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Google twittert und facebookt: Was Social Search für SEO künftig bedeutet
29.10.2009 Die Meldung ist unscheinbar: "Google indiziert Twitter-Streams". Doch die SEO-Strategien von Unternehmen werden dadurch künftig erschüttert. Denn in Zukunft ist nichts mehr so einfach, wie es bislang war.
Kurze Zeit später reagierte auch Microsofts ärgster Rivale: Suchmaschinen-Gigant Google kündigte an, ebenfalls Twitter-Updates in seine Suche zu integrieren und anzuzeigen. In den Google Experimental labs sind sogar die ersten Screenshots von Google Social Search bereits zu sehen.
Obwohl US-Blogs wie TechCrunch oder Lifehacker zum Teil ausführlich darüber berichteten, blieb der Aufschrei vor allem in der SEO-Szene sehr verhalten.
Dabei strömt hier eine Menge von Content in die Suchergebnisse hinein (und noch viel wichtiger für SEOs: in die Platzierung von Suchergebnissen), die die Rankings von Webseiten enorm durcheinanderwürfeln wird. Denn neben den Ergebnissen, die eine Suche bringt, wollen die Suchmaschinen im ersten Schritt Ergebnisse aus Twitter und Facebook anbieten. Und in einem zweiten Schritt alle gefundenen Ergebnisse danach filtern, was die eigenen Freunde zu den Treffern sagen, wie ein weiterer Video über Google Philosophie der sozialen Zirkel zeigt.
Manche SEO-Experten, wie der bekannte Marcus Tandler Mediadonis , sehen überhaupt keinen Handlungsbedarf: "Die Integration von Twitter in GoogleŽs Suchergebnisse hat keinen wirklichen Impact auf die Bemühungen im Bereich SEO." Mehr Content auf der Ergebnisseite - das bedeutet "die Chance, mehr Property auf der ersten Seite bei Google zu bekommen".
Künftig gehe es nicht mehr einzig und alleine darum, Platz eins für ein bestimmtes Suchergebnis zu halten, sondern vielmehr um mehrere Platzierungen auf der ersten Google-Seite. Was Tandler als "Rule the SERPs-Strategie" bezeichnet. Im SEO-Slang steht SERP ("Search engine results page") für die (Google-)Ergebnisseite.
Die Hardcore-SEOs scheinen sich da einig zu sein, denn auch Michael Pauls , Geschäftsführer von SEOmaxx ist überzeugt: "Keine große Site verschenkt gerne Linkjuice, so dass über kurz oder lang alle nach Schema F handeln". In Linkwährung (in der SEOs denken) sei die Allianz nichts wert: "Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass Google einen Link im Twitter-Profil verarbeitet. Aber diese Wertung schaltete Twitter schon wenige Tage nach Bekanntwerden wieder ab, so dass dieser Link eben nichts mehr für SEO brachte", erzählt er.
Andere SEOs sehen das Thema weiter oben auf der Tagesordnung: "Neben der mobilen Suche ist die Echtzeitsuche eines der wichtigsten Themen in diesem Jahr", ist hingegen Hanns Kronenberg SEO-Strategie.de überzeugt. Wie bei allen Spezialsuchen, die Google als 'Universal Search' zusammenfasst - Bilder, Videos, News, Shopping usw. - geht Kronenberg davon aus, dass die Suchmaschinen auch für Twitter einen speziellen Algorithmus entwickeln, um die möglichst besten Ergebnisse herauszufiltern und zu präsentieren: "Qualitätskriterien für Tweets könnten z.B. die Anzahl Retweets, die Anzahl Tweets mit dem gleichen Linkziel, der allgemeine Trust und die Qualität eines Twitter-Profils sein."
Er plädiert für Abwarten, bis klar ist, mit welchem Algorithmus Google die Twitter-Daten sortiert. Aber er sieht Social-Media-Marketing schon am Horizont: "Auf jeden Fall ist es von Vorteil, wenn man bereits über ein starkes Profil bei Twitter verfügt und die Erfolgskriterien dort kennt."
Für Abwarten plädiert auch Frank Mühlenberg. Der Buchautor und Social-Media-Experte meint: "Was die reine SEO angeht, so sind Social Networks so lange zu vernachlässigen, solange die Betreiber den Suchrobotern das 'Folgen' untersagen." Er argumentiert allerdings für das Thema SMO: "Social Media Optimization ist eine strategische Herausforderung. Man sollte zur Steigerung des Traffics und der Bekanntheit eine Social-Media-Strategie in Betracht ziehen."
Große Verlierer der Allianzen sind die Medien
Als große Verlierer der Allianzen sieht Hanns Kronenberg die klassischen Medien: Zwar sind inzwischen viele Verlage aktive Twitterer , aber sie haben nicht den nächsten notwendigen Schritt getan und Twitter als Nachrichtenquelle ergänzend zum eigenen News-Angebot genutzt", warnt er. Bisher hätten sie gegenüber anderen Websites einen großen Vertrauensvorschuss von Google in Form des 'Source Ranks'. Kronenberg ist sicher: "Dieser Vorteil, der den Websites der Zeitungen viele Besucher über Google beschert, wird in Zukunft schmelzen", da mit der Twitter-Integration Google eine Alternative zu Google News erhält, die in vielen Fällen die besseren Ergebnisse liefert.
"Facebook und Twitter werden für die SEO-Strategie immer wichtiger", ist auch Stephan Kreis Clickts überzeugt: "Dabei ist es wichtig, dass man auf die richtige Strategie baut, diese sollte auf jeden Fall mit Videos und sinnvollen Kurzmitteilungen geschehen".
Onlinemarketeer Ralf Scharnhorst hält die Allianzen augenzwinkernd für "den Anfang vom Ende von Google". Und was kommt nach Google? Seine Antwort ist: "Social Search oder Wave". Denn jetzt käme Leben in einen toten Markt: "Ich habe Google ja schon oft als größte Innovationsbremse unseres Jahrzehnts bezeichnet, weil sie uns am Anfang eine gute Suchmaschine geschenkt haben, dann aber nicht konsequent weiterentwickelt haben."
Als strategische Herausforderung für Unternehmen sieht er "auf Facebook und Twitter präsent zu sein - professionell und kurzfristig reagierend". Und SEO wird seiner Meinung nach immer mehr redaktionelle Arbeit - Texte schreiben statt programmieren. Ein Dienstleistungsfeld, das allerdings "auch schon gut von den Social Media- und PR-Dienstleistern erschlossen" sei. Herausforderung für Agenturen und Dienstleister ist daher in Zukunft die Kooperation: SEO-Dienstleister sollten einmal über Kooperationen mit Social-Media-Dienstleistern nachdenken. Hier ist er allerdings nur eingeschränkt optimistisch: "Denn da prallen Welten aufeinander - schlimmstenfalls die Welten der Dampfplauderer gegen die Welten der Nerds".
