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Die Landkarte der Interaktiv-Netzwerkagenturen in Deutschland
07.03.2016 Gibt es in Deutschland überhaupt noch unabhängige inhabergeführte Interaktivagenturen? Wie sieht Deutschlands Digitalagentur-Landschaft wirklich aus? Erstmals hat iBusiness ermittelt, wer wozu gehört, wie stark die Netzwerke wirklich wachsen und wie die Zukunft der deutschsprachigen Agenturlandschaft aussehen wird.
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- Zum einen schließen sich immer mehr Agenturen zu Netzwerken oder Verbunden zusammen, um durch das Bündeln unterschiedlicher Kompetenzen Full Service anbieten zu können.
- Zum anderen kaufen größere Agenturen, die sich Full-Service-Dienstleistungen auf die Fahne schreiben wollen, kleine Spezialagenturen dazu, um das eigene Portfolio zu erweitern - um sowohl Generalist als auch Spezialist in einem zu werden.
Netzwerkcharakter der Top-50-Interaktivagenturen 2016
Die 50 größten Interaktivagenturen haben wir bezüglich ihres Netzwerkcharakters in fünf Kategorien eingeteilt:- Inhabergeführt/unabhängig: Die Agenturen sind inhabergeführt oder operieren zumindest eigenständig und gehören zum Beispiel nicht zu einer Agenturgruppe oder führen selbst eine Gruppe an. Eigenständige Agenturen, die aber zum Beispiel nur ein oder zwei Töchter haben, zählen wir ebenfalls in diese Gruppe.
- Kopf eines Agenturnetzwerks: Diese Agenturen haben ein Digitalagenturnetzwerk unter sich gebildet, sei es durch Zukäufe oder durch Ausgründungen.
- Tochter in einem Agenturnetzwerk: Diese Agenturen haben sich einem größeren Netzwerk aus Internet- oder anderen Kommunikationsagenturen angeschlossen. Als Teil dieser Agenturgruppe agieren sie meist auf einer Ebene mit Schwesteragenturen.
- Teil eines branchenfernen Netzwerks: Einige Agenturen haben sich branchenfernen Unternehmen angeschlossen, wie IT-Häusern, Beratungsgesellschaften oder Unternehmen ganz anderer Art.
- Aus gleichberechtigter Agenturzusammenführung entstanden: Diese Agenturen sind durch die gleichberechtigte Fusion mehrerer Spezialagenturen entstanden (oder sind dabei, zu entstehen). Dadurch wurde ein ganz neues Unternehmen gegründet, die bisherigen Marken gehen verloren. Meist steht ein Investor hinter einer solchen Zusammenführung.
Die inhabergeführten bzw. unabhängigen Agenturen machen unter den großen Agenturen den Löwenanteil aus. Fast jede zweite gehört zu ihnen. Allerdings wird deutlich, dass dieses Modell unter den Top 10 gar nicht vorkommt. Dieser Umstand ist ein Indiz für die Konzentration im Agenturmarkt. Ganz groß wird man kaum noch als eigenständige Agentur, sondern nur noch durch Zusammenschlüsse, Akquisen oder im Agenturverbund. Wer also in Zukunft wachsen und zu den ganz Großen gehören will, der wird das kaum noch durch organisches Wachstum schaffen. Dafür benötigt man entweder einen starken Partner im Rücken, der einem zum Beispiel Aufträge zuschiebt. Oder man muss sich mit anderen zusammenschließen. Das bringt unter anderem folgende Vorteile mit sich:
- Man stellt seine Kompetenzen tiefer und breiter auf.
- Man kommt eher an die ganz großen und internationalen Digitalprojekte.
- Man spart sich einen Teil der Akquise, weil ein großer Teil der Aufträge vom Konzern oder den Partnern kommt.
- Man ist finanziell besser gegen wirtschaftliche Schwankungen abgesichert.
- Man profitiert von der Markenbekanntheit des Netzwerks.
Nur wenige Internetagenturen haben unter sich ein ganzes Agenturnetzwerk versammelt. Diese Netzwerkköpfe sind fast ausschließlich in den oberen Rängen angesiedelt. Es ist davon auszugehen, dass sich auch weiter unten im Ranking kaum mehr solche Agenturanführer befinden.
