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Politische Disruption und digitale Gesellschaft: Warum der Fortschritt am Ende siegen wird

08.02.2017 Die AfD und der Brexit. Le Pen und Orban. Erdogan und Putin. Und Trump, Trump, Trump: Die Welt für uns fortschrittliche Menschen wird immer schwerer? Das Gegenteil ist der Fall. Wir müssen nämlich drei prinzipielle Wandlungen der Gesellschaft ins Kalkül ziehen.

 (Bild: obs/Goodyear Dunlop)
Bild: obs/Goodyear Dunlop

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Wir erleben eine Zeitenwende. Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller verändert - dieser Analyse stimmen alle zu. Diejenigen, die diesen Fortschritt gut finden ebenso wie die Reaktionäre, die die Uhren zurückdrehen wollen - die einen in die goldenen 80er-Jahre, die anderen zurück nach 1933.

Wir leben am Ende einer Ära, so viel ist klar. Nicht klar hingegen ist, was nach dieser Zeitenwende kommt: Eine globale Restauration oder der Beginn einer neuen Epoche?

"Ich glaube, da ist eine weit verbreitete Missinterpretation, was mit uns gegenwärtig geschieht. Wir leiden - aber es sind nicht die Rheuma-Schmerzen der vergangenen Zeit, sondern die Wachstumsschmerzen überschneller Änderungen, der Neueinstellung von einer wirtschaftlichen Epoche zu der nächsten." Der Wirtschaftsforscher John Maynard Keynes   schrieb diese Zeilen angesichts der Weltwirtschaftskrise 1930. Und sie scheinen heute wieder zu passen.

Tatsächlich stehen wir gleich in drei Feldern vor einem wirklichen Übergang von der einen in die andere Epoche. Trump, der Brexit, die europäischen Populisten und die globalen Diktatoren - sie alle markieren das Ende der Nachkriegswelt des 20. Jahrhunderts. Sie signalisieren aber gleichzeitig, dass eine neue Epoche bevorsteht: Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Dabei ist es relativ deutlich, wie diese Gesellschaft aussehen wird:
  • Es wird eine globale Gesellschaft sein. Einfach, weil es keine praktikable Alternative gibt. Selbst wenn sämtliche Länder Handelsschranken hochziehen (wovon nicht auszugehen ist) werden wir in einer globalen Gesellschaft leben. Selbst abgeschottete Staaten wie China oder Iran kommunizieren mit der globalen Welt mehr, als das noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fall war. Fortschritt und Verbreitung von Kommunikationstechnik werden dafür sorgen, dass auch noch die letzten weißen Flecken auf der Globalisierungslandkarte verschwinden werden.

  • Es wird eine nachhaltige Gesellschaft sein. Einfach, weil es keine praktikable Alternative gibt. Die Menschheit verbraucht mehr, als der Planet an Ressourcen wieder aufbauen kann. Forscher sagen: Wir verbrauchen gegenwärtig 1,6 Erden  . Wenn wir nicht aussterben wollen, müssen wir das ändern. Was auch langfristig passiert: Das Pariser Klimaabkommen   und die Nachhaltigkeitsziele der UNO   führen die Welt langfristig in Richtung Nachhaltigkeit.

  • Es wird eine digitale Gesellschaft sein. Einfach, weil es keine praktikable Alternative gibt.Niemand wird freiwillig sein Smartphone abgeben. Kein Unternehmen wird statt Computern künftig wieder Rechenschieber verwenden. ERP-Systeme werden nie wieder durch tausende von Sachbearbeitern ersetzt werden. Und Blockchains werden Recht und Verträge schneller und sicherer machen.

    Übergangszeiten sind davon geprägt, dass die alten Methoden nicht mehr funktionieren und neue Methoden noch nicht in Sicht sind: Gesamtgesellschaftliche Steuerinstrumente (aka: Politik, Gesetz...) sind für eine globale und digitale Gesellschaft noch nicht bereit. Das erscheint aber eher als eine Sache von Jahren. Ebenso, wie die Gesellschaften gelernt haben, mit E-Mail und sozialen Netzwerken irgendwie umzugehen, werden sie wohl auch lernen (müssen) mit Fake-News, Chatbots und Computerkriminalität umzugehen (iBusiness: Warum uns Roboter aus der Daten-Steinzeit befreien können).

