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Umsatz, Leute und Visionen: Zahlen aus dem deutschen Agenturmarkt
26.04.2016 Die deutsche Interaktivwirtschaft ist positiv gestimmt. Das zeigt die detaillierte Auswertung des Internetagentur-Rankings 2016 (IAR). Dennoch läuft nicht alles rund. Womit die Agenturen ihr Geld verdienen, wie sie sich selbst sehen und was sie von der Zukunft erwarten.
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Das Agenturen-Wachstum ist beeindruckend: Mit 17,6 Prozent legt der Umsatz deutlich schneller zu wie beispielsweise die Umsätze im Onlinehandel oder im Display-Werbemarkt. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) bezifferte das prozentuale Wachstum, das im Onlinegeschäft 2015 mit Waren erzielt wurde, auf zwölf Prozent. Der Online-Vermarkterkreis (OVK) berechnete das Werbe-Wachstum im Display-Markt auf 6,3 Prozent. Hier wächst der Agentur-Markt im Vergleich gleich mehr als doppelt so schnell.
Woher die Agentur-Umsätze kommen
Zielplattform mit der größten Bedeutung für das Agentur-Auftragsgeschäft ist das Internet. Gut zwei Drittel des gesamten Umsatzes der Interaktiven werden online eingefahren. Mit einem deutlichen Abstand folgt hinter dem Internet die Bedeutung der Mobil-Plattform, aus der immerhin 23 Prozent der Agenturumsätze stammen. Im Vergleich zu 2013 ist das eine Zunahme um weitere sechs Prozent.
Nicht zu unterschätzen für die Internetwirtschaft ist das Intranet. Mit einem Umsatzanteil von neun Prozent sind die internen Kommunikationssysteme die seit Jahren drittwichtigste Zielplattform. Hier treibt die Nachfrage nach Social Intranets den Markt. Seien es Themen wie die Installation von Social CRM und Social-Media-Analysetools, oder sei es die Ausweitung der Social-Media-Aktivitäten von Unternehmensabteilungen.
Thema digitale Transformation ist Branchen beherrschend
Bei der Abfrage verschiedener Thesen zum Markt der digitalen Wirtschaft findet die höchste Zustimmung die These "Digitale Transformation ist Kernthema der Agenturen für die nächsten Jahre." Die Befürwortung dieser These deckt sich mit den aktuellen Erhebungen zum interaktiven Wirtschaftsklima. Als Treiber der guten Entwicklung für die gesamte Interaktivbranche konnte die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft identifiziert werden. Was für den Verbraucher längst Alltag ist, beginnt sich nun in immer mehr Unternehmen durchzusetzen. Vernetzung, Crosschannel, digitale Kommunikation: Das heißt, Unternehmen müssen ihre (stark wachsenden) Onlinegeschäftsfelder mit ihren klassischen Geschäftsfeldern vermählen, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Und so beginnen immer mehr deutsche Firmen in ihre digitale Transformation zu investieren. Schon jetzt wird das Beratungs-Business rund um digitale Geschäftsprozesse von den Agenturen extrem vielversprechend eingeschätzt. Vor allem die großen und mittelgroßen Agenturen haben bereits in diesem Feld ihre Kompetenzen gestärkt und begonnen, Kunden und Aufträge an Land ziehen.
Das Digitale gewinnt aber nicht nur im Marketingmix weiter an Bedeutung, sondern wird darüber hinaus eben in nahezu allen Geschäftsprozessen der gesamten Wirtschaft zu einem essenziellen Thema. Die Folge für die Dienstleisterlandschaft: Digitale Geschäftsprozesse und internetgetriebene Transformation werden in den kommenden Jahren zum wichtigsten Geschäftsfeld für Interaktivagenturen. Sie werden das operative Webgeschäft als Hauptumsatzlieferant ablösen. Dass Deutschland in den kommenden vier Jahren digitales Wachstumsland Nummer eins in Europa wird", erwarten jedoch die Digitalagenturen weniger. Wenig verwunderlich ist unter diesem Aspekt, dass die Thesen "Notwendigkeit des Breitbandausbaus ist mehr als gegeben" sowie "Digitale Wertschöpfung und Vernetzung schaffen Wachstum ..." eine sehr hohe Zustimmung erfahren.
