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Gamescom: Goldenes Zeitalter der Videospiele am Ende?

19.08.2009 Die Industrie für digitale Spiele ist Trendsetter für neue technische Entwicklungen und zugleich Treiber des Markts im Bereich Unterhaltung. Ein Blick auf die Neuerungen der Branche lohnt auch für Nicht-Gamer: Welche Trends treibt die Gamescom um?

 (Bild: wow-europe.com/de)
Bild: wow-europe.com/de
Erstmals unter dem Namen Gamescom   trifft sich die Branche der digitalen Spieleindustrie im Jahr 2009 in Köln. Rund 400 Aussteller präsentieren ab Mittwoch ihre Neuheiten, von 100 Premieren ist im Vorfeld die Rede.

Wobei sich die interessanteste Hardware-Vorstellung in Köln nur vor ausgewählten Fachbesuchern vollziehen wird: Microsoft   wird nur geladenen Gästen sein Projekt Natal vorstellen, eine Steuerung, die über Bewegungen und Gesten des Spielers funktionieren soll (iBusiness berichtete). Auch Mimik- und Stimm-Erkennung soll die Ergänzung zur Xbox beherrschen. Mit der Markteinführung wird allerdings nicht vor 2010 gerechnet.


Trendsetter Nintendo ruht auf seinen Erfolgen

Die vormaligen Trendsetter von Nintendo   mit ihrer Bewegungssteuerung "Wii Control" und der neueren Weiterentwicklung "Wii Plus" lässt Microsoft mit Natal jedenfalls hinter sich. Ganz neue Spieleformate und -ideen lauern hier.

Erwartet wird die Vorstellung einer abgespeckten Variante der Playstation 3 von Sony  . Die bisherigen Spekulationen beschreiben ein Slim-Modell mit 60 statt 80 GB Speicherplatz und zu einem niedrigeren Preis. Die Rede ist von einer Spanne zwischen 250 und 299 Euro. Eine Preissenkung bei Sonys Konsolen-Flaggschiff wird schon länger von Spiele-Entwicklern gefordert. Zuletzt hatte Activision-Blizzard-Chef Robert Kotick gedroht, in den kommenden zwei Jahren zu prüfen, "ob wir die Konsole noch unterstützen". Dieses Thema dürfte damit vom Tisch sein. Auch die Playstation Portable Go, eine schlankere Version der PSP, wird Sony auf der Messe präsentieren.

Der deutsche Spiele-Experte Cevat Yerli prognostizierte im Vorfeld der Messe, dass der nächste deutliche Sprung im Realismusgrad der elektronischen Unterhaltung erst ab 2012 zu erwarten sei. Bis dahin halte die handelsübliche Hardware noch mit der Entwicklung der aktuellen Spiele Schritt.

Zur Vorgeschichte der Gamescom gehört die Games Convention in Leipzig, die in den Vorjahren den Branchentreff veranstalten durfte. Nun hat Köln vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware, BIU   den Zuschlag erhalten, in Leipzig fand kürzlich die kleinere Games Convention Online   statt, die sich auf Online-Spiele konzentrierte.

 (Bild: Ubisoft)
Bild: Ubisoft

Dennoch ist das Thema Online auch auf der Gamescom präsent: Zum einen durch die Browsergames, die inzwischen ein stark wachsendes Segment der Unterhaltung ausmachen. Ein gutes Beispiel ist das Münchner Start-up-Unternehmen Travian Games  , das 2004 als Hobbyprojekt startete. Heute spielen das Strategie-Spiel Travian 5,2 Millionen Menschen in 50 Ländern. Über 100 Mitarbeiter leben davon. Nun will die Firma mit "Imperion" das Universum erobern - zumindest virtuell.


Neues Netzwerk-Portal für Playstation

Online-Vernetzung spielt aber auch für Konsolen eine immer wichtigere Rolle - spätestens seit dem durchschlagenden Erfolg des MMPORG "World of WarCraft" von Activision Blizzard. Folgerichtig rechnen Beobachter fest damit, dass Sony ein Netzwerk-Portal für die Playstation vorstellen wird. Ein zusätzlicher Vertriebskanal für Spiele per Download ist dabei sicher nur ein Teil eines umfassenderen Konzepts mit Communities und einer Handelsstation für virtuelle Güter etwa.

Noch weiter geht Denis Dyack von Silicon Knights  . Auf der Game Developer Conference in Köln, die traditionell vor der eigentlichen Messe stattfindet, schockte Dyack die Konsolenhersteller mit seiner Prognose: "2009 wird in die Geschichtsbücher eingehen, in denen das Goldene Zeitalter der Videospiele zu Ende ging." Nach seinem Ansatz wird Cloud Computing auch der Trend der Spieleindustrie. Die Spielesoftware läuft dann ausschließlich auf riesigen Serverfarmen der Industrie, der Nutzer brauche dagegen nur noch eine kleine Box. Dort wählt er dann wie beim Fernsehen seinen Spielekanal. Datenträger fielen weg, illegale Kopien würden dank individuellem Account nutzlos.

Bis es soweit ist, sehen Messe-Besucher 2009 viele Wiedergänger von bereits Bekanntem: Bewegungsspiele etwa, wie sie die Wii-Konsole von Nintendo in den Markt gebracht hat. Branchenriese Electronic Arts   wird Erfolge wie 'Need For Speed' in der Fortsetzung fortzuschreiben versuchen.


Reichlich Bewegung in den Nischen

Aufregende Bewegungen sind vor allem in vormaligen Nischen zu erwarten: Spiele in sozialen Netzwerken etwa, die social games. Der Markt boomt so stark, dass sich hier bereits unseriöse Anbieter an den Trend hängen (iBusiness berichtete). Aber auch Branchengrößen wie Electronic Arts spielen hier mit und bieten etwa ein social game auf Facebook   an.

 (Bild: Orbster)
Bild: Orbster

Mit den serious games will die Branche einen Trend weg von den Core Gamern und hin zum Rest der Bevölkerung stabilisieren. Die Kerngruppe der Core Gamer kann imer noch als jung, männlich und ballerbereit beschrieben werden. Doch immer mehr Menschen aus anderen Bevölkerungs- und Altersgruppen spielen ebenfalls, jedenfalls gelegentlich. Daher der Name: Casual Gamer. Eine Zielgruppe, die immer interessanter wird. Gerade Erwachsene sollen mit den serious games angesprochen werden. Erste Versuche wie das Spiel "Flower" von Thatgamecompany   zeigen eine veränderte emotionale Ansprache.

Viel Bewegung findet auch im Bereich Handy-Game statt. Mit dem Markteintritt des iPhone und seinem Touchscreen hat das Segment noch einmal einen starken Schub erfahren. Auch hier werden casual gamer erreicht, oft für nur ein paar wenige Euro oder gar kostenlos. Insbesondere die leichte Bedienbarkeit des iPhone einerseits, verbunden mit Zusatzfeatures wie GPS-gestützte Ortsbestimmung andererseits machen neue Spielekonzepte leichter realisierbar. So wird T-Mobile   zur Messe wohl ein Portal vorstellen, dass sich auf "location based games", auch "augmented reality games" genannt, fokussiert (iBusiness berichtete).

Thema: Gamescom: Goldenes Zeitalter der Videospiele am Ende?

Kommentar von Frederik Birghan

Letzte Chance für Konsolen

Es klingt nach Kassandra-Ruf, wenn bereits das Ende der Videospiele angekündigt wird. Tatsächlich könnte sich jetzt ihr Schicksal entscheiden, denn die Konsolen stecken in einer selbst gestellten Falle.

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