Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
B2B-Zeitenwende: Die DATEV steigt ins Plattform-Geschäft ein
16.07.2018 Die Jahrespressekonferenz der DATEV am vergangenen Freitag in Nürnberg läutet eine neue Epoche in die Geschichte der Steuerberater-Genossenschaft ein. Mit Auswirkungen auf das gesamte B2B-Geschäft. Eine exklusive Analyse von Handwerk-Magazin-Chefredakteur Olaf Deininger.
1. eine umfassende Online-Plattform inklusive App für die Organisation von privaten Finanzen - natürlich inklusive sämtlicher steuerlicher Aspekte. Zielgruppe - und das ist die erste Sensation: private Steuerbürger. Damit verlässt die DATEV ihr jahrzehntelang gepflegtes Dogma, ausschließlich im Business-to-Business-Markt aktiv zu sein.
2. eine Integrationsplattform, die für die neuen Consumer-Kunden alle finanziellen Partner einbinden können. Einfach gesagt: mit der oben beschriebenen Lösung sollen Kunden künftig in der Lage sein, auch die Transaktionen bei ihren unterschiedlichen Banken organisieren zu können. Kunden brauchen dann nicht mehr ihre Volksbank- oder Sparkassen-App starten, wenn sie eine Überweisung machen möchten. Das soll man künftig von der Datei-App aus machen können, die - logisch - bestimmte Transaktionen gleich für die Steuererklärung festhält. Beispiel: Werden etwa die Kosten für eine Weiterbildung überwiesen, merkt sich die Anwendung diesen Betrag gleich unter Werbekosten für die Einkommenssteuererklärung oder für den Lohnsteuerjahresausgleich vor.
3. eine Plattform, die Steuerberatern neue Kunden generiert. Natürlich soll die Steuerbürgerplattform all jeden Nutzern den geeigneten Steuerberater vermitteln, die keine Lust haben, ihre Steuererklärung selbst auszufüllen. Dabei werden dann nur solche Berater berücksichtigt, die bereits DATEV-Kunden sind und die - wenn der Nutzer dies wünscht - in der Nähe und gut zu erreichen sind. Doch nicht nur das:
4. eine Bewertungsplattform für Steuerberater. Weiteres Kriterium neben DATEV-Zugehörigkeit und regionaler Nähe sollen auch Kunden- oder Mandanten-Bewertungen über Steuerberatern sein. Der Nutzer kann sich anzeigen lassen, wie zufrieden die Mandanten mit dem jeweiligen Steuerberater sind. Damit schafft die DATEV ein weiteres, diesmal vom Kunden selbst getriebenes Qualitätssicherungs-System. Sie sorgt damit auch für eine steigende Kundenorientierung der Kanzleien und Steuerberaterbüros sowie erhöht den Innovationsdruck auf die Berater.
| DATEV eG |
|---|
| Die 1966 gegründete DATEV eG ist ein Softwarehaus und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, aber auch für deren Mandanten, wie mittelständische Unternehmen, Kommunen, Vereine und Institutionen. Das Unternehmen ist eine eingetragene Genossenschaft. Mitglieder können nur Angehörige der steuerberatenden, wirtschaftsprüfenden und rechtsberatenden Berufe werden. Sie erledigt unter anderem Steuererklärungen und Gehaltsabrechnungen für geschätzt 2,5 der 3,6 Millionen deutschen Unternehmen. |
Auch am Handwerk gehen diese Entwicklungen natürlich nicht vorbei. Das sehen wir etwa an Projekten wie der Heizungs-Installations-Plattform Thermondo oder am Badsanierungs-Portal Banovo .
Die DATEV will sich mit ihrer Initiative offensichtlich einen Teil des Plattform-Kuchens sichern - und verändert langfristig in Deutschland durch ihre schiere Marktmacht den B2B-Markt insgesamt. Vor allem in den Marktteilen, in denen bisher Plattformen, B2B-Marktplätze und Procurementlösungen nur wenig oder teilweise greifen, wird der Zug zur Plattformökonomie heftiger. Andere Plattformbetreiber bekommen aufgrund der DATEV-Dominanz Schwierigkeiten - in der Plattformökonomie gilt schließlich "the Winner takes it all".
iBusiness-Autor Olaf Deininger ist Chefredakteur des Handwerkmagazins . Zusammen mit Würth und DATEV betreibt das Handwerkmagazin das Projekt DATEV Smart Transfer eine Digitalplattform und Procurement-Lösung für Handwerker.