Eindeutig höheren Zuspruch als im Vorjahr findet aktuell wieder die These: "Die Pitchkultur hat sich verändert: immer mehr unbezahlte Pitches stehen steigenden Personalkosten gegenüber". Die Einschätzung belegt die jüngst veröffentlichte iBusiness-Umfrage, in der nach den größten Problemen im Agentur-Geschäft gefragt wurde. Dort zeigt sich, dass es sowohl auf Kundenseite wie auch auf Agenturseite lange nicht mehr so rund läuft wie früher. Onlinemarketing- und Internet-Verantwortliche beklagen sich zunehmend darüber, dass immer weniger spannende Agenturen an den von ihnen ausgeschriebenen Pitches teilnehmen. Umgekehrt beobachten immer mehr Agenturgeschäftsführer, dass trotz steigender Umsatzzahlen Pro-Kopf-Umsatz und Gewinn stagnieren.
Wo die Branche wachsen und investieren will
Geht es nach den Prognosen der meisten Agenturen, wird es in dem kommenden Monaten mit dem Branchen-Umsatz weiter Richtung Wachstum gehen: So zeigen sich die Dienstleister bei der Einschätzung zur Entwicklung ihres Umsatzes im angebrochenen Geschäftsjahr 2016 sehr optimistisch. Knapp drei Viertel (72 Prozent) der befragten Agenturen sind davon überzeugt, dass ihr Jahresumsatz im Vergleich zum Vorjahr steigen wird. Nur zwei Prozent rechnen mit einer Abnahme des eigenen Agenturumsatzes, während 14 Prozent mit einem vergleichbaren Umsatz wie im vorangegangenen Jahr kalkulieren. Die positive Umsatzeinschätzung ist ein Indiz, dass die Auftragsbücher der Agenturen voll sind und der Rubel rollt. Mit 88 Prozent machen Aufträge aus der Wirtschaft den Mammutanteil an den Honorarumsätzen der Agenturen aus. Weitere acht Prozent der Aufträge stammen von öffentlichen Auftraggebern. Kaum relevant sind Auftraggeber von verbundenen Unternehmen. Sie machen ein Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Zum generellen Mitarbeitermangek kommt nach wie vor ein spezieller Frauenmangel. Knapp ein Drittel (28 Prozent) aller Beschäftigten der deutschen Interaktivdienstleister ist in dem Tätigkeitsbereich Technische Umsetzung/Backend beschäftigt. Weitere tragende Tätigkeitsbereiche für die gesamte Branche sind die Bereiche Beratung/Produktmanagement, in denen 25 Prozent aller Mitarbeiter ihren Wirkungskreis haben. Weitere 13 Prozent der Interaktiv-Mitarbeiter sind im Bereich kreative Umsetzung eingebunden. Neun Prozent der Interaktiven verantworten den Bereich Grafik/Design und jeweils acht Prozent sind mit inhaltlichen Umsetzungen, und Administration/Verwaltung und Usability beziehungsweise Qualitätsmanagement beschäftigt.
Ausgewertet wurde zum dritten Mal in Folge auch der Anteil von Frauen, die in der digitalen Wirtschaft beschäftigt sind. Insgesamt liegt die Frauenquote bei den Full-Service-Internetagenturen nach wie vor bei knapp 40 Prozent. Deutlich unausgewogener zeigt sich die Detailauswertung nach Tätigkeitsbereichen. In den technischen Anwendungsfeldern findet sich kaum eine Frau, während im Bereich 'Administration/Verwaltung' (Backoffice, Buchhaltung,...) die Frauen die Mehrheit stellen. In die Nähe der Gleichberechtigung kommt der weibliche Teil der Interaktivbranche dann ausschließlich noch im Content-Bereich und Design.

