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Insiderberichte 13 Tage DSGVO - Das haben wir gelernt

07.06.2018 Seit knapp zwei Wochen wird die DSGVO angewandt. Nun berichten betroffene Experten bei iBusiness, was bis dato geschehen ist: Von Weltuntergang bis Auftragsturbo - das sind die Folgen für die Branche.

Nach der DSGVO: Wie schlimm war es bislang wirklich? (Bild: pixabay)
Bild: Pixabay
Nach der DSGVO: Wie schlimm war es bislang wirklich?

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Die von der DSGVO verursachte Arbeit hat für Viele positive Nebeneffekte
Lauscht man in ein von vielen Interaktiven und Marketern bevölkertes Medium hinein wie etwa Twitter  , so bekommt man den Eindruck, die DSGVO habe nur einen einzigen Zweck: Die Menschen, die mit dem Internet Geld verdienen, zu ärgern. Kaum eine Rolle spielt die Tatsache, dass viele Geschäftsmodelle, die die Verordnung angeht, eigentlich nur als offener Affront gegen die Nutzerschaft zu verstehen sind: Webseiten tracken Nutzer, selbst wenn die Browsereinstellungen explizit ein 'Do not track'-Signal senden, Newsletter werden ohne Einverständnis in die Mailboxen von Menschen gekippt, die sie nie bestellt haben und die Adblockerrate steigt in schwindelerregende Höhen. Entgegen der unausgesetzten Versuche von Interessenverbänden wie dem OVK   die Zahlen kleinzurechnen, blockt heute jeder zweite Nutzer Onlinewerbung ,wie iBusiness ermittelt hat.

Die DSGVO ist nichts als ein sperriger und für die Betroffenen tatsächlich oft ärgerlich schwammiger Versuch, eine Wahrheit in Gesetz zu gießen, die die Interaktivbranche seit Jahren nicht hören will: Menschen hassen Onlinewerbung. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf lässt sich aus der DSGVO jedoch auch Gutes herausholen. Das kann zum Beispiel ein verstärkter Fokus auf eines der wertvollsten Assets sein, das Shops besitzen: Die Bestandskunden - sie anlässlich der DSGVO als wertvolles Gut wiederzuentdecken hat iBusiness bereits in der Analyse Leben nach der DSGVO: Wieso Marken jetzt auf Lead-Marketing setzen müssen gefordert.

Genau das haben aber einige Betroffene getan: iBusiness fragte auf Facebook   nach, wie die DSGVO die Menschen in den ersten Tagen ihrer Durchsetzung betroffen hat - und das Ergebnis waren überraschend zahlreiche positive Erfahrungen. Erwartungsgemäß ist oft auch das absolute Gegenteil der Fall, ebenso gibt es Mischungen aus Freud und Leid.

Die DSGVO als reiner Horror

Möchte Alexander Wild von Feierabend Online Dienste für Senioren AG   einfach nur augenzwinkernd das "Thema wechseln", schreibt Alexander Markert von der Managementberatung MMC   auf Facebook von seiner Flucht: "Bin zur Sicherheit zwei Wochen in den Urlaub gefahren, bis sich der Wahnsinn hoffentlich etwas lichtet."

Die Fotografin Heike Rost   gibt auf die Blitzumfrage von iBusiness die "Blitzantwort: **kotz** - wenn's "nur" bürokratischer Mehraufwand wäre, würde es schon völlig reichen. Aus Unsicherheit sagen Kunden Aufträge ab."

Kommunikationsberaterin Ulli Meinhardt gesteht "hysterisiert meine Website vom Netz genommen" zu haben. Und Fotograf Timo Bierbaum    ärgert sich über "drei Tage Arbeit zur Umstellung aller Webseiten ... und (den Verlust des )wichtigsten Kunden (...), weil dieser sich das Geschiss mit der DSGVO nicht antun möchte." Für Thomas Noll Content-Marketer und Journalist alias Der Internet-Redakteur    ist die Datenschutzgrundverordnung "die schlimmste Erfahrung 🤮 in meiner 10-jährigen Geschichte."

