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VR, Prozessintegration, ROI: Das sind die wichtigsten sieben ELearning-Trends

20.01.2017 Lernen im Zeichen des ROI: E-Learning wird in den Unternehmen durchökonomisiert, verlässt Social und wandert in die Prozesse. Unterdessen stehen deutsche Schulen vor einem Urknall: Die Trends des ELearning-Jahres 2017 sind überwiegend organisatorisch. Mit einer Ausnahme.

Ende Januar 2017 sieht Karlsruhe die mittlerweile 25. Learntec. (Bild: KMK/BEHRENDT&RAUSCH)
Bild: KMK/BEHRENDT&RAUSCH
Ende Januar 2017 sieht Karlsruhe die mittlerweile 25. Learntec.

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Learning wird zunehmend ökonomisiert und in die Prozesse integriert
Nun schließlich erscheint E-Learning unaufhaltsam - es kommt zwar beim Tempo nach wie vor kaum über den Modus 'Revolution in Zeitlupe' hinaus. Aber es ist auf allen Ebenen - der wirtschaftlichen, der wissenschaftlichen und (hoch)schulischen - nicht mehr von seiner langsamen Reise in den Mainstream zu stoppen. Das wird auch die mittlerweile 25. Learntec   vom 24. bis 26. Januar in Karlsruhe zeigen: Denn die nimmt mit Themen wie Recruiting, Onboarding und HR einerseits wieder die Wirtschaft ins Visier.

Doch die Learntec bemüht sich auch um neue Zielgruppen - vor allem die schulische, die seit 2015 erstmals auf der Sonderfläche School@learntec dezidiert angesprochen wird. Dieses Jahr nimmt das Engagement um diesen Bildungssektor noch zu - was damit zu tun haben wird, dass unlängst große Bewegung in den Markt gekommen ist: wegen der Ankündigung von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka , in den nächsten Jahren fünf Milliarden Euro in die digitale Bildung zu stecken, wenn die Länder im Gegenzug mit Konzepten für das E-Learning aus dem Knick kommen. Ein Deal, "in dem Musik ist", wie ELearning-Expertin Thea Payome , Chefredakteurin und Herausgeberin von Checkpoint Elearning   findet: "Weil wir eine Bildungsministerin haben, die weiß, was sie tut: Es gibt sinnvolle Kooperationen, es wird in die Weiterbildung von Lehrern investiert: Hier wird sich in den kommenden Jahren viel tun."

Die iBusiness-Einflussmatrix hat die wichtigsten Faktoren ermittelt, die die Zukunft des E-Learnings bestimmen - darunter sind  Content, Kostenersparnis, Technologie und das semantische Internet.
Die iBusiness-Einflussmatrix hat die wichtigsten Faktoren ermittelt, die die Zukunft des E-Learnings bestimmen - darunter sind Content, Kostenersparnis, Technologie und das semantische Internet. (Grafik: Hightext Verlag)
Die Learntech leitet damit ein Jahr ein, das vor allem von sieben Learning-Trends bestimmt sein wird.

1. Virtual Reality löst Augmented Reality ab

Augmented Reality hat im Learning - anders als es seine Advokaten für Advertising oder Couponing erhofft haben - sinnvolle Anwendungsfelder gefunden: Etwa in der Ausbildung an komplexen Maschinen, die ein Lehrling zuvor noch nie bedient hat und die ihm dann von einer Augmented-Reality-App plastisch erklärt werden. Aktuell geht die Reise hier jedoch einen Schritt weiter in Richtung virtueller Welten: "Man kann etwa in virtuellen Hallen virtuelle Druckmaschinen bedienen - anschließend sieht man sich in der Aufzeichnung selbst zu, wie man als Avatar die Maschine zusammensetzt und analysiert Fehler", illustriert Dr. Lutz Goertz, Abteilungsleiter Bildungsforschung am mmb Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH  , das Potenzial: "Das geht über Augmented Reality hinaus - bei der benötigt man immer noch die echte Maschine oder den echten Ort. Virtual Reality erlaubt Schulen den Zugriff auf Maschinen, die sie sich sonst schlicht nicht leisten können."

