Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Wie Agenturen sinnvolle KI-Anwendungen erkennen und einbauen
31.10.2025 Blase links, keine messbaren Ergebnisse rechts: In Sachen KI dominiert aktuell Ernüchterung. Schuld ist aber vor allem die falsche Anwendung. Wie Agenturen das Tool sinnvoll nutzen.
KI als Gamechanger in Marketing und Vertrieb
Seit dem Start von ChatGPT im November 2022 hat sich die Dynamik rasant beschleunigt. Kein anderes digitales Produkt erreichte so schnell die Marke von 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzern - nur zwei Monate nach Veröffentlichung. Die Entwicklung von KI-Anwendungen wie Midjourney , DALL·E oder Claude zeigt, wie schnell neue Versionen auf den Markt kommen und bestehende Tools übertreffen.Die Folge: KI wird zur selbstverständlichen Komponente des Marketing-Alltags. Text-, Bild-, Video- und Audio-Tools übernehmen viele Aufgaben, die früher zeitaufwendig und manuell erledigt werden mussten. Markenkommunikation wird automatisiert, Inhalte entstehen in Echtzeit - und Marketing wird zu einem datengetriebenen, permanent lernenden System.
Anspruchsvollere Kundinnen und Kunden, höhere Komplexität
Mit der steigenden Leistungsfähigkeit von KI wachsen auch die Erwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten. Sie sind es gewohnt, genau das zu bekommen, was sie wollen - sofort und zu einem Preis, den sie akzeptieren. Unternehmen müssen diese Dynamik bewältigen, indem sie die Customer Journey über alle Touchpoints hinweg verstehen und orchestrieren.Das bedeutet: Marketingverantwortliche müssen nicht weniger, sondern mehr Komplexität managen. Es geht darum, Datenflüsse, Kanäle und Inhalte in Echtzeit zu steuern. KI-gestützte Tools liefern Analysen, Empfehlungen und Content - doch die Verantwortung, diese Ergebnisse zu bewerten, bleibt beim Menschen.
Vom "Machen" zum "Managen"
KI übernimmt zunehmend operative Tätigkeiten: Sie analysiert Daten, schlägt Strategien vor, generiert Inhalte und setzt Kampagnen automatisiert um. Der Mensch hingegen entwickelt die übergeordnete Strategie, wählt geeignete Werkzeuge aus, kontrolliert Ergebnisse und sorgt für ethische und markenkonforme Entscheidungen.Dieser Wandel verlangt neue digitale Kompetenzen. Aus den intuitiv agierenden "Mad Men" früherer Zeiten werden analytische "Math Men", die Entscheidungen auf Basis von Fakten treffen. Realtime-Analysen, dynamische Segmentierung und datengetriebene Strategien ersetzen Bauchgefühl und Langzeitrecherche.
Neue Aufgaben, neue Rollen, neue Berufe
KI verändert nicht nur Werkzeuge, sondern auch Berufsbilder. Die Vorstellung, dass künstliche Intelligenz menschliche Arbeit verdrängt, greift zu kurz. Tatsächlich fallen nur wenige Jobs vollständig weg - in den meisten Fällen verändern sich Tätigkeiten oder entstehen neue Aufgabenfelder.
Berufe mit hohem Analyse- oder Kommunikationsanteil - etwa in Marketing, Journalismus, Finanzanalyse oder Datenwissenschaft - werden stärker von KI unterstützt, nicht ersetzt. Stattdessen braucht es Fachkräfte, die die Technologie sinnvoll einsetzen und ihre Ergebnisse kritisch prüfen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an kreativen und strategischen Kompetenzen, etwa für die Entwicklung von KI-gestützten Markenstrategien oder für die Steuerung automatisierter Kampagnen.
Der Arbeitsmarkt reagiert bereits: Neue Rollen wie KI-Redakteur, KI-Projektmanager, AI Strategy Lead oder Innovation Coach tauchen in Stellenausschreibungen auf. Der "War for Talents" verschiebt sich - gesucht werden nicht mehr nur kreative Köpfe, sondern analytische Denker mit technologischem Verständnis und ethischem Bewusstsein.
Hürden auf dem Weg zur KI-Reife
Trotz des großen Potenzials stehen viele Unternehmen noch am Anfang. Studien zeigen, dass der Einsatz von KI im Marketing durch mehrere Faktoren gebremst wird:- Dominanz einzelner Tools: Fast jede zweite Fachkraft nutzt hauptsächlich ChatGPT - Alternativen wie Perplexity oder Copilot spielen bislang eine Nebenrolle.
- Mangelnde Schulung: Nur rund 21 Prozent der Marketingteams sind ausreichend zu KI geschult.
- Unklare Richtlinien: Lediglich 26 Prozent der Unternehmen verfügen über verbindliche KI-Guidelines.
- Zweifel an der Wirksamkeit: 58 Prozent der Befragten berichten, dass sie mit KI keine konsistenten Ergebnisse erzielen.
Der nächste Schritt: Agentische KI-Systeme
Eine neue Entwicklungsstufe steht bereits bevor - die Ära der agentischen KI. Diese Systeme handeln nicht mehr nur auf Anweisung, sondern verfolgen eigenständig Ziele und treffen Entscheidungen. Anders als generative KI, die auf Prompts reagiert und Texte, Bilder oder Code produziert, agiert agentische KI proaktiv: Sie plant, lernt und führt Aufgaben selbstständig aus.Szenarien für die Zukunft der Agentur im Agenten-Zeitalter
Menschelnde Berater
Die Wertschöpfungskette für Agenturen wird kürzer. Sie bedienen KundInnen, die High-End-Kreationen statt KI-Konfektionsware wollen, steuern technische Expertise bei und sind psychologische Coaches und verständnisvolle lauschende Projektbetreuer. Den Rest macht zunehmend KI.
Autonome Marken
Agenturen werden zunehmend von konzerneigenen Agentenlösungen ersetzt, die deren Tonalität und Bildsprache sprechen und ständig lernen. Diese Agenten werden von einem handverlesenen Inhouse-Agenturteam gesteuert, die auf der KI-Klaviatur Kampagnen komponieren.
Der rettende Collapse
Der Model Collapse rettet die Agenturen: Den Modellen gehen die Daten aus, AGIs bleiben ein hohles Versprechen und auch GenAIs werden wieder schlechter, es gibt die Renaissance der mitarbeiterstarken Agentur.
Agentur-KI-ller
Agenten werden vollfunktionsfähige Kampagnen-