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Ranking: Wachablösung im ECommerce-Markt der Schweiz
31.05.2021 Statt deutscher und US-amerikanischer Tochterfirmen hat sich im Ranking der TOP-B2C-Onlineshops ein Inländer auf den ersten Platz geschoben. Unsere Detailanalyse zeigt zudem: der schweizerische ECommerce-Markt ist deutlich nationaler und gleichzeitig viel konzentrierter als der Markt in Deutschland. Das zeigt sich vor allem an zwei Besonderheiten.
Stand Zalando.ch im vergangenen Jahr mit 920 Mio. Schweizer Franken noch an der Spitze des schweizerischen E-Commerce, so hat 2021 der Elektronik-Händler Digitec mit einem Umsatz von 1.125 Mio. Schweizer Franken als größter Onlinehändler der Schweiz Zalando.ch abgelöst. Zalando.ch landete mit 1.044 Mio. Franken auf Platz zwei.
In Deutschland als unangefochtener Marktführer fungierend, schafft der Gigant Amazon es in der Schweiz nur auf Platz drei. Auch sonst stammen sieben der zehn größten Onlineshops aus der Alpenrepublik.
Neben Zalando schafft es mit Aliexpress , der ECommerce-Tochter von Alibaba , auf Platz sechs lediglich ein weiterer Ausländer in die Top Ten. Insgesamt finden sich unter den dreißig größten Onlineshops der Schweiz 16 Prozent ausländische Anbieter.
Das ist weniger als im Vorjahr. Das aktuelle B2C-Shopranking zeigt die herrschende Dominanz inländischer Anbieter im Schweizer Onlinehandel, auch wenn die Umsatzrückgänge der großen Onlinehändler primär auf die Blockierung der Lieferwege im Zuge der Pandemie zurückzuführen sind: Der app-basierte Marktplatz für chinesische Billigprodukte Wish rutschte von Rang neun auf Rang zwölf ab und fiel um zwei Plätze nach unten. Im Vorjahr war er noch auf Rang vier gelistet.
Im B2B-Segment rangiert die Pistor Holding Genossenschaft trotzt Umsatzeinbußen auf Platz zwei hinter der Alltron AG , die die Liste mit einem Umsatz von 452,8 Millionen Franken anführt. Hier teilen sich heimische Unternehmen die Top-5 Plätze unter sich.
Deutlicher Verlierer ist aus verständlichen Corona-Gründen das Reisesegment und die dazugehörigen Onlinehändler: Bei Tickets & horizontalen Plattformen brachen die Umsätze bis zu 64 Prozent gegenüber dem Vorjahresranking ein. Swiss.com beispielsweise erwirtschaftete im Vorjahr noch 1.400 Mio. Schweizer Franken, im Jahr 2020 waren es nur noch 500 Mio.
Unter den Top 5 konnte nur Plattformbetreiber Ricardo.ch seinen Umsatz steigern. Der Ranglistenerste SBB.ch musste ein Minus von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. Statt 1,1 Mrd. Franken setzte der Ticketverkäufer der Schweizerischen Bahn nur noch 815 Millionen um.
Dreißig Prozent Plus beim Onlinehandel
Auch in der Schweiz haben die Corona-Lockdowns die Einkaufspräferenzen verschoben, den Distanzhandel begünstigt und gleichzeitig dem stationären Handel aufgrund der Ladenschließungen und der mit ihnen einhergehende Rückgang der Besucherfrequenz zum Nachteil gereicht. So war 2020 ein schwieriges Jahr für den Stationärhandel, wenngleich der Handel insgesamt sehr stark wuchs. Dieses Wachstum ist jedoch komplett auf den Onlinehandel zurückzuführen, der im Corona-Jahr 2020 in der Schweiz insgesamt um fast 30 Prozent deutlich zulegen konnte.Damit liegt das Wachstum etwa in der Region, die auch der deutsche E-Commerce anpeilt (iBusiness: ECommerce-Umsatz wächst dank Corona-Effekt um knapp 30 Prozent). Zwischen Januar und März 2021 verzeichnete die ECommerce-Branche ein Wachstum um plus 28 Prozent mit einem Warenumsatz von 21.090 Millionen Euro. Das Wachstum resultiert aus der Stagnation des E-Commerce im 1. Quartal 2020 im ersten Corona-Lockdown.
| Top 10 der umsatzstärksten Schweizer B2C Onlineshops 2021 | ||
|---|---|---|
| Rang | Onlineshop | ECommerce-Umsatz 2020 (Mio. CHF) |
| 1 | Digitech.ch(*) | 1.125 |
| 2 | Zalando.ch(*) | 1.044 |
| 3 | Amazon.de (inkl. Marktplatzanteil) | 725 |
| 4 | Galaxus.ch(*) | 561 |
| 5 | Brack.ch(*) | 460 |
| 6 | Aliexpress.com (*) | 450 |
| 7 | Nespresso.com | 400 |
| 8 | Microspot.ch | 334 |
| 9 | Migros.ch | 266 |
| 10 | Coop.ch | 231,8 |
Schweizerischer Onlinehandel: Mehr Konzentration als in Deutschland
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der ECommerce-Markt Schweiz deutlich konzentrierter ist als derjenige in Deutschland. So erwirtschafteten die Top-30 Schweizer B2C-Onlinehändler mit insgesamt 8,3 Mrd. Schweizer Franken zusammen 61 Prozent des gesamt 2020 in der Schweiz erzielten Onlinehandelsumsatzes von 13.1 Mrd., während die umsatzstärksten 100 deutschen Händler mit 37,7 Milliarden Euro nur etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) aller Onlineumsätze in Deutschland auf sich vereinen (Die Gewinner und Verlierer im deutschen E-Commerce).Allein die Top 5 steuern mit 30 Prozent fast ein Drittel des Online-Gesamtumsatzes der Schweiz bei. In Deutschland kommen die Top 10 zusammen auf 28,7 Prozent des Marktes, davon stammt allerdings die Hälfte alleine von Amazon .
Der deutsche und der schweizerische ECommerce-Markt unterscheiden sich auch in anderen Punkten erheblich. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn man die Versandkonditionen der Top-30-Onlineshops mit den von iBusiness im März ermittelten Versandkonditionen der Top-100-Händler in Deutschland vergleicht.
Deutlichster Unterschied: Jeder vierte schweizerische Top-Onlineshop liefert immer gratis - in Deutschland ist es nur jeder achte (13 Prozent). Ähnlich ist es bei dem Anteil derjenigen, die prinzipiell gegen Versandgebühren liefern: Während in der Schweiz nur jeder vierte Onlineshop grundsätzlich Versandkosten aufschlägt, sind es in Deutschland zwei Fünftel (43 Prozent).
Versandkostenpauschalen erheben vor allem Händler in Segmenten, in denen dieses Vorgehen von den Kunden gelernt ist oder der Wettbewerb sich nicht schwerpunktmäßig über den Preis abspielt - so unsere Untersuchung für den deutschen Markt. Der ECommerce-Experte Thomas Lang , Geschäftsführer und Inhaber der ECommerce-Beratung Carpathia, sieht diesen Unterschied vor allem darin, "dass die Schweizer Händler besser kalkulieren und die Versandkosten in der Preisgestaltung schon berücksichtigen. Oder anders gesagt, die Margen erlauben einen Gratisversand."
