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Schlauer als die Disruption: Die ELearning-Trends 2019

18.02.2019 US-Internetkonzerne beißen vom ELearning-Kuchen ab, deutsche Anbieter müssen eigene Assets ausspielen. Der Learning-Bedarf ist dank Digitaler Transformation groß - fünf Trends zeigen, wo künftig Märkte liegen und mit welchen Technologien sich Firmen disruptionssicher machen.

Ein ausgeprägteres Branchenbewusstsein und ein verbreiterter Markt prägen E-Learning und seine Anbieter 2019 (Bild: geralt / Pixabay)
Bild: geralt / Pixabay
Ein ausgeprägteres Branchenbewusstsein und ein verbreiterter Markt prägen E-Learning und seine Anbieter 2019

HANDLUNGSRELEVANZ

 
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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Der E-Learning-Markt verbreitert sich wegen gestiegener Nachfrage. Die GAFAs mischen mit, ohne jedoch die Position smarter und anpassungsfähiger ELearning-Firmen zu gefährden.
Gerade erst hat die Branchenmesse Learntec 2019   stattgefunden - und Besucher berichten von einer Branche, die sich hier in einem neuen Selbstbewusstsein versammelt: "Die Learning-Branche begreift sich nun als Branche, alles ist professioneller denn je aufgezogen", sagt etwa ELearning-Expertin Thea Payome , Chefredakteurin und Herausgeberin von Checkpoint Elearning  . "Vieles was in den vergangenen 15 bis 20 Jahren als Hype herbeigeredet wurde ist nun wirklich da und auch stabil."

Blended Learning, Webinare, virtuelles Coaching und andere Dauer-Trendthemen sind nun operatives Geschäft geworden. So ist etwa in 2019 auch der ewige Trend Mobile Learning zum Standard geworden. Keiner redet mehr darüber, dass er auf mobile umstellen möchte, allenfalls werden Verbesserungen der User Experience gesucht, Optimierungen für eine noch einfachere Bedienbarkeit der Lösungen. Web Based Training ist vor diesem Hintergrund eher auf dem absteigenden Ast. Mobiles Learning, so Payome, ist besonders stark bei Vertriebsthemen anzutreffen - oftmals stark unternehmensspezifisch aufgezogen, die Schnittmenge zwischen mobilem und Corporate Learning ist groß, seriengefertigte Lösungen (off-the-shelf) sind ebenso üblich wie maßgeschneiderte.

Der ELearning-Markt 2019 erfordert kreative Geschäftsmodelle und Angebote

Darüber hinaus haben sich Entwicklungen bestätigt, die iBusiness in vergangenen Analysen zu den Learning-Trends gemacht hat: Der Markt wird immer stärker von den großen Internetkonzernen mit bedient. So bietet etwa Youtube ein breites Angebot an Lehrvideos unterschiedlichster Qualität, das sich reger Nutzung erfreut, sagt Dr. Lutz Goertz, Leiter Bildungsforschung am mmb Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH  . Aber es gibt auch kommerzielle Anbieter, die ganze Kurse und sogar 'Massive Open Online Courses' (MOOCs) vertreiben: "Zum Teil stecken große Firmen hinter den Inhalten. Und im Markt breitet sich auch Microsoft aus, das mit seinem Kauf von LinkedIn    das Online-Schulungsportals 'LinkedIn Learning', früher Lynda  , erwarb." Hier zeige sich beispielsweise, wie ein Internetkonzern mittels Zukauf einen Vorsprung gegenüber alteingesessenen Verlagen erhält: "Damit bekommt Microsoft ein Matching zwischen Zielgruppe und Angeboten hin, das ein Verlag mangels Inputdaten nicht kontern kann." Auch ein Apple   macht sich zunehmend im Schulbereich breit. "So etwas darf man als Bildungsanbieter nicht kulturpessimistisch sehen", sagt Goertz. Es handle sich um Marktmechanismen, denen man mit neuen Geschäftsmodellen und Angeboten begegnen muss.
Die Digitalisierung ist ein wichtiger Antrieb für die Adaption von E-Learning in Unternehmen. Sie wird die gesamte Wertschöpfungskette beeinflussen.
Die Digitalisierung ist ein wichtiger Antrieb für die Adaption von E-Learning in Unternehmen. Sie wird die gesamte Wertschöpfungskette beeinflussen. (Grafik: Bain/Google)

Vor diesem Hintergrund entwickeln manche Unternehmen neuartige Lernerfahrungen: WBS Training etwa entwickelt VR-Lernlösungen für Umschulungsinhalte. Dabei handelt es sich um klassische Desktop-VR, die ohne Brille auskommen: Der Lernende bekommt weniger Faktenwissen vorgesetzt, sondern betritt ein virtuelles Unternehmen, in dem er Aufgaben auf den Schreibtisch gelegt bekommt, die den Aufgaben im Berufsalltag entsprechen.

Geprüfte Inhalte: Asset mit dem Zwang zur Premium-Qualität

Auch der Performance Support (siehe iBusiness-Trend-Analyse von 2017) hat sich weiter durchgesetzt: Lerninhalte werden via Editor in die Systeme und Lösungen integriert, stolpert ein Angestellter bei Bedienung der Lösungen über ein Problem, kommt der Lerninhalt direkt zu ihm - beispielsweise mittels Mouseover. Lernen findet statt, wenn man das Wissen braucht, das Anhäufen von Lerninhalten auf Vorrat wird zunehmend obsolet - was sich auch in einer starken Nutzung von Youtube für spontane Kleinst-Lerneinheiten widerspiegele, so Goertz. In diesem Umfeld können sich kommerzielle Anbieter mittels geprüfter Inhalte von der großen Masse an Videos abheben. Allein bringt dies mittlerweile eine gewisse Investitionshöhe mit sich, da Nutzer eine hohe Qualität der Darstellung erwarten: "Die Anbieter müssen TV-Qualität bieten - inzwischen ist hier ein Arbeitsmarkt für Drehteams, Kamera- und Tonleute entstanden, die nun von der Nachfrage profitieren können", sagt Goertz.

Dass sich die GAFA-Konzerne und auch die großen, aber nicht ganz großen Interaktivfirmen auf dem Learning-Markt tummeln, führt aber laut Thea Payome nicht zu ausgefahrenen Ellbogen: "Die Ellbogen sind wieder eingeklappt - der ELearning-Markt hat sich verbreitert, es ist so viel Platz, dass es aktuell keine Existenzsorgen wegen der Konkurrenz gibt."

In 2019 wird dieser Markt vor allem von fünf Trends bestimmt.

Trend eins: Dialogische AI

Lernbots sind das ELearning-Äquivalent zu Chatbots, sie fragen Wissen ab und begleiten den Lernenden. Künftig werden diese Lösungen intelligenter und dialogischer vorgehen. Man kann sich als Nutzer beispielsweise ein Lernziel setzen und eine Frist: "Heute abend möchte ich fünf neue chemische Stoffe kennen". Abends fragt der intelligente Lernbot dann nach und erkundet bei verfehltem Lernziel im Dialog mit dem Lernenden die Ursachen für das Scheitern. Solch dialogische KI war bereits einer der Trends in der iBusiness-Analyse zu KI-Trends von übermorgen, die das Marketing wirklich verändern.
Faktoren, die die E-Learning-Zukunft beeinflussen, in der iBusiness-Analyse: Puffer und Indikatoren gilt es zu beobachten, kritische Faktoren werden lassen sich mittelbar, Hebel unmittelbar steuern.
Faktoren, die die E-Learning-Zukunft beeinflussen, in der iBusiness-Analyse: Puffer und Indikatoren gilt es zu beobachten, kritische Faktoren werden lassen sich mittelbar, Hebel unmittelbar steuern. (Grafik: Hightext Verlag)

Trend zwei: Blind Coaching

Blind Coaching findet in virtuellen Räumen mit Avataren statt. Der Lernende und der Lehrer erfahren nicht die Identitäten ihres jeweiligen Gegenübers. Solche Lernszenarien sind dann interessant, wenn jemand Wissenslücken auf Gebieten ausfüllen will, die er qua Position eigentlich nicht haben dürfte oder der den Anschein naturgegebener Kompetenz erwecken möchte - etwa Führungskräfte bei DAX-Konzernen, die keinen Plan von allgegenwärtigen Hypethemen haben.

Trend drei: 'Netflixisierung' der Lerninhalte

Oberflächen in Lernanwendungen werden sich zunehmend in Richtung von Entertainment- oder Shop-Oberflächen entwickeln, wie man sie als privater Nutzer vorfindet - etwa eine Videoauswahl-Oberfläche für Lerninhalte, die weniger B2B-Anmutung hat, sondern eher einem Netflix   entspricht, inklusive lernender Vorschlagslogiken. Damit geht E-Learning den Weg des B2B-Commerce, der von B2C-Shops gelernt hat (iBusiness berichtete).

Trend vier: Geschäftsfeld Learning-Consultant

Der Beratungsbedarf bei den Unternehmen steigt angesichts einer wachsenden Vielfalt an Inhalten und Lernformen. Mehr und mehr wird Consulting und Konzepterstellung zur Hauptleistung des ELearning-Anbieters, der Marken zeigt, wie sie ihren Lernbedarf im Unternehmen und ihre Lerninhalte zusammenbringen.

Trend fünf: KI-gestütztes Self-Assessment

Den eigenen Kenntnisstand und die Wissensstände der eigenen Mitarbeiter herauszufinden ist essenziell für die Anpassung eines Unternehmens an die Marktgegebenheiten, wie iBusiness in der Analyse Digitale Transformation erlernen herausgefunden hat. Diese Tests finden immer mehr in digitalen Umgebungen und intelligenten Lösungen statt. Die Ergebnisse sind weniger als Karriere-Kriterien für die Personalakte gedacht als vielmehr für die Lernenden selbst konzipiert oder für die strategische Ausrichtung des Unternehmens insgesamt von Bedeutung. Hier werden zunehmend KI-basierte Algorithmen dabei helfen, Wissensstände genau und strukturiert zu erfassen.
Thema: Schlauer als die Disruption: Die ELearning-Trends 2019

Kommentar von Sebastian Halm

E-Learning, angekommen

Die ewigen Trends sind nun endlich da: E-Learning befindet sich nun dort, wo es hingehört.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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