All diese Veränderungen machen vielen Menschen Angst. Ängste befeuern Irrationalismen - Nationalismus, Religionen, rechtsradikale Ideologien. So wie die Weltwirtschaftskrise eine faschistische Zwischenzeit auslöste - bis das Pendel wieder zurückschlug.

Die Landkarte der digitalen Ängste der Deutschen
Die Einflussanalyse (EIA) ist eine wissenschaftliche Methode der Zukunftsforschung. Dabei werden in einem ersten Schritt potenzielle Einflussfaktoren gesammelt. Für sie wird in einem zweiten Schritt in einer Kreuzmatrix gegenseitig überprüft, ob die einzelnen Faktoren einen schwachen, starken oder keinen Einfluss aufeinander ausüben. Ein entsprechender Wert von 0-3 wird eingetragen. Die Werte aller Zeilen und Spalten werden aufaddiert. Nun kann sowohl festgestellt werden, wie hoch für den jeweiligen potenziellen Einflussfaktor der kumulierte aktive Einfluss (beeinflusst) und wie hoch der kumulierte passive Einfluss (wird beeinflusst) ist. Hohe Aktivsumme und hohe Passivsumme identifizieren kritische Faktoren (vernetzt), hohe Aktiv- und niedrige Passivsumme aktive Faktoren (Hebel). Niedrige Aktivsumme und hohe Passivsumme identifizieren hingegen passive Faktoren (Indikatoren). Generell niedrige Werte entlarven träge Faktoren (Puffer).  Lesebeispiel: Das Kommunikationsbedürfnis erhält eine hohe Aktiv- und niedrige Passivsumme. Es beeinflusst viele andere Faktoren stark, kann selbst aber nur schwer beeinflusst werden. Es handelt sich um einen starken Hebel. Am wichtigsten sind jedoch Faktoren, die sowohl hohe Aktiv- als auch hohe Passivsummen haben (blauer Bereich). Sie beeinflussen das Gesamtsystem stark, lassen sich aber auch selbst gut beeinflussen. Mit diesen Faktoren lässt sich das System gestalten.
Die Einflussanalyse (EIA) ist eine wissenschaftliche Methode der Zukunftsforschung. Dabei werden in einem ersten Schritt potenzielle Einflussfaktoren gesammelt. Für sie wird in einem zweiten Schritt in einer Kreuzmatrix gegenseitig überprüft, ob die einzelnen Faktoren einen schwachen, starken oder keinen Einfluss aufeinander ausüben. Ein entsprechender Wert von 0-3 wird eingetragen. Die Werte aller Zeilen und Spalten werden aufaddiert. Nun kann sowohl festgestellt werden, wie hoch für den jeweiligen potenziellen Einflussfaktor der kumulierte aktive Einfluss (beeinflusst) und wie hoch der kumulierte passive Einfluss (wird beeinflusst) ist. Hohe Aktivsumme und hohe Passivsumme identifizieren kritische Faktoren (vernetzt), hohe Aktiv- und niedrige Passivsumme aktive Faktoren (Hebel). Niedrige Aktivsumme und hohe Passivsumme identifizieren hingegen passive Faktoren (Indikatoren). Generell niedrige Werte entlarven träge Faktoren (Puffer). Lesebeispiel: Das Kommunikationsbedürfnis erhält eine hohe Aktiv- und niedrige Passivsumme. Es beeinflusst viele andere Faktoren stark, kann selbst aber nur schwer beeinflusst werden. Es handelt sich um einen starken Hebel. Am wichtigsten sind jedoch Faktoren, die sowohl hohe Aktiv- als auch hohe Passivsummen haben (blauer Bereich). Sie beeinflussen das Gesamtsystem stark, lassen sich aber auch selbst gut beeinflussen. Mit diesen Faktoren lässt sich das System gestalten. (Grafik: Hightext Verlag)