Langfristig wohnt in virtuellen Welten also größeres Potenzial als in den lediglich digital gepimpten der AR. Dennoch bleibt das Lernen in VR eine Nische: Wir werden auf lange Jahre nicht in ein Klassenzimmer spazieren und alle Schüler mit VR-Helmen vorfinden.

2. Performance Support: Learning verlässt Social und geht in die Prozesse

Das iBusiness-ELearning-Poster

 (Bild: HighText Verlag)
Bild: HighText Verlag

Das iBusiness-Poster bietet eine Übersicht der größten ELearning-Anbieter - es ist kostenlos im iBusiness-Shop erhältlich.

Einstmals (und in Österreich immer noch vorwiegend) als Microlearning bekannt, dominiert Performance Support weiter die Art und Weise, wie Corporate Learning aussieht: Learning findet weniger in sozialen Zusammenhängen statt (Social Media, Intranets oder Collaboration Tools), sondern wird stärker automatisiert in die Arbeitsprozesse integriert: "Seit einiger Zeit und auch weiterhin erfreut sich dieses Prinzip einer überwältigenden Verbreitung: Man stolpert über ein Problem und holt sich sofort die Lerneinheit dazu", sagt Thea Payome.

3. Durchökonomisierung und der Corporate-Learning-ROI

Die Prozessintegration des Lernens fördert einen weiteren Trend: "Je automatisierter die Prozesse, desto automatisierter sind die Hilfen.", sagt Thea Payome. "Damit erobern Beschleunigung, Ökonomie und die Frage nach dem Return-on-Invest zunehmend das berufliche Lernen. Es wird kleinteilig und zweckgebundener - es zielt innerhalb des Arbeitsprozesses nicht mehr auf den Erwerb komplexerer Fähigkeiten ab."

4. Deutschlands Schulen als digitaler Flickenteppich

Der Status quo der deutschen Schullandschaft ist der eines digitalen Flickenteppichs: "Man findet durchaus Schulen, und die müssen nicht mal Medienschulen sein, an denen in jedem Raum ein Rechner steht, es gibt viele Schulen mit Interactive Whiteboards und WLAN", sagt Lutz Goertz: "Man ist aber weit entfernt vom einstmals geforderten, 'ein Rechnerplatz für jeweils zwei Schüler'. Und die Unterschiede sind je nach Schule enorm: Manche profilieren sich als 'Digitale Schule', andere setzen auf Sport oder andere Schwerpunkte."
Somit bieten Deutschlands Schulen in 2017 kein einheitliches Bild in der Adaption digitaler Schulmittel.
Trotz zu erwartender Erfolge in naher Zeit: Bis E-Learning allgemein bekannt und akzeptiert ist, dauert es viele Jahre - der Markt ist auf nahezu allen Ebenen stark reguliert.
Trotz zu erwartender Erfolge in naher Zeit: Bis E-Learning allgemein bekannt und akzeptiert ist, dauert es viele Jahre - der Markt ist auf nahezu allen Ebenen stark reguliert. (Grafik: HighText Verlag)

5. Digitalität wird Mehrwert statt nur Analog-Substitut

Lutz Goertz (Bild: mmb Institut GmbH)
Bild: mmb Institut GmbH
Lutz Goertz

Aktuell nutzen Schulen kaum das Potenzial aus, das in digitalen Technologien steckt: "Das PDF ersetzt das Handout, das Video auf Youtube   den Film", sagt Goertz: "Es gibt auch didaktische Ansätze, die das Potenzial mehr ausnutzen: Gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, das gemeinsame Erstellen eines Wikis oder Erklärfilms".

Mit der zunehmenden Verbreitung wird es auch einen kreativeren Umgang mit digitalen Technologien geben - darüber hinaus ist Weiterbildung der Lehrkräfte nötig.

