an Landmaschinen frühzeitig erkannt und behoben werden könnten (84 Prozent), wenn sich dafür der bürokratische Aufwand reduzieren ließe (82 Prozent) oder wenn damit wissenschaftliche Forschungsprojekte zum Wohle der Landwirtschaft unterstützt würden (76 Prozent).

Transparenz für die Verbraucher

Aus Sicht der Landwirte sorgt die Digitalisierung auch für mehr Transparenz gegenüber dem Verbraucher: 88 Prozent der Befragten sagen dies. Deutlich weniger Landwirte nutzen jedoch digitale Techniken, um aktiv Verbraucher anzusprechen. Jeder vierte Landwirt (24 Prozent) ist in sozialen Netzwerken aktiv, jeder Fünfte (19 Prozent) hat eine eigene Website. 16 Prozent bieten eine Online-Rückverfolgbarkeit "vom Hof bis zum Teller" an - und jeder Zehnte (10 Prozent) hat Webcams im Stall oder auf dem Feld installiert. 9 Prozent vermarkten ihre Produkte über eigene digitale Hofläden oder Plattformen.

Befragt nach Zukunftsszenarien für das Jahr 2030 sehen immerhin 65 Prozent Webcams in allen Ställen als sehr weit verbreitet oder eher verbreitet an. 52 Prozent meinen, dass mithilfe von Sensoren bis dahin die Nitratbelastung des Grundwassers komplett beendet wird. 46 Prozent rechnen mit autonomen Feldrobotern, die eigenständig Unkräuter, Krankheiten oder Schädlinge erfassen bzw. bekämpfen und 38 Prozent denken, dass fahrerlose Landmaschinen vollkommen selbständig auf den Feldern im Einsatz sein werden.

(Autor: Susan Rönisch )

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