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Früherkennung: Wie sich die Stimmung deutscher Digitalagenturen dreht
24.07.2025 In den vergangenen Jahren hat sich die Stimmung in den Digitalagenturen deutlich gedreht: Zwar bleibt die Branche aufgeschlossen gegenüber technologischen Entwicklungen, doch Personalsorgen und Konjunktur drücken auf die Stimmung. Das geht aus unserer Auswertung der Befragungen der Jahre 2013 bis 2025 hervor.
Im Internetagenturranking befragen wir traditionell nicht nur die teilnehmenden Agenturen zu ihren Geschäftszahlen, sondern auch zu ihrer Einschätzung zentraler Markt- und Branchentrends. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild im deutschsprachigen Raum - und ein Seismograf dafür, welche Themen die Branche bewegen, welche Herausforderungen sie beschäftigen und wo sie die größten Chancen sehen. Die Einschätzungen von Agenturentscheidern zu zentralen Branchenthemen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Besonders deutlich zeigt sich das am Thema Künstliche Intelligenz (KI):
- KI übertrumpft alle
- Digitale Transformation bleibt strategischer Dauerbrenner
- New Work wird zur Normalität
- Agilität etabliert, aber ohne neue Impulse
- Influencer-Marketing bleibt solide - AR/VR weiterhin Randthema
Die Aussage "Machine Learning und KI werden im Marketing eine große Rolle spielen" verzeichnet die stärkste Zustimmung und überholt erstmals alle anderen Themen. Die Relevanz dieses Technologiefelds ist in den Köpfen der Entscheider angekommen - mehr noch: Sie wird als strategisch richtungsweisend empfunden. Ein deutliches Signal, dass KI nicht länger als Trend, sondern als fester Bestandteil der Marketing-Zukunft gesehen wird.
Ebenfalls ungebrochen hoch ist die Zustimmung zur Aussage, dass die digitale Transformation auch im kommenden Jahr ein wichtiges strategisches Thema bleibt. Die Werte liegen seit Jahren konstant auf hohem Niveau - was zeigt: Der Veränderungsdruck ist anhaltend, aber wird von den Agenturen offenbar auch als strategisch gestaltbar erlebt.
Ein weiteres Thema, das sich konsolidiert hat, ist der Bereich "New Work": Remote Work, flexible Arbeitszeitmodelle und mobile Arbeitsformen werden von einer wachsenden Mehrheit der Agenturen als positiv bewertet. Die Zustimmung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und erreicht mittlerweile stabile Werte oberhalb der 4-Punkte-Marke. Homeoffice & Co. sind demnach kein Krisen-Phänomen mehr, sondern fester Bestandteil moderner Agenturarbeit.
Die agile Zusammenarbeit mit Kunden wird weiterhin positiv bewertet, allerdings ohne dynamische Entwicklung. Die Werte bleiben konstant auf einem mittleren bis höheren Niveau. Das lässt vermuten: Agilität ist in vielen Agenturen bereits gelebter Standard, jedoch kein strategischer Innovationsmotor mehr.
Das Influencer-Marketing hält sich ebenfalls stabil im Mittelfeld: Weder Euphorie noch Ermüdung dominieren das Bild. Es scheint seinen Platz im Werkzeugkasten der Agenturen gefunden zu haben. Deutlich schwächer bleibt dagegen das Thema AR/VR: Die Nachfrage nach entsprechenden Anwendungen wird von den Kunden weiterhin als gering eingeschätzt und die Zustimmung in der Branche stagniert auf niedrigem Niveau. Trotz technologischem Fortschritt bleibt die virtuelle Realität für viele noch eine reale Herausforderung.
Fachkräftemangel und Konjunktur dämpfen die Stimmung
Gleichzeitig lasten strukturelle Engpässe und wirtschaftliche Unsicherheiten zunehmend schwer auf dem Tagesgeschäft. Insbesondere zwei Themen trüben die Zuversicht:Der Fachkräftemangel ist nach wie vor eine große Herausforderung der Branche. Die Zustimmung zur Aussage "Die größte Herausforderung ist es, fachlich geeignetes Personal und Nachwuchs zu finden" ist in den letzten Jahren rasant gestiegen - auf zuletzt nahezu 4,25 Punkte. Zwar ist sie in diesem Jahr deutlich gesunken - doch nur, weil sich die schlechte konjunkturelle Lage in vielen Unternehmen bereits negativ ausgewirkt hat. Letzterer Aspekt dürfte in vielen Agenturen die Agenda der vergangenen Monate weitgehend bestimmt haben - mit immer noch steigender Tendenz, wie der Chart zeigt.
Zur Erhebung:
Weil sich die erhobenen Fragen im Rahmen des Internetagentur-Rankings im Lauf der Jahre immer wieder verändert haben, haben wir diejenigen Fragen genommen, die die meiste Zeit gleich oder zumindest ähnlich geblieben sind. Wer die Einzelfragen vergleich will, kann das mit den Charts aus unserem Chartarchiv vergleichen, die unten an diesen Beitrag angehängt sind.
Gemessen wird die Zustimmung der befragten Agenturleitungen. Die können jeweils zwischen 1= keine Zustimmung und 5 = volle Zustimmung ankreuzen. Die Linien zeigen die Index-Bewertung der vergangenen Jahre zu den folgenden Fragen:
- KI/ML: "Machine Learning und KI werden im Marketing eine große Rolle spielen"
- Digitale Transformation wichtig: "Auch das kommende Jahr bleibt Digitale Transformation ein wichtiges strategisches Thema"
- New Work wichtig: "Remote-Arbeiten und flexible Modelle wirken sich positiv aus"
- Agilität wichtig: "Unsere Zusammenarbeit mit Kunden ist durch eine agile Arbeitsweise geprägt"
- Konjunktur schwierig: "Wirtschaftslage hat sich negativ auf meinen Unternehmenserfolg ausgewirkt"
- Personal schwierig: "Die größte Herausforderung ist es, fachlich geeignetes Personal und Nachwuchs zu finden"
- Influencer: "Influencer-Marketing wird verstärkt eingesetzt"
- AR/VR: "AR- und VR-Anwendungen werden von Kunden verstärkt nachgefragt"
