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Wie Googles Caffeine-Schub die SEO-Landschaft verändert

01.07.2010 Google hat kürzlich seine Umstellung auf eine neue Technik namens Caffeine abgeschlossen - und beteuert, am Suchalgorithmus, Grundlage aller SEO-Maßnahmen, habe sich dadurch nichts geändert. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.

 (Bild: Henry Klingberg/pixelio.de)
Bild: Henry Klingberg/PIXELIO
 (Bild: Pixelio/Henry Klingberg)
Bild: PIXELIO/Henry Klingberg
Bereits seit dem Spätsommer 2009 arbeitete Google an der Umstellung auf Caffeine, Anfang Juni wurde nun Vollzug gemeldet  . Google betont, dass Caffeine "kein neuer Suchalgorithmus" ist. Caffeine sei stattdessen ein neuer Suchindex - also eine komplett überarbeitete Version jener gigantischen Tabelle, in der Google alle erfassten Webseiten sammelt.

2008 hatte Google bereits rund eine Billiarde Links in diesem Index   - inzwischen dürften es durch Content-Erzeuger aus dem Social-Media-Sektor wie etwa Twitter noch viel mehr sein. Jedenfalls belegt Caffeine bereits eine Datenbank mit fast 100 Millionen GByte Speichervolumen - und jeden Tag kommen mehrere hunderttausend GByte hinzu.

Bislang wurde dieser Content in Schichten eingeteilt, die in unterschiedlichen Abständen aktualisiert wurden. Um mit der explosionsartig wachsenden Content-Menge Schritt halten zu können, wird bei Caffeine nun stattdessen das Web als Ganzes in kleinere Portionen aufgeteilt, die kontinuierlich aktualisiert werden. Dadurch soll neuer Content im Web sehr viel schneller als bisher - im Idealfall schon Sekunden nach der Veröffentlichung - über die Google-Suche zu finden sein.

 (Bild: Google)
Bild: Google

Googles Such-Guru Matt Cutts   greift zu einem anschaulichen Vergleich, um die Auswirkungen des Index-Tunings zu verdeutlichen: "Bisher mussten Webseiten quasi 20 Minuten an der Haltestelle warten, bis der Bus kam. Jetzt gehen sie vor die Tür und da wartet schon die Limousine." Technisch gesehen passiert das vornehmlich durch ein neues, wesentlich leistungsfähigeres Dateisystem namens GFS 2 (Google File System 2).

Laut Google hat sich durch Caffeine der eigentliche Suchalgorithmus - also die Rechenvorschrift für die Bewertung der erfassten Webseiten, um sie in eine Reihenfolge für die Anzeige auf den Ergebnisseiten (SERPs) zu bringen - nicht geändert. Das ist glaubwürdig und technisch korrekt, aber dennoch etwas in die Irre führend. Tatsächlich haben viele Webseitenbetreiber festgestellt, dass ihre Seiten nach der Umstellung anders gerankt wurden als vorher.

Der Grund dürfte vermutlich sein, dass durch die leistungsfähigere Caffeine-Infrastruktur nun mehr Informationen in kürzeren Abständen erfasst werden und sich auf diesem Weg Veränderungen der SERPs (Search Engine Result Pages) ergeben, auch wenn der Algorithmus der gleiche geblieben ist. Veraltete Seiten laufen nun wohl eher Gefahr, von den vorderen Plätzen durch aktuellere Seiten verdrängt zu werden.

Andrea Reitmeier , Head of Marketing bei dem Blogvermarkter mokono  : "Wenn es mit Caffeine möglich ist, schneller relevante Inhalte in den Index aufzunehmen, warum sollte sich das nicht auch auf die Rankings auswirken? Der Index wird größer, neue Seiten kommen hinzu und verdrängen vielleicht andere Seiten von ihren Plätzen, weil sie bessere Inhalte liefern." Das bestätigt Niko Bardowicks , Geschäftsführer von Online Marketing Solutions  : "Neue Inhalte werden schneller angezeigt, News und aktualisierte Blogs werden schneller und besser gelistet. Caffeine ist kein neuer Algorithmus. Trotzdem sind die Auswirkungen vergleichbar."

 (Bild: Chitika Research)
Bild: Chitika Research

Die Auswirkungen bereits geringer Verschiebungen in den Suchergebnissen sind ganz erheblich: Schon ein Abrutschen von Platz eins auf Platz zwei in den SERPS bedeutet etwa eine Halbierung des von Google an die Seite weitergereichten Traffics, ergab eine Studie von Chitika Research  . Research Director Daniel Ruby : "Der prozentual größte Sprung findet sich von der Topposition auf Seite zwei zu dem untersten Ergebnis auf der ersten Seite: ein Anstieg des Traffics um 143 Prozent." Allerdings ist der absolute Traffic in diesem Bereich schon sehr gering und bewegt sich im unteren einstelligen Prozentbereich.

