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Markenschutz: Werbetreibende machen mobil gegen Bild und Facebook
24.06.2020 Corona und immer stärker das Thema Rassismus wirken als Beschleuniger für etwas, das deutsche Marken bislang verschludern: Brand Safety. Die Überwachung des Umfeldes von Ads ist nun wichtiger denn je. Wieso und wie man sie ohne extra Abteilung hinbekommt.
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Auf der anderen Seite haben Advertiser nach Ausbruch der Corona-Pandemie massiv ihre Ambitionen beim programmatischen Advertising eingeschränkt, um bloß nicht neben Nachrichten oder anderen Inhalten zu stehen, die einen inhaltlichen Bezug zu Corona hatten - was damals praktisch jede Nachricht war. Man erlebte, wie es in einer weiteren iBusiness-Analyse beschrieben wurde, den großangelegten Versuch der 'Werbung, der Zielgruppe zu entgehen'.
- Die Geschäftsführung der AOK hat erhebliche Bedenken gegen die Bild als Werbeumfeld geäußert, nachdem diese ihren medialen Feldzug gegen den Virologen Christian Drosten geführt hatte.
- Die Marketingleitung von Vodafone stellt ihr Engagement auf Facebook in Frage, da das Netzwerk nach wie vor mangelnde Entschlusskraft zeigt, um gegen Fake-News zum Thema Corona vorzugehen.
- Die Initiative Stop hate for Profit sammelt immer mehr werbetreibende Unternehmen ein, die sich der Facebook-Werbung verweigern, weil Facebbok sich weigert, gegen Hass und Rassismus vorzugehen
Auch Thomas Koch , Media-Guru und Inhaber der Digital-Außenwerbung-Agentur The Dooh Consultancy glaubt, dass sich nun etwas ändern könnte in den deutschen Unternehmen. Überfällig sei es allemal: "Die Advertiser fürchten, wenn die Agentur fahrlässig mit der Zielgruppe umgeht, könnten die Ads auf Pornoseiten landen", obwohl das gar nicht das Problem sei: "Die eigentliche Gefahr sind die rechten Seiten, die enorm angewachsen sind." Und auch liegt das Bedrohungspotenzial nicht alleine darin, dass Anzeigen auf einmal neben rechter Propaganda auftauchen: "Fast noch schlimmer ist, dass das hier aufgewendete Budget dann an anderer Stelle, zur Unterstützung seriöser Qualitätsmedien fehlt." Wer keine Brand Safety betreibt, verballert sein Budget also eventuell in programmatisch erschlossenen, aber düsteren Gefilden des Webs und hat dann kein Geld mehr für den Markenaufbau in positiven Feldern.
Knackpunkt des ganzen Konfliktes Brand-Safety versus Programmatic Advertising sei das Programmatic-Geschäftsmodell, dessen DNA eigentlich keine Regulative zulässt: "Programmatic will, dass man weniger Geld bezahlt für dieselbe Zielperson, die man auf anderen Seiten nur teurer erreicht." Sobald man dem Algorithmus mitteilt, dass man jedoch als Marke auf einer bestimmten Seite nicht stehen will, mache man die Arbeit der Maschine zurecht.
Auch Simon Kathmann, CEO der Agentur für Digitale Werbung add2 , glaubt, dass es Anzeichen für ein Erwachen der Brand Safety in den Unternehmen gibt: "Wir sensibilisieren jeden Werbungtreibenden aktiv für das Thema, setzen für alle unsere Agentur-Kunden mindestens ein Brand Safety Monitoring und teilweise auch Blocking ein. Und aktuelle Studienergebnisse belegen, dass die deutschen Zahlen zu Auslieferungen in nicht markenkonformen Umfeldern in 2019 deutlich besser geworden sind." Amerikanische Verhältnisse (und dieses Prädikat ist als erstrebenswerter Zustand gemeint) habe man jedoch noch nicht in den deutschen Unternehmen: "Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei Brand Safety und Suitability hinterher: Die immer weiter steigende Nutzung von programmatischem Einkauf und der Trend zu Inhousing führen sicher häufiger zu nicht optimal überwachten Kampagnen." Oftmals fehlten die ausgebildeten Spezialisten, welche eine Digital-Mediaagentur für solche Themen beschäftigt, so Kathmann.
Wenn Corona also zu einem gestärkten Bewusstsein dafür führt - erst im kopflos panischen, nun zunehmend im produktiven - wie wichtig Brand Safety ist, was können und sollten Werbetreibende dann tun?
So geht's-Anleitung: Wie man Brand Safety in seinem Unternehmen installiert
Wo im Unternehmen hängt man die Verantwortung für Brand Safety auf? Thomas Koch rät nicht zum Marketing, sondern zur Compliance: "Die befassen sich mit Recht, Diversity und Co. - genau da gehört das Thema hin." Das werde zweifelsohne Diskussionen auslösen zwischen der Compliance- und der Marketing-Abteilung, jedoch "führt man die vergleichbaren Diskussionen mit HR, wenn mal jemand eine Reise geschenkt bekommt, das gehört zu Prozess."Konkrete Maßnahmen treffen: Selbst wenn man als Marke nicht die Kapazitäten hat, eine Abteilung für das Brand-Safety-Thema abzustellen, kann man durchaus Maßnahmen treffen und umsetzen:
Wer dabei Probleme hat, besonders bei der Erstellung negativer und positiver Umfelder, sollte den Mediaplaner des Vertrauens belästigen, dafür ist er da: Auch eine sinnvolle Verwendung von Programmatic lässt sich mit dem Berater erörtern. Denn Programmatic ist nicht genuin schlecht; das konstatiert selbst jemand wie Thomas Koch, der nicht der unkritischen Bewunderung des Tools verdächtig ist: "Mit Programmatic kann man automatisiert Uhrzeiten-bezogene Ads ausspielen, man kann die Werbemittel und -botschaften ändern, wenn mehr Männer als Frauen eine Seite besuchen oder 100 verschiedene Botschaften in einer Kampagne ausspielen - das kann nur Programmatic, das geht nicht von Hand."
Doch das Tool wird falsch eingesetzt, wenn sein einziger Zweck darin besteht, den billigstsmöglichen Zielgruppen-Kontakt zu erzielen, egal in welchem Umfeld - zu dieser Taktik gilt es, besonders in Corona-Zeiten, auf Abstand zu gehen.
