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Wie ich einmal fast nicht in einer Podiumsdiskussion saß und mich Nadine dann gerettet hat.

10.06.2014 Dies ist eine Geschichte von E-Commerce und keiner Frau. Oder von zwei Frauen, je nachdem, wie man sie betrachtet. Aber der Reihe nach.

Sie hat mich gerettet: Nadine Schmitt von Couchcommerce
Begonnen hat alles mit der Oxid Commons   in Freiburg. Auf seiner jährlich durchgeführten Hausmesse hatte ECommerce-Softwareanbieter Oxid ESales   dieses Jahr in seinem Konferenzprogramm unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema 'E-Commerce 2020' geplant. Und netterweise einen gewissen Zukunftsforscher aus München dazu eingeladen.

Da habe ich doch gerne zugesagt. Ist ja irgendwie auch genau mein Thema, und Freiburg ist ja auch ein hübsches (wenn auch etwas abgelegenes) Städtchen. Außerdem sollte ich ja noch als Juror den Preis für 'Innovative Business Models' für den 'Oxid Best Solution Award - The Golden Cart  ' verleihen.

Das Problem: Interaktv-Frauen sind auf Branchen-Konferenzen kaum präsent
Das Problem: Interaktv-Frauen sind auf Branchen-Konferenzen kaum präsent (Grafik: HighText Verlag)
Als ich dann dann schließlich die Besetzung des Podiums erfahren habe, hatte ich ein Problem. Weder mit Johannes Altmann , dem lustigen Geschäftsführer von Shoplupe  , noch mit Oxid-CEO Roland Fesenmayr . Auch nicht mit Jochen Krisch , dem Organisator   der K5   Exciting Commerce oder Prof. Dr. Gerrit Heinemann vom eWeb Research Center  . Aber damit, dass keine einzige Frau auf dem Podium saß.

Mein Problem ist, dass ich vor einem Jahr zusammen mit Michael Kausch eine Initiative gestartet habe, mehr Frauen auf Branchenpodien und Konferenzen zu bringen. Denn Internet- und Interactive-Konferenzen sind noch immer ein weitgehend frauenfreies Feld: Weniger als 15 Prozent aller ReferentInnen auf deutschsprachigen Konferenzen waren im vergangenen Jahr weiblich. Die Unterzeichner des Aufrufs 'Keine Men-only-Podien in der deutschen Interaktiv-Wirtschaft' (zu denen ich gehöre), erklären, dass sie künftig nicht mehr an öffentlichen Diskussionsrunden der Interaktiv-Wirtschaft teilnehmen werden, für die ausschließlich Männer eingeladen wurden.

Die Selbstverpflichtung sieht vor: Bei Podien mit mehr als drei Männern ohne Frau eine klare Absage. Also muss ich der Kongressorganisatorin, der Oxid-Mitgründerin Andrea Seeger mitteilen: Entweder organisieren sie noch eine Frau für das Podium - oder ich bin nicht dabei.

Das dumme daran: Als ich diese E-Mail verfasse, sind es gerade noch drei Tage bis zum Veranstaltungsbeginn. Über Social Media entzündet sich eine intensive Debatte über meine Aktion. Die Stimmen reichen von Zustimmung bis zu der Frage, ob es sich denn bei der Podiumsdiskussion um Schminktipps drehen würde, dass eine Frau nötig sei. Die Digital Media Women   schalten sich ein - sie verfügen immerhin über eine Sprecherinnen-Datenbank  . Doch die Zeit ist knapp, immer mehr angesprochene Frauen sagen ab.

Aus Freiburg höre ich bis zu meiner Abreise nichts. Und so stehe ich eine Stunde vor Diskussionsbeginn mit dem gedruckten Programm in der Hand und sehe: Nichts. Keine Frau auf dem Podium. Muss ich jetzt aufs Podium klettern und sagen, warum ich gleich wieder runterklettere? Ich hadere mit mir und dem Konzept der Prinzipientreue bis mich Nadine erlöst. Nadine ist Co-Founder von Couchcommerce  , einem Mobile-Start-up im ECommerce-Umfeld - und hat sich in letzter Minute bereit erklärt, auf dem Podium Platz zu nehmen. Uff. Mir fallen mehrere Steine von meinem schwachen Herz.

Danach ist alles gut. Sehr gut sogar. Die Podiumsdiskussion läuft prima mit Frau und Männern und Andrea Seeger erzählt bei ihrer Abschlussmoderation sogar von der ganzen Gender-Aufregung. Und nennt noch eine Zahl: Auf ihren Call for Papers zur Oxid Commons 2014 sei der Anteil der Vorträge einreichenden Frauen gerade mal bei 2,0 Prozent gelegen.

Ich will ja künftig gerne mithelfen, die Frauenquote der Branche nach oben zu drücken (und hoffe, viele Männer machen dabei mit). Aber würden die Frauen bitte auch ihren Hintern hochkriegen? Wäre gut für meinen Blutdruck.

Was lernen wir daraus? Zum Beispiel das:
To-do-Liste zur Gender-Ausgewogenheit von Interaktiv-Branchen-Veranstaltungen
Wer muss was tun?Was muss getan werden?Wann?
MännerDen Aufruf 'Keine Men-only-Podien in der deutschen Interaktiv-Wirtschaft' unterschreiben. Und danach handeln.Gleich
FrauenDen Arsch hochkriegen und sich für Kongresse als Sprecherin anmelden.Gleich
KongressveranstalterFrauenquote von 40 Prozent (soviele Frauen gibts in der Branche) beachtenGleich
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