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Web 2.0: Nutzer von Social Networks tappen zunehmend in Phishing-Falle
09.01.2008 Social Networks wie Facebook werden immer öfter zum Ziel von Phishing-Attacken. Eine Gefahr für die Netzwerke sind vor allem Widgets, die Drittanbieter für Online-Communities programmieren. Gerade die deutschen Netzwerke wie Xing in der für offene Standards organisierten Google-Initiative OpenSocial geraten damit zunehmend unter Druck. Und haben aktuell noch keine konkreten Lösungen für die drohenden Phishing-Attacken.
Die Adware "Secret Crush" verspricht, den Facebook-Nutzer auf andere "Facebookies" aufmerksam zu machen, die ihn oder sie attraktiv finden. Stattdessen installiert das Programm nur eine Adware, die versucht, sich fortan als Empfehlung des in die Falle getappten Facebook-Nutzers dessen Freunden anzudienen. Somit können die gespeicherten Kontaktdaten heruntergeladen werden, um sie beispielsweise an Adressbroker oder Werbetreibende für viel Geld zu verkaufen oder um den Rechner des Users nach weiteren Passwörtern, Log-In-Daten oder TAN-Nummern zu durchsuchen.
Im Falle von Facebook werden Nutzer mit einer E-Mail geködert, die den Zugriff auf Pornobilder verspricht. Die Mail enthält im aktuellen Fall einen Link auf eine Phishing-Seite, die der Facebook-Login-Seite nachempfunden ist. Wer die angeblichen Porno-Bilder sehen will, muss seine Zugangspasswörter eingeben - und hat diese damit an Unbekannte geschickt, die über eine chinesische Web-Seite operieren. Zur weiteren Verschleierung wird das Opfer sogar zu Facebook zurückgeleitet.
Nach Angaben des US-Sicherheitsunternehmens Fortinet soll die Adware bereits bei 1,8 Millionen Nutzern Schaden angerichtet haben. Rund drei Prozent aller Facebook-Profilseiten, so das Unternehmen, seien bereits infiziert, obwohl in den Foren längst über 'Secret Crush' und sein Schadpotential diskutiert wird.
Auch MySpace hat schon Phishing-Attacken erlebt. Aktuell wurden auf MySpace verseuchte Werbebanner entdeckt, die bösartige Trojaner auf den Rechner des Users übertragen. Das Business-Netzwerk Xing ist nach eigenen Aussagen bisher von Phishing-Attacken verschont geblieben. Dies habe, so lässt das Netzwerk verlauten, vor allem damit zu tun, dass Xing derzeit keinerlei Autorisierung für Anwendungen erteile, die von Dritten programmiert werden und Login-Daten erforderten.
OpenSocial ein Sicherheitsrisiko für Social Network
Die Phishing-Attacken auf die Nutzerprofile von Facebook zeigen deutlich, dass Social Networks in Punkto Sicherheit Nachholbedarf haben. Künftig werden sich vor allem deutsche Netzwerke wie Xing verstärkt mit der drohenden Phishing-Gefahr auseinander setzen müssen. Denn alle führenden deutschen Netzwerke planen, künftig verstärkt Widgets von Drittanbietern zu integrieren. Xing und MySpace haben sich dafür unter anderem in der Initiative OpenSocial von Google zusammen geschlossen.
Ziel von Google ist, für die Social Networks offene Programmierstandards zu entwickeln. Entwickler sollen künftig Anwendungen programmieren, die dann ohne Überarbeitung in alle Netzwerke integriert werden können. Auf diese Weise soll ein "großer Rivale" zu Facebook entstehen, der bei offenen Standards als Pionier gilt.
Eine iBusiness-Analyse zeigt: Auf die Phishing-Gefahr sind die deutschen Netzwerke längst nicht vorbereitet. Selbst Xing, das sich als eines der ersten deutschen Netzwerke der Google-Initiative anschloss, hat aktuell keine Lösung für die drohende Gefahr. Auf Nachfrage von iBusiness wollte sich das Netzwerk nicht dazu äußern, mit welchen Strategien Xing seine Nutzer künftig vor kriminellen Attacken schützen will.
Virenschutz-Software verliert an Wirksamkeit
Nach einer aktuellen Studie der Computerzeitschrift c't nimmt die Leistungsfähigkeit von Virenschutz-Software und somit der Schutz vor Phishing-Attacken seit Jahren ab. Trotz mehrmals täglicher Virenupdates durch die Softwareanbieter, sei vor allem das Erkennen neuer Viren oder Schad-Software-Varianten zunehmend schwierig geworden. Eugene Kaspersky , Mitbegründer des gleichnamigen russischen IT-Sicherheitsunternehmens, brachte das auf der Cebit 2007 treffsicher auf den Punkt: "Organisierte Banden könnten Programmierern inzwischen Gehälter bieten, mit denen legale Auftraggeber nicht mehr konkurrieren könnten."
