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Geheime Strategie seziert: Wie Facebook immer mehr Geschäftsmodelle übernimmt
07.11.2016 Facebook wird jetzt auch noch Marktplatz und Local-Business-Portal: Nutzer müssen das Netzwerk immer seltener verlassen. Reichweiten-Verlust - die Gefahr, die früher stets von Google kam - droht Marken nun von Facebook.
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- Social-Media-Riese Facebook startet in den USA seine Flohmarkt-Funktion Marketplace. In dem nach Relevanz sortierten Feed gibt es, statt Neuigkeiten und Status-Updates, Produkte von Menschen in der Nachbarschaft zu kaufen. Über den Messenger können Anbieter und Käufer dann in Kontakt treten (iBusiness berichtete am 4.10.2016).
- Facebook wird außerdem ein Agent mit einem Yelp unter der Motorhaube: Man kann eine Art soziale Suchfunktion für Restaurants nutzen: 'Recommendations' erlaubt Nutzern mittels Posting Empfehlungen für lokale Geschäfte wie Restaurants einzuholen. Auf der Facebook-Seite der Unternehmen sollen dann direkt Essen, Tickets oder etwa Tische bestellt werden können. Im Firmen-Promo wird 'Recommendations' außerdem noch mit deutlichem Agenten-Beigeschmack serviert - als virtueller Helfer bei der Tagesorganisation.
Gemeinsam ist den beiden Neuerungen in Facebooks Funktions-Portfolio, dass das soziale Netzwerk Traffic in seinem Ökosystem behält, statt ihn auf andere Webseiten zu verteilen: In einem Fall knappst Facebook Marktplätzen Visits ab, im anderen Fall sollen die Nutzer nicht zu Empfehlungsplattformen oder Aggregatoren abwandern, wie etwa Essenslieferdienste oder Open Table .
Diese zwei Maßnahmen - Marktplatz- und Plattform-Attacke - sind keine Zufälle. Es sind Schritte im Rahmen einer übergeordneten Strategie: Facebook will zum Web-Betriebssystem werden, das den Nutzer möglichst lange bei sich behält. Damit das klappt, muss der Nutzer dort alles finden, was sein Herz begehrt. Wie planvoll Facebook dabei vorgeht, enthüllt eine Sektion des Konzerns: Unter der Hülle des Netzwerks hat Facebook nach und nach die Zahl seiner Betätigungsfelder innerhalb der Interaktivbranche drastisch erhöht - das zeigt der Blick auf Facebook, einmal vor fast vier Jahren und das andere Mal heute.
Im Januar 2013 war Facebook vor allem noch ein soziales Netzwerk. Es betätigte sich außerhalb seines Kerngeschäftes nur auf den Feldern, die etwas mit seiner Monetarisierung über Werbung zu tun hatten - etwa Adserving, Targeting.
Facebooks Hauptangriffsziel: Aggregatoren und Plattformen
Facebooks Agentenbestrebungen zeigen sich zum einen im bereits erwähnten Video zur Empfehlungsfunktion 'Recommendations', aber auch zuletzt immer stärker in den Begrüßungen des Netzwerks: Beim Öffnen der mobilen App begrüßt es den Nutzer passend zur Tageszeit und weist ihn auf Geburtstage, Jubiläen, widriges Wetter oder Feiertage hin.
Der Megatrend auf den Zuckerberg zuarbeitet: Internet = Social Media = Facebook
Rechnet man die täglich online verbrachte Zeit gegen die Zeit auf, die davon in sozialen Netzen verbracht wird, so kommt man trotz verschiedener Datenquellen immer wieder auf den gleichen ungefähren Wert: Etwa jede dritte Minute Onlinezeit wird in Social Media verbracht und nirgendwo mehr als bei Facebook - in Deutschland legen die Werte sogar nahe, dass Facebook allein ein Drittel der Onlinenutzung ausmacht. Mit anderen Worten: Internet und Social Media werden immer mehr Pseudonyme - nicht nur wegen Facebook allein, aber massiv angetrieben von Zuckerbergs Netzwerk.
- Er wird aufgekauft (Instagram , Whatsapp ).
- Oder seine alleinstellenden Funktionen werden adaptiert (die Kreise von Google Plus wurden verbesserte Facebook-Privatsphäresettings - und aktuell soll Facebook nicht nur mit Filtern in der Foto-Funktion experimentieren, sondern auch mit sich selbst zerstörenden Nachrichten à la Snapchat ).
Facebook folgt somit einer ähnlichen Strategie wie Google: Zwar hat sich die Suchmaschine immer als Einfallstor zum Web - und somit mehr als Informationslieferant - begriffen, während Facebook dagegen eher Web-Betriebssystem sein will und mehr als kommunizierendes, vernetztes Nervensystem fungiert.
Doch die Konsequenzen sind ähnlich:
- Der Nutzer soll im eigenen Kosmos behalten werden,
- die Funktionen anderer, konkurrierender Plattformen werden zunehmend selbst angeboten,
- das Geschäftsmodell beider Systeme ist Advertising nach einem Mimikri-Prinzip, bei dem organische Inhalte der jeweiligen Systeme nachgebildet werden (Google: SEA als bezahlte Suchergebnisse, bei Facebook: Sponsored Posts als scheinbare Nutzer-Posts)
Vier Szenarien für Marken, wenn Facebook zum Web-Betriebssystem wird
Überflüssig, wenn man nicht in Asien lebt
Kaum einer nutzt wirklich Facebook als Agenten und Werkzeugkasten für alles - das ist eher ein asiatisches Nutzerverhalten a lá Weixin , dem Messenger, der Chinesen alles aus einer Hand bietet. Marken können Facebooks Versuche, ein Ökosystem aufzubauen, ignorieren. Zu groß bleibt die Nutzerskepsis gegenüber der Datenkrake Facebook in Deutschland.
Schwer zu ignorieren, wenn man strategisch denkt
Facebooks zahlreiche Zusatzservices von Social Commerce bis Local Business eröffnen den Marken einen zusätzlichen Marketing- und Vertriebsweg, um den sie schwer herumkommen. Doch Facebook ist ein wichtiger, nicht aber der einzige relevante Kanal. Firmen können und müssen sich Unabhängigkeit erhalten über den Aufbau eigener USPs und Pflege anderer Kanäle.
Nett, wenn man's hat
Man kann das Möchtegern-Web-Betriebssystem Facebook nutzen, muss aber nicht - es ist ein netter Zusatzkanal, aber verzichtbar, wenn man nicht die Kapazitäten übrig hat, ihn zu pflegen. Hinzu kommt der Bedeutungsschwund von Facebook in den jungen Zielgruppen - Marken setzen auf ein rapide alterndes Pferd, wenn sie mehr Budgets zu Facebook schieben.
Fatal, wenn man sich nicht unterwirft
Die Zukunft des Webs ist Facebook als Betriebssystem 2.0 - wer hier nicht via Schnittstelle seine Daten zur Verfügung stellt und via Facebook-Page um Kunden wirbt, wird zunehmend unsichtbar auf dem Kundenradar. Das bedeutet leider auch, dass Facebook den Marken künftig die Bedingungen - etwa Provisionen - in den Block diktiert.