Auch die Trump-Ära wird nur eine Zwischenzeit sein, auf die die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts folgen wird. Für diese globale, diese nachhaltige, diese digitale Gesellschaft gibt es bereits zwei Blaupausen auf der Welt - eine individualistische und eine solidarische. Die eine ist Kalifornien: mit einer ökologischen Politik, einer breiten politischen Mehrheit der Demokraten für eine solidarische, globale und digitale Gesellschaft. Die andere Deutschland und die EU - mit einer ökologischen Politik, einer breiten politischen Mehrheit der Demokraten für eine solidarische, globale und digitale Gesellschaft.

Vier Szenarien zur Disruption der Gesellschaft

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
50%
Best-Case-Szenario

Welcome to the Model California

Ökologisches Wirtschaften ist eine sinnvolle Entscheidung. Eine frei zugängliche Welt auch. Und die Digitalisierung erleichtert vieles. Weil alle Alternativen unbequemer, gefährlicher und unsinniger sind, ist es hoch wahrscheinlich, dass sich eine nachhaltige, globale und digitale Gesellschaft als Gesellschaft des 21. Jahrhunderts langfristig durchsetzt.

Aktiv
10%
Worst-Case-Szenario

Willkommen, wir marschieren zurück

Global etablieren sich Nationalstaaten, die Digitalisierung wird zurückgedrängt, Ökologie als linke Ideologie abgetan, das Internet in national überwachbare Teile zerlegt: Ein unwahrscheinliches Szenario, das vermutlich nur dann funktionieren könnte, wenn das in vielen Staaten gleichzeitig passieren würde. Tatsächlich würde das zu einem Wettbewerb der Systeme und heftigem Widerstand von Unternehmen und Bevölkerungen führen.

Passiv
39 %
Best-Case-Szenario

Der Zerfall der rechten Ideologien

Wenn massenweise Populisten und Reaktionäre an die Macht kommen, dann werden sie auf lange Sicht an ihren inneren Widersprüchen scheitern (und langfristig zu Szenario 1 führen). Methoden des 19. Jahrhunderts funktionieren schlicht nicht im 21. Jahrhundert.

Passiv
1%
Worst-Case-Szenario

Bumm

Es gibt natürlich auch noch das Weltkriegsszenario. Dass Trump auf den roten Knopf drückt, Nationalstaaten in endlose Kriege stürzen, die Klimakatastrophe kommt. Dystopische Szenarien sind zwar nicht ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich - zu groß sind in vernetzten Gesellschaften die Korrekturmöglichkeiten.

Thema: Politische Disruption und digitale Gesellschaft: Warum der Fortschritt am Ende siegen wird

Kommentar von Joachim Graf

Digitale haben eine besondere Verantwortung für diese Gesellschaft

Wir müssen besonders aufmerksam mit der Zukunft umgehen. Denn wir wollen sie verändern und in ihr leben.

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Joachim Graf (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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Von:  Oliver Sittl ,  BELIEVE DIGITAL
Am: 12.02.2017

Zu: Politische Disruption und digitale Gesellschaft: Warum der Fortschritt am Ende siegen wird

Rückwärtsgewandt ist vor allem der Islam. Und allein aus Gründen der Demographie und Zuwanderung wird der Rückschritt siegen. Es kommt ein neues Mittelalter in Europa- nicht wegen des Schreckgespenstes der sog. Populisten, sondern wegen der demographischen Entwicklung einer nicht-integrierbaren, rückwärtsgewandten Kultur.

Zu: Politische Disruption und digitale Gesellschaft: Warum der Fortschritt am Ende siegen wird

Biologistische Argumentation und die aus dem völkischen stammende Angst vor "Überfremdung" helfen bei soziologischen Analysen nicht weiter. Auch ist der sogenannte "Islam" weder eine monolitische Religion noch Gesellschaft.
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