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Studie belegt Multichannel-Tendenz: Einzelhandel wächst online

14.06.2012 Im deutschen Einzelhandel verlagert sich das Geschäft in den kommenden Jahren weiter von der Filiale ins Internet - nicht nur als Ersatz des stationären Einkaufs sondern auch zur Ergänzung. Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Price-Waterhouse-Cooper wird dieser Online-Markt um rund acht Prozent jährlich wachsen.

Laut PWC   wird bei einem geschätzten Marktvolumen von 21 Milliarden Euro in 2011 der Online-Umsatz im Jahr 2015 eine Höhe von nahezu 30 Milliarden erreichen. Dadurch wird der Anteil der Erlöse am gesamten Einzelhandelsvolumen von aktuell rund fünf Prozent auf fast sieben Prozent ansteigen. In diesen Werten sind Downloads digitaler Produkte wie beispielsweise Musik sowie Online-Käufe von Dienstleistungen wie Reisen und Flugtickets nicht berücksichtigt.

Gut jeder zweite (54 Prozent) der 1.000 befragten Online-Kunden ist der Ansicht, künftig noch häufiger im Internet zu kaufen. Bemerkenswert ist auch, dass die Zahl der Erstkäufer im Internet noch immer wächst: 28 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten vor der Umfrage erstmals online gekauft zu haben. "Im stationären Geschäft allein können Einzelhändler kaum noch Umsatzzuwächse erzielen. Dennoch liegt die Zukunft der Branche keineswegs im reinen Online-Handel: Konzepte, in denen sich Filiale und Internet gezielt ergänzen und den Kunden einen Mehrwert durch Flexibilität, Erlebnis und Service bieten, haben in vielen Segmenten Potenzial", kommentiert Gerd Bovensiepen , Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüterindustrie bei PwC. Er bestätigt damit Prognosen von iBusiness vom April vergangenen Jahres ("Wenn das E im E-Commerce verschwindet").

So informieren sich die 1.000 in Deutschland befragten Online-Kunden beispielsweise beim Kauf von Schuhen und Mode bevorzugt im Internet und kaufen am liebsten im Ladengeschäft. Doch würden fast 60 Prozent der Befragten ihre Einkäufe lieber nach Hause geliefert bekommen, als sie direkt aus dem Geschäft mitzunehmen.

Zeitliche Flexibilität ist Hauptargument

Als wichtigste Gründe für den Kauf im Internet werden der Einkauf ohne Ladenöffnungszeiten mit 84 Prozent und der einfachere Produktvergleich mit 75 Prozent noch vor dem günstigeren Preis mit 68 Prozent genannt. Im Durchschnitt geben die Befragten nach eigener Einschätzung rund 30 Prozent ihres Konsumbudgets im Internet aus. Bei Büchern, DVDs und anderen Medien liegt der Anteil sogar bei fast 60 Prozent, die Segmente Computer, Elektronik sowie Kleidung und Schuhe kommen auf knapp 50 Prozent. Demgegenüber bleibt das Lebensmittelgeschäft im Internet schwierig. Knapp die Hälfte der befragten Internet-Käufer hat Lebensmittel noch nie online gekauft. Allerdings werden nach Angabe der Befragten von 100 Euro für den Lebensmitteleinkauf immerhin 15 Euro im Internet ausgegeben.

EHI prognostiziert sogar zehn Prozent Wachstum

Noch optimistischer ist das EHI. Nach Berechnungen des EHI Retail Institute   wird der Onlinehandel im Jahr 2025 einen Umsatzanteil am gesamten Einzelhandelsumsatz von bis zu 27 Prozent erreichen. Basierend auf den Erhebungen der letzten Jahre geht die EHI Prognose von einer Steigerungsrate des Online-Umsatzes von mindestens 10 Prozent und maximal 15 Prozent aus. Bei einem angenommenen Wachstum des gesamten Einzelhandelsumsatzes um 1 Prozent/Jahr beträgt der E-Commerce-Umsatzanteil im Jahr 2025 mindestens rund 14 Prozent und höchstens rund 24 Prozent. Geht man davon aus, dass der Umsatz im gesamten Einzelhandel Null Wachstum verzeichnet, rechnet das EHI mit einem Anteil des Online-Marktes von mindestens 16 Prozent und maximal 27 Prozent. Stationärer und Online-Handel werden in Zukunft immer enger zusammenwachsen. Bereits heute betreibt jeder zweite der 1.000 größten Online-Shops in Deutschland auch stationäre Geschäfte. Zwei Drittel dieser Unternehmen hat seinen Ursprung im stationären Handel, ein Drittel dieser Unternehmen war zunächst nur online aktiv und hat dann eigene Geschäfte eröffnet. "Schon heute lassen sich Online-Umsatz und stationärer Umsatz nicht mehr sauber voneinander trennen. Viele Kunden informieren sich online, bevor sie stationär kaufen. Und viele probieren im Laden, was sie hinterher online bestellen", so Michael Gerling , Geschäftsführer des EHI zur aktuellen Lage.
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