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nachhaltige IT

Wie das eigene Rechenzentrum nachhaltig wird

14.08.2023 Das Hosting des eigenen Onlineshops oder der Betrieb von Websites und digitalen Services: erfolgreiche Digitalisierung ist nur mit einer starken, zugrundeliegenden digitalen Infrastruktur möglich - und die frisst Strom, viel Strom. Doch es geht auch anders, wenn man seine CO2-Ziele erreichen will.

 (Bild: Midjourney/jg)
Bild: Midjourney/jg
Das Rückgrat digitaler Geschäftsmodelle bilden Rechenzentren, wobei insbesondere große Colocation-Rechenzentren eine Plattform bieten, sich miteinander oder mit der Cloud zu vernetzen. Rechenzentrumsbetreiber bauen angesichts der starken Nachfrage deutschlandweit ihre Kapazitäten aus und schaffen so die Grundlage für die weitere Digitalisierung.

"Einher mit diesem Ausbau geht allerdings auch die wichtige Frage, wie sich diese digitale Transformation weiterhin klimafreundlich und nachhaltig gestalten lässt?, weiß Jerome Evans , Gründer und Geschäftsführer der Firstcolo GmbH  .

Stichwort: Ökologischer Fußabdruck

Rechenzentren befinden sich nicht nur in Deutschland auf Wachstumskurs, sondern weltweit. 2022 belief sich der globale Serverbestand auf rund 85,6 Millionen Stück. Im Jahr 2015 waren es noch 58,8 Millionen. In Deutschland haben sich die Kapazitäten von Cloud-Rechenzentren in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt  : von 470 MW (2017) auf 880 MW (2022)

Je energieeffizienter und nachhaltiger Rechenzentren betrieben werden, als desto niedriger entpuppt sich daher nicht nur ihr eigener ökologischer Fußabdruck, sondern zugleich auch der Fußabdruck digitaler Lösungen und Anwendungen insgesamt ? sei es in Privathaushalten, beim Streaming, bei der Internetnutzung oder in Industrieprozessen. Video-Konferenzen statt Dienstreisen, eine smarte Heizungssteuerung in Gebäuden, eine intelligente Verkehrssteuerung oder automatisierte Prozesse in der industriellen Fertigung ? mit Hilfe der Digitalisierung lassen sich Energieverbrauch und CO2-Emissionen so in großem Umfang reduzieren.

Als ein wichtiger Hebel für mehr Klimaschutz erweist sich die Nutzung von Abwärme. Doch um diese abgeben zu können, braucht es jemanden, der die Abwärme auch tatsächlich abnehmen kann ? und will. Allerdings fehlen vielerorts noch die dafür nötigen Fernwärmenetze der vierten Generation. "Bleibt es bei den vorgesehenen Regelungen, lassen sich neue Rechenzentren zukünftig nur noch dort ansiedeln, wo solche Abwärmenetze vorhanden oder verbindlich vorgesehen sind. Dabei muss die Standortwahl von Rechenzentren einer anderen Logik folgen, als dies die Abwärmenetze tun?, erklärt Evans.

Es braucht dort Datacenter, wo in großem Umfang Strom aus grundlastfähigen Quellen bereitsteht und ein hoher regionaler Bedarf an Rechenpower herrscht. Bereits existierende Rechenzentren sind aufgrund der eingesetzten Kühltechnologien zudem nur mit hohem oder sehr hohem Aufwand für eine Abwärmenutzung umrüstbar. Gleichzeitig gilt es den grünen Strommix auch politisch stärker voranzutreiben. Schließlich können Vorgaben zur Abnahme von Ökostrom nur bei einem ausreichenden Angebot Wirkung entfalten.

Welche Aspekte Unternehmen beachten müssen, um Nachhaltigkeit im Rechenzentrum zu erreichen hat Cancom   zusammengestellt:

  1. Strom aus erneuerbaren Energiequellen beziehen

  2. Abwärme durch intelligentes Lüftungsdesign sinnvoll wiederverwenden. Sei es im eigenen, möglichst effizienten Energiekreislauf oder etwa über das Einspeisen in Fernwärmenetzwerke, um so umliegende Haushalte zu heizen.

  3. Energie effizient nutzen. Die Energieeffizienz misst sich an der sogenannten ?Power Usage Effectiveness? (PUE), also der Menge der verbrauchten Energie im Verhältnis zur aufgenommenen Energie. Je niedriger der PUE-Wert ist, desto effizienter wirtschaftet ein Rechenzentum. Beim Energieverbrauch ist die Kühlung der Systeme und Festplatten häufig einen der größten Posten dar. Der Energieverbrauch lässt sich durch den Einsatz von intelligent vernetzten Sensoren und KI reduzieren, die beispielsweise Temperaturen im Rechenzentrum auswerten und die Kühlung steuern. Auch der Einsatz von Fernkälte ist eine Alternative.

  4. Colocation nutzen: Kleinere Rechenzentren werden zu großen Rechenzentren zusammengefasst, die von einem externen Dienstleister betrieben werden und deutlich effizienter arbeiten. Dieses Datacenter-as-a-Service-Modell (DaaS) verbessert entsprechend die Gesamtenergiebilanz.

  5. Längere Nutzung der Hardware kann die Klimabilanz verbessern. Zu den noch selten genutzten Maßnahmen zum Verlängerung der Hardware-Nutzungsdauer im Rechenzentrum zählen die Wartung durch Dritte (Third-Party Maintenance/TPM), die Nutzung wiederaufbereiteter Hardware (Refurbished Hardware) und das Recycling. Ersteres verlängert die Lebensdauer, indem gut funktionierende Hardware über ihren, herstellerseitig festgelegten, End-of-Service-Life (EoSL) hinaus genutzt wird. Die Nutzung wiederaufbereiteter Hardware verlängert deren Verwendungszeitraum und spart auch die CO?-Menge ein, die bei der Herstellung neuer Hardware inklusive Transport ausgestoßen worden wäre.
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