Und Rafael Schimanski ,Berater Digitalvermarktung & Medienproduktion bei LDPcom.de   hat seinen "kompletten E-Commerce-Bereich vom Netz genommen, weil ich (nicht) die Manpower habe, alle Kunden anzuschreiben, zu informieren, und neben dem Shop-Management noch auch ein Heiliges Datenschutz-Management zu bewältigen..."

Knapp 60 Prozent der von uns in einer Online-Umfrage Befragten lehnen die Datenschutzgrundverordnung ab, lediglich etwas mehr als vier von zehn Befragten halten das EU-weite Datenschutzgesetz für 'aufwändig, aber positiv'. (Bild: HighText Verlag)
Bild: HighText Verlag
Knapp 60 Prozent der von uns in einer Online-Umfrage Befragten lehnen die Datenschutzgrundverordnung ab, lediglich etwas mehr als vier von zehn Befragten halten das EU-weite Datenschutzgesetz für 'aufwändig, aber positiv'.


"Ehemalige Website-Kunden haben ihre Websites vom Netz genommen - vor allem kleine wie ein Naturkostladen, dessen Website noch in statischem HTML gemacht war und das Einfügen der DSGVO-relevanten Teile dadurch umständlich und teurer geworden wäre", berichtet auch der Chefredakteur des IT-Finanzmagazin.de  , Joachim Jürschick: "b.) Ein befreundeter Webhoster berichtete mir von vier Abmahnungen am ersten DSGVO-Tag. Ich habe sicher um die 200 Mails bekommen, bei denen ich zustimmen sollte, dass ich noch im Verteiler bleiben will oder die irgendwelche Erklärungen abgegeben haben."

Vor allem: Arbeit

Timo von Focht, Manager DACH beim Lösungsanbieter für Tag-, Data- und Content-Management, Commanders Act  , hatte "die letzten drei Monate viel zu tun. Was alle Kunden dabei nervt ist die Ungewissheit (...), ob nun noch das TMG Anwendung findet oder nicht." Oft höre er, dass "man lieber auf vier Prozent vom Jahresumsatz verzichtet als auf x Prozent seiner Nutzerdaten.... Mal sehen wie lange noch, die ersten Abmahnungen sind bei den größeren Unternehmen offenbar schon eingegangen."

Nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber machbar

Eduard Wensler, Projektleitung & Online-Marketing bei der Cybay New Media GmbH    hat eine Copy-and-Paste-würdige So-geht's-Liste zusammengestellt, wie man mit der DSGVO umgehen kann:
"1.) Interne Gruppe gebildet(...) 2.) Rechtsanwalt (...) eingeschaltet, um unsere Datenschutzthemen zu bearbeiten 3.) Eigene Datenschutzerklärungen aufgesetzt und proaktiv auf unsere Kunden zugegangen 4.) Mit allen unseren Dienstleistern die aktualisierte ADV erneut gezeichnet 5.) Alle unsere Tools und erhobenen Daten in einer Liste aufgeführt, sodass wir auf Nachfrage diese vorweisen können. 6.) Prozess wird jetzt etabliert, wenn Kunden oder Endverbraucher ihre Daten in Erfahrung bringen möchten. 7.) Weitere To-dos ermittelt, welche demnächst angegangen werden."

Oder man macht es wie Nicola Straub , Managementberatung und IT von Physalia.de    - einfach und effektiv: "Ich habe schlicht jegliche Erfassung von personenbezogenen Daten abgeschaltet. Vorteil einer Uralt-Handprogrammierung... was ich dabei aber spannend fand: Das zeigte mir, dass es problemlos geht. Gerade am Beispiel meiner ewigalten hartcodierten Website konnte ich sehen, wie einfach es ist, GAR keine personenbezogenen Daten zu erheben. Und eine zusätzliche Seite in eine hartcodierte HTML-Site einzufügen ist auch echt kein Hexenwerk.

Die DSGVO, produktiv genutzt


Und dann gibt es die erstaunlich vielen Beiträge von Menschen, die die DSGVO - trotz Arbeit, trotz Mühen - positiv genutzt haben: Wolfgang Gumpelmaier-Mach etwa nutzte die Gelgenheit, "um unsere App swync   zu promoten. Gleichzeitig (haben wir) bemerkt: viel Unwissen und Unsicherheit (sind) vorhanden."

Media-Berater Ralf Scharnhorst von Scharnhorst Media   hat kurz vor dem Stichtag den eigenen Newsletter gestartet und erntete mit der ironischen Formel 'jetzt habt Ihr doch Platz' "mehr Abos als erwartet". Als Tritt in den Hintern nahm Fotograf Raimund Verspohl   die DSGVO: "Hab' endlich den Relaunch mit neuem Theme geschafft! Gepriesen seist Du Dsgvo!" Und während sie Mark Steier von Wortfilter   "viele Klicks gebracht (hat)", hielt Ragnar Heil von Metalogix   "23 Vorträge bisher"  .

Susanne Westphal von der Unternehmensberatung Institut für Arbeitslust   hatte zwar eine horrende Arbeit damit, den Newsletterverteiler zu putzen, erhielt aber "mehrere hundert (!!) ausführliche Antworten mit Lobeshymnen auf den Arbeitslust-Letter. Einige habe ich verloren, weil sie sich (noch) nicht zurückgemeldet haben, das ist schade. Aber: Ich habe auch unzählige Neuabonnenten gewonnen, weiß der Kuckuck, wo die plötzlich alle herkommen. Nun sind alle Daten aktuell und ich bin gut gelaunt."
Meinungsmatrix: Die Mehrheit der Menschen, die beruflich mit der DSGVO zu tun haben, können ihr sogar etwas abgewinnen: Viel Aufwand trifft sich hier oft mit Benefits für das Geschäft.
Meinungsmatrix: Die Mehrheit der Menschen, die beruflich mit der DSGVO zu tun haben, können ihr sogar etwas abgewinnen: Viel Aufwand trifft sich hier oft mit Benefits für das Geschäft. (Grafik: HighText Verlag)

Martin Schirmbacher von der Rechtsanwaltskanzlei Härting   muss ans Büro anbauen: "Von gut 15 auf knapp 25 Kolleginnen und Kollegen in 12 Monaten und mit allen nur gute Erfahrungen :-) Die DSGVO ist vor allem eines: Ein Konjunkturprogramm für Datenschutzberater und Anwälte." Johannes F. Woll von der Social Event GmbH   ist zwar weder das eine noch das andere, resümiert aber dennoch positiv: "Viel Arbeit. Stehen aber nun gut da. Mit starkem Differenzierungsmerkmal gegenüber (dem) Mitbewerb."

Und der Experte für Digitales Marketing Sebastian Eisenbürger   findet die DSGVO: " spannend. Viele Kunden hatten einen Grund ihr E-Mail-Marketing neu zu überdenken. Und wir haben ein neues Feld entdeckt: Conversion-Optimierung für Cookie-Optin-Formulare."

Und manchmal hilft nur Humor

Journalist Wolf-Dieter Roth    darf "aus Datenschutzgründen leider nicht(...) sagen", was er für Erfahrungen gemacht hat, während Publizist Andreas Andy Artmann seine Antwort immerhin etwas wortreicher in "einem Laut? Argh" verfasst. Michael Kausch, CEO PR-Agentur Vibrio   sieht sich beim Wettrennen "um den längsten Datenschutzhinweis (...) gut im Feld."

Abenteuer in der Offline-Welt

Nicht humoristisch gemeint, aber mit realem Unterhaltungswert sind einige Episoden, die Nutzer in diesem Real Life erlebt haben: So musste René Hentschel beim "Friseur im Laden unterschreiben" und Jens Junge, Professor für Betriebswirtschaftslehre   musste "beim Optiker erst zwei Seiten mit 'Bleiwüste' über mich ergehen lassen, weil die ja meine personenbezogenen Daten (Gläserstärken...) erfassen und speichern wollen..." Auch unter Wasser entkommt man indes der DSGVO nicht, wie der Geschäftsführer der straight. GmbH    Frank S. Miller im Kroatien-Urlaub feststellte: "Checkin in Tauchbasis: DSGVO-Formular unterschreiben."

Insgesamt jedoch kippt die Summe der Kommentare rund um die DSGVO in eine eher konstruktive Richtung: Entweder hat man sie gemeistert - oder ihr obendrein sogar noch etwas abgewinnen können.
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