Immerhin ein Drittel der Digitalagenturen ist als Tochterunternehmen Teil eines größeren Unternehmens. Interessanterweise ist fast jedes zweite unter ihnen nicht Teil einer Agenturgruppe, sei es nun eine Werbeagentur- oder eine Interaktiv-Agenturgruppe. Stattdessen ist die zweite Hälfte unter ihnen Teil von großen IT-Häusern, Verlagen oder Beratungen.
An Agenturen, die aus der Zusammenführung kleinerer Spezialagenturen entstanden sind, gibt es in den Top 50 immerhin drei. Und sie alle sind erst vor relativ kurzer Zeit entstanden. Die UDG wurde 2011 gegründet, C3 entstand 2014 und Diva-e steckt zurzeit noch in der Gründungsphase. Deshalb sind die daran beteiligten Agenturen noch einzeln im Ranking aufgeführt. Nach der Zusammenführung dürfte sich Diva-e in etwa auf dem zehnten Platz im Ranking wiederfinden. Es ist wahrscheinlich, dass wir in Zukunft noch weitere Fusionen von Spezialagenturen nach diesem Modell beobachten werden (Mehr zur Konsolidierung in der Internetagentur-Branche lesen Sie in der Analyse Überleben in der Agenturbranche: Die richtige Strategie in Zeiten der Konsolidierung).
Die Anzahl der Netzwerke steigt
In Folge dieser Konsolidierung werden Agenturnetzwerke in Zukunft einen immer größeren Anteil der Top 50 ausmachen. Sie haben die inhabergeführten, unabhängigen Agenturen schon vollständig aus den Top 10 verdrängt. Als nächstes werden sie sie aus den Top 20 verbannen, und Diva-e macht den Anfang.Je weiter die unabhängigen Agenturen nach hinten rutschen, desto schwerer werden sie es am Markt haben. Denn die nationalen und internationalen Digitalgroßprojekte werden für die immer größer werdende Masse der Riesenagenturen nicht mehr reichen. Auch die mittleren Projekte werden zunehmend an sie fallen, wenn sich der Maßstab verschiebt. Um sich in Zukunft von der großen Konkurrenz abzuheben, werden sich die mittleren, eigenständigen Agenturen neue Strategien überlegen oder Nischen suchen müssen.
Vier Szenarien zur Zukunft der Interaktivagentur-Landschaft
Full Service und Spezialisierung
Immer mehr kleinere Agenturen werden sich spezialisieren. Da aber Kunden alles aus einer Hand wollen, werden sich spezialisierte Agenturen zu Netzwerken oder Verbunden zusammenschließen, um Full Service anbieten zu können. Auch die Großen werden sich durch Kooperationen oder Akquisen immer mehr Spezialkompetenz ins Haus holen.
Siegeszug der Wilderer
Unternehmensberatungen und IT-Systemhäuser werden am Interaktivmarkt immer bedeutender. Sie sacken einen immer größeren Teil des Budgets ein, der aber im Internetagentur-Ranking nicht erfasst wird, weil er per Definition aus der Wertung fällt. Die Interaktiv-Units dieser Unternehmen werden immer größer - zulasten aller Interaktivagenturen, vor allem aber der kleineren.
Marketingagentur-Netzwerke
Immer mehr Internetagenturen schlüpfen unter das Dach der klassischen großen Agenturnetzwerke. Die werden sie sich zukaufen, wie die Internetagenturen heute kleine Spezialagenturen übernehmen - um die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Die Netzwerke werden in Zukunft sämtliche Dienstleistungen rund um Marketing, Werbung und digitale Transformation aus einer Hand anbieten. Ein Unternehmenskunde braucht also nur noch eine Agentur für alle Leistungen.
Agenturgruppen zerbrechen
Große Agenturen sind anfangs noch ein Erfolgsmodell. Doch sie sitzen auf zu hohem Ross und werden träge. Das Modell Großunternehmen funktioniert im Agenturgeschäft immer schlechter. Auch weil sich die Kunden mehr Persönlichkeit in der Kommunikation wünschen. Daher brechen große Agenturnetzwerke wieder auseinander. Der Unternehmenskunde muss sich seine Dienstleistungen künftig wieder bei mehreren Agenturen zusammensammeln.