Denn eine weitere Studie von iProspect und JupiterResearch    kam zudem zu dem Ergebnis, das 68 Prozent der Suchmaschinennutzer eh nur Links auf der ersten Seite der Suchergebnisse nutzen. Für 92 Prozent ist spätestens nach der dritten SERP-Seite Schluss.

Um mit den Auswirkungen der Caffeine-Umstellung sinnvoll umzugehen, empfehlen SEO-Experten folgende Maßnahmen:

  1. SERPs Beobachten

    Regel Nummer eins ist eine aufmerksame Beobachtung der SERPs: "Es ist generell eine kluge Idee, die eigenen Platzierungen für relevante Keywords aufmerksam und regelmäßig zu beobachten", empfiehlt der SEM-Analyst Tony Soric von Clickable  . Auf diese Weise könne man auf Index-Veränderungen zumindest schnell reagieren.

  2. Auf HTML5 umstellen

    Googles Matt Cutts sagte auf der SMX Advanced Search Conference Anfang Juni: "Als Teil des Umstiegs auf Caffeine haben wir nach Möglichkeiten gesucht, das HTML-Parsing zu verbessern." Auch wenn Google es nicht explizit ausspricht, kommt hier vermutlich HTML5 ins Spiel, denn der künftige Standard lässt sich aufgrund seiner optimierten Struktur mit zusätzlichen Tags etwa für Navigation oder Content-Typen leichter von der Suchmaschinen in seine Einzelteile zerlegen (parsen) und nach den relevanten Inhalten hin auswerten.

     (Bild: Google)
    Bild: Google

  3. Soziale Signals optimieren

    Um noch einmal den Google-Mitarbeiter Matt Cutts zu zitieren: "Wirklich aufregend bei Caffeine sind die verbesserten Möglichkeiten, zusätzliche Informationen zu den indexierten Dokumenten zu speichern." Solche sogenannten Signals sind zum Beispiel Informationen wie die Ladezeit einer Seite, wie lange es die übergreifende Domain schon gibt, die Anzahl der Backlinks und so weiter. Johannes Beus von Sistrix glaubt, das Google in Zukunft verstärkt Signals aus sozialen Netzen nutzen wird. Das bestätigt Eric Kubitz von Contentmanufaktur   : "Bisher wird die Relevanz einer Seite stark von den Links dominiert, die darauf zeigen. In Zukunft werden das sicherlich vermehrt "Likes" aus Facebook, Links in Tweets und andere Signale aus dem "Social Graph" sein."

  4. PubSubHubbub nutzen

    Google sieht sich auf dem Weg zur Echtzeitsuchmaschine und betont, dass durch Caffeine die Aktualität der SERPS um 50 Prozent steigt - worauf sich das auch immer beziehen mag. Sein Faible für Aktualität demonstriert Google beispielsweise auch durch die Integration von Suchergebnissen aus Twitter direkt in den allgemeinen Suchergebnissen. Allerdings: Durch Caffeine werden Webseiten aber nicht schneller gecrawled als früher, die Crawling-Ergebnisse werden nur schneller in den Index überführt. Webseitenbetreiber können aber selbst dafür sorgen, dass ihr Content schneller bei Google landet. Eine davon ist zum Beispiel der Einsatz des noch sehr jungen Protokolls PubSubHubbub. Dadurch wird frischer Inhalt auf einer Seite aktiv an Google gemeldet. PubSubHubbub (PuSH) ist von zwei Google-Mitarbeitern entwickelt worden und etwa im Blog-Bereich innerhalb kürzester Zeit zum Quasi-Standard avanciert.

  5. Umfassend agieren

    Besonders wichtig sei, sämtliche Kanäle der Google Universal Search zu bedienen, rät Niko Bardowicks von Online Marketing Solutions: "Da sind zum einen die speziellen Suchdienste von Google wie Newssuche, Videosuche, Blogsuche und zum anderen die verschiedenen Medien, Text, Bild und Video, die alle berücksichtigt werden müssen. Eine stete Aktualisierung der Inhalte ist unabdingbar."

Grundsätzlich sollte alles getan werden, was dazu beiträgt, dass Google möglichst viel strukturierten Inhalt möglichst schnell zu sehen bekommt, betont auch Eric Kubitz: "Voraussetzung ist eine gut programmierte, schnelle Webseite. Außerdem sollte darauf aktueller Inhalt veröffentlicht werden. Und wenn dieser dann etwa über Twitter gestreut wird, hat man die wichtigsten Dinge schon getan."
Thema: Wie Googles Caffeine-Schub die SEO-Landschaft verändert

Kommentar von Peter Koller

Googles Belagerung

In nur etwas mehr als zehn Jahren hat es Google vom Start-up zu einem der weltgrößten Konzerne gebracht. Doch in den Zeiten des Web währt auch solcher Ruhm nicht lange. Google steht vor einer enormen Herausforderung.

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 (Lisa Merk)
Bild: Lisa Merk
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