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B2B-Zeitenwende: Die DATEV steigt ins Plattform-Geschäft ein

16.07.2018 Die Jahrespressekonferenz der DATEV am vergangenen Freitag in Nürnberg läutet eine neue Epoche in die Geschichte der Steuerberater-Genossenschaft ein. Mit Auswirkungen auf das gesamte B2B-Geschäft. Eine exklusive Analyse von Handwerk-Magazin-Chefredakteur Olaf Deininger.

 (Bild: Datev)
Bild: Datev
Auf seiner Jahrespressekonferenz am 13. Juli 2018 stellte der Vorstandsvorsitzende der DATEV  , Dr. Robert Mayr ein Projekt vor, das mit mit dem bisherigen Selbstverständnis der DATEV kaum möglich gewesen wäre. Eigentlich besteht das Projekt aus vier Einzelprojekten, die sich ergänzen sollen:

(Grafik: Quelle: ECO, Arthur D. Little, IFH, DIW, Destatis; Grafik: HighText Verlag)
1. eine umfassende Online-Plattform inklusive App für die Organisation von privaten Finanzen - natürlich inklusive sämtlicher steuerlicher Aspekte. Zielgruppe - und das ist die erste Sensation: private Steuerbürger. Damit verlässt die DATEV ihr jahrzehntelang gepflegtes Dogma, ausschließlich im Business-to-Business-Markt aktiv zu sein.

2. eine Integrationsplattform, die für die neuen Consumer-Kunden alle finanziellen Partner einbinden können. Einfach gesagt: mit der oben beschriebenen Lösung sollen Kunden künftig in der Lage sein, auch die Transaktionen bei ihren unterschiedlichen Banken organisieren zu können. Kunden brauchen dann nicht mehr ihre Volksbank- oder Sparkassen-App starten, wenn sie eine Überweisung machen möchten. Das soll man künftig von der Datei-App aus machen können, die - logisch - bestimmte Transaktionen gleich für die Steuererklärung festhält. Beispiel: Werden etwa die Kosten für eine Weiterbildung überwiesen, merkt sich die Anwendung diesen Betrag gleich unter Werbekosten für die Einkommenssteuererklärung oder für den Lohnsteuerjahresausgleich vor.

3. eine Plattform, die Steuerberatern neue Kunden generiert. Natürlich soll die Steuerbürgerplattform all jeden Nutzern den geeigneten Steuerberater vermitteln, die keine Lust haben, ihre Steuererklärung selbst auszufüllen. Dabei werden dann nur solche Berater berücksichtigt, die bereits DATEV-Kunden sind und die - wenn der Nutzer dies wünscht - in der Nähe und gut zu erreichen sind. Doch nicht nur das:

4. eine Bewertungsplattform für Steuerberater. Weiteres Kriterium neben DATEV-Zugehörigkeit und regionaler Nähe sollen auch Kunden- oder Mandanten-Bewertungen über Steuerberatern sein. Der Nutzer kann sich anzeigen lassen, wie zufrieden die Mandanten mit dem jeweiligen Steuerberater sind. Damit schafft die DATEV ein weiteres, diesmal vom Kunden selbst getriebenes Qualitätssicherungs-System. Sie sorgt damit auch für eine steigende Kundenorientierung der Kanzleien und Steuerberaterbüros sowie erhöht den Innovationsdruck auf die Berater.

DATEV eG
Die 1966 gegründete DATEV eG ist ein Softwarehaus und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, aber auch für deren Mandanten, wie mittelständische Unternehmen, Kommunen, Vereine und Institutionen. Das Unternehmen ist eine eingetragene Genossenschaft. Mitglieder können nur Angehörige der steuerberatenden, wirtschaftsprüfenden und rechtsberatenden Berufe werden. Sie erledigt unter anderem Steuererklärungen und Gehaltsabrechnungen für geschätzt 2,5 der 3,6 Millionen deutschen Unternehmen.
Zur steigenden Relevanz der Plattform-Ökonomie für alle Branchen erklärte Mayr   auf der Pressekonferenz: "Was für den Kunden ein echter Mehrwert ist, bedeutet für den eigentlichen Leistungsersteller: Er verliert den direkten Kundenkontakt, verschwindet hinter der Plattform und wird auswechselbar. Wir sehen, dass diese sogenannte Plattformökonomie in allen Branchen um sich greift, auch vor der Steuerberatung macht sie nicht halt.".

Auch am Handwerk gehen diese Entwicklungen natürlich nicht vorbei. Das sehen wir etwa an Projekten wie der Heizungs-Installations-Plattform Thermondo   oder am Badsanierungs-Portal Banovo  .

Die DATEV will sich mit ihrer Initiative offensichtlich einen Teil des Plattform-Kuchens sichern - und verändert langfristig in Deutschland durch ihre schiere Marktmacht den B2B-Markt insgesamt. Vor allem in den Marktteilen, in denen bisher Plattformen, B2B-Marktplätze und Procurementlösungen nur wenig oder teilweise greifen, wird der Zug zur Plattformökonomie heftiger. Andere Plattformbetreiber bekommen aufgrund der DATEV-Dominanz Schwierigkeiten - in der Plattformökonomie gilt schließlich "the Winner takes it all".


 (Bild: Handwerk-Magazin)
Bild: Handwerk-Magazin

iBusiness-Autor Olaf Deininger ist Chefredakteur des Handwerkmagazins  . Zusammen mit Würth   und DATEV betreibt das Handwerkmagazin das Projekt DATEV Smart Transfer   eine Digitalplattform und Procurement-Lösung für Handwerker.

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