6. Digitale Hausmeister

Digitales Lehren und Lernen scheitert manchmal an (scheinbar) banalen Problemen: Zwar kann jeder Lehrer einen Hausmeister rufen, wenn er in einem Klassenzimmer ein Fenster nicht geschlossen bekommt, aber bei Rechnerproblemen gibt es keinen oder keinen einheitlichen IT-Support: "Schulen benötigen externen Support, also Institutionen, die die aktuelle Software bereithalten", sagt Goertz. "Manche Kommunen haben so etwas wie den digitalen Hausmeister schon, andere nicht. Wenn, dann ist er für mehrere Schulen zuständig und oft ist er - wenn es ihn denn gibt - so überlastet, dass er manche Schulen nur selten besucht."

Die Länder müssen das Ressourcenproblem des IT-Supports an Schulen lösen, soll dort die Zukunft beginnen.

7. Beratungsbedarf: Learning-Consultants

Thea Payome

Mit der steigenden Bedeutung des E-Learnings auf allen Feldern steigt der Beratungsbedarf, Consulting wird bei potenziellen Kunden zur begehrten Dienstleistung: "Das Feld ist so breit und so groß geworden", sagt Thea Payome: "Firmen benötigen Hilfe dabei herauszufinden, mit welchen Mitteln man welche Ziele erreicht."

2016 war ein Jahr, in dem Weichen für das E-Learning gestellt wurden, 2017 wird einen spürbaren Erfolg auf dem Weg Richtung Alltag und Mainstream bringen, nicht zuletzt wegen bewilligter Mittel auf dem Schulsektor. Vor diesem Hintergrund bieten sich vier Szenarien für die längerfristige Zukunft von Learning in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an.

Vier Szenarien für die Learning-Zukunft

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
60%
Best-Case-Szenario

Langsame Transformation

E-Learning transformiert langsam den Lernbetrieb, digitale Lernmittel mit digitalen Geschäftsmodellen lösen tradierte Lehrpläne und Institutionen auf. Bildung, Wissen und Lernen erreichen mehr Leute - ohne allerdings den Fortschritt zu beschleunigen, dafür wäre eine Verbreiterung von tiefgehendem Wissen nötig; doch das erreichen nach wie vor nur Eliten.

Aktiv
15%
Worst-Case-Szenario

Nische

E-Learning findet auch längerfristig keinen Platz im Mainstream: Es findet nur in beruflichen und schulischen Kontexten statt und dort meistens auch in den tradierten, oftmals an analoge Mittel gebundenen Wegen. Diese Learning-Nischen gehören hauptsächlich den etablierten Anbietern

Passiv
1%
Best-Case-Szenario

Dauerhafte Digitalresistenz

Trotz des Einsparpotenzials oder der Chancen neuer Learning-Technologien: Bürokratie und Ressentiments bremsen die Digitalisierung des Lernbetriebs. So können wir auch in 25 Jahren noch in ein Klassenzimmer spazieren, ohne verblüffend neuartige Zustände vorzufinden.

Passiv
24%
Worst-Case-Szenario

Die GAFA-Herrschaft

Google, Amazon, Facebook und Apple sind ernstzunehmende Konkurrenten für jeden, der mit Lerninhalten und -anwendungen sein Geld verdient. Besonders spannend für Nutzer ist ihre Arbeit an Agentenlösungen, die Nutzern so viel Stress abnehmen können, dass sie ihre Vorbehalte gegen das E-Learning überwinden.

Thema: VR, Prozessintegration, ROI: Das sind die wichtigsten sieben ELearning-Trends

Kommentar von Sebastian Halm

Noch ein wenig kurzsichtig in der Anwendung

Noch wissen Deutschlands Institutionen nicht so ganz genau, was sie mit diesem E-Learning tun sollen - oder könnten. Kein Wunder, die Rahmenbedingungen laden nicht zum Experiment ein.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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