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Wieso sich Firmen 2020 mit E-Learning befassen müssen

05.02.2020 Die Lernmesse Learntec zeigt, wie wichtig E-Learning für die Digitalbranche wird: Mit ihm meistern Agenturen und Marken die Digitale Transformation und bekommen neue Technologien schneller als die Konkurrenz in den Griff. Die wichtigsten Trends einer boomenden Branche.

Künstlicher Strand auf der Learntec 2020. (Bild: Lutz Goertz)
Bild: Lutz Goertz
Künstlicher Strand auf der Learntec 2020.

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TL;DR
Die Learntec wird langsam zum Mainstream-Event in der Digitalbranche - der Schul-Digitalpakt und die Digitale Transformation treiben dies an.
Es brummte mehr als sonst auf den Gängen der Learntec   und die Messeluft roch von Anfang nach Besucher-Rekord: 15.600, rund 35 Prozent mehr als im Vorjahr - zuletzt hatte die Learntec 2001 so stark zugelegt, als sie von 5.500 auf 7.500 Besucher wuchs. In guter Stimmung schoben sich die Besucher durch zwei dicht gefüllte Hallen, nächstes Jahr sollen es höchstwahrscheinlich drei sein, wenn die Schulen ihren eigenen exklusiven Ort bekommen.

Treiber hinter den Besucherströmen sind wohl vor allem zwei Faktoren: Zum einen der Digitalpakt Schule  , bei dem das Bundesministerium für Bildung und Forschung fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen bereitstellte, die aber keiner so richtig haben will, weil die große Planlosigkeit herrscht, was man damit anfangen soll und was man der Behörde dafür nachweisen muss - das zeigt sich etwa daran, dass in NRW bislang gerade mal eine dreiviertel Million abgerufen wurde: "Es ist aufwändig: Schulen müssen ein Medienkonzept entwickeln und vorlegen - aber welcher Rektor hat schon gelernt, wie man das macht?", sagt Dr. Lutz Goertz, Leiter Bildungsforschung am mmb Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH  : "Der Nachweis der Strategie ist sinnvoll, aber man ist auf diese Anforderung nicht vorbereitet." Nun lockt die Learntec als Mekka der Information die Rektoren an, die sich Orientierung erhoffen.

Der andere Treiber ist die Digitale Transformation und der damit verbundene Bedarf nach Wissensmanagement - und die lässt es so richtig brummen, befindet ELearning-Expertin Thea Payome , Chefredakteurin und Herausgeberin von Checkpoint Elearning  : "Das Thema Digitalisierung - und die beigeheftete Digitalpaktkonfusion - haben nun zu einem Ansturm geführt, der in den Hallen immensen Geräuschpegel verursachte - und die Infrastruktur an ihre Grenzen stoßen lässt."

Die Learntec war bisher so etwas wie ein Familientreffen der Branche - nun öffnet sie sich dem interessiert herbeiströmenden Mainstream. Das Familiengefühl ist dahin, aber traurig scheint dennoch keiner, dass E-Learning sich nun im Zentrum eines breiten Interesses befindet. Neben dieser Entwicklung werden besonders ein paar Trends, Produkte und Untrends auf der diesjährigen Learntec als herausragend im Gedächtnis bleiben.

Trend: Orientierung im kostenlosen Content-Web als Beratungsleistung

Lehrer finden im Web, vor allem mit Youtube, einen Gemischtwarenladen an Learning-Content vor - zum Teil von höchster Qualität. Doch wie findet man die für eine Schulklasse geeignete Video-Abhandlung mit didaktischem Anspruch über ein bestimmtes Thema unter den Tonnen von Bewegtbild-Stinkern von unbegabten Amateuren? Die gleiche Frage stellt sich für andere Nutzer: Betriebe beispielsweise. Es wird eine Beratungsleistung werden, Menschen Orientierung im Web des Lern-Contents zu geben: Welche Inhalte eignen sich, welche nicht - wie identifiziere ich geeignete Videos für den Unterricht und wie schließe ich zwielichtige Informationen aus? Das MMB beispielsweise hat für Videoplattformen, Blogs und Wikis einen Leitfaden   erstellt, den Schulen nutzen können, um die richtigen, für den Schulunterricht geeigneten Inhalte herauszufinden.

Trend: Orientierung im LMS-Markt als Leistung

Auch wenn die Masse der am Markt verfügbaren Lernmanagementsysteme kleiner ist als die Zahl der Videos auf Youtube, besitzt der LMS-Markt doch ein ähnlich verwirrendes Komplexitätslevel für den Nutzer: Das fängt bei den Funktionalitäten an und geht über das Pricing weiter: Muss man als Firma ein LMS nach Zahl der Lizenzen bezahlen oder nach der Zahl der gleichzeitigen Nutzer? Es gibt am Markt keine ultimative Übersicht - und das Komplexitätslevel von Lerntools wird künftig mit der Mainstream-Migration von E-Learning noch zunehmen. Der Bedarf nach Beratungsleistung steigt.
Umsatztreiber: Mehr als die Hälfte der Branchenumsätze gehen auf den Verkauf von Lerninhalten zurück.
Umsatztreiber: Mehr als die Hälfte der Branchenumsätze gehen auf den Verkauf von Lerninhalten zurück. (Grafik: Quelle: mmb-Branchenmonitor 'E-Learning-Wirtschaft' 2019; Grafik: HighText Verlag)

Trend: Herausforderungen um Datenschutz, Arbeitsrecht und Konsens

Learning-Tools am Arbeitsplatz werden nicht allein Herausforderungen auf dem Feld von Daten und Lösungen gegenüberstehen. Einen massiven Faktor wird etwa das Arbeitsrecht darstellen und die Akzeptanz der Learning-Tools und Strategien und Arbeitnehmer-Vertretungen: Kann man den Betriebsrat an Bord holen, der befürchtet, die Lerndaten würden hergenommen, um leistungsgerechte Vergütungen vorzunehmen? Wird garantiert, dass das Management Beförderungen nicht aufgrund von Lernfortschritten vornimmt? Und wie sorgt man dafür, dass die Belegschaft ein Tool auch nutzt und akzeptiert und es nicht aus genau diesen Befürchtungen heraus boykottiert?

Ein Produkt zum Beobachten (I): Lernmanagement-Middleware

Lernmanagement sieht sich den gleichen Herausforderungen gegenüber, wie alle anderen Systeme - etwa Marketing-Suiten oder Content- und Customer-Relationship-Management-Systeme: An den verschiedenen Standorten einer Firma, manchmal sogar in den verschiedenen Abteilungen, sind unterschiedliche Systeme in Verwendung, die nicht miteinander kommunizieren können. Das Fraunhofer Institut    arbeitet nun an einer Middleware, die genau diesen Makel beheben soll - eine Middleware, die es erlaubt, "Content von einem Standort zum anderen hin- und herzuschieben, den Wissensstand zu vereinheitlichen und die Unternehmenskultur zu bewahren", erklärt Lutz Goertz. "Was ich gesehen habe, sieht bemerkenswert aus - so eine Lösung kann im Zuge von Change Management bestehende Strukturen und Systeme bewahren und gleichzeitig das Lernen und Wissen vereinheitlichen."

Ein Produkt zum Beobachten (II): Die Kreditkarte für das Bildungsbudget

Eduspend   ist eine Art Kreditkarten-gestützte Lösung für das interne Bildungsbudget, die Schule machen könnte: Arbeitgeber überschreiben ihren Angestellten einen Etat, den sie in einem bestimmten Zeitraum für die Weiterbildung ausgeben können - dabei existiert keine Bindung an Plattformen oder eine Grenze zwischen realem Leben und Online-Welt: Man kann Online-Bildungsangebote kaufen oder mit dem Bildungsbudget Bücher im Buchladen ums Eck erwerben. "Der Arbeitgeber zieht daraus auch gleichzeitig den Vorteil, dass er sieht, inwiefern Bildungsbudgets individuell unter- oder überschritten werden und kann nachjustieren", sagt Lutz Goertz.

Trend-Verspätung: Künstliche Intelligenz lässt uns noch warten

KI ist ein Dauertrend vor allem im Online-Marketing, schwappte von dort aus in Gefilde wie Sales, Design und HR über und machte natürlich auch vor dem Learning nicht halt: Obwohl sie hier schon seit geraumer Zeit als heißes Thema gilt, alle Augen begierig auf die Entwicklung der Lernbots gerichtet sind, ist sich Thea Payome sicher: Die KI lässt uns noch warten. "Es wandert viel Geld ins Thema KI und Anwendungen wie Lernbots werden gerade evaluiert, aber bis da etwas spruchreifes bei herauskommt, warten wir noch zwei bis drei Jahre."

Trend-Fortsetzung: AR und VR

Augmented und Virtual Reality bleiben Trend-Themen. Grundsätzlich sind beide Technologien nichts Neues, aber die Evolution und die Bewegung Richtung Mainstream gehen weiter: "Es geht in Richtung realistischer Anwendbarkeit und man benötigt schon längst nicht mehr Unsummen an Entwicklungskosten. Damit sind AR und VR nicht mehr exklusive Themen für die großen Unternehmen, die sich das als einzige leisten könnten."

Untrend: Serious Games

Serious Games scheinen endgültig kein Thema mehr zu sein - die Spielumgebungen, in denen Wissen vermittelt werden sollte, weichen endgültig Lernumgebungen, in die Spielelemente eingebaut werden: Gamification. Etwa über Scores und Abzeichen.
Thema: Wieso sich Firmen 2020 mit E-Learning befassen müssen

Kommentar von Sebastian Halm

Vorteil mit Verfallsdatum

E-Learning wird vom Wettbewerbsvorteil zum Standard werden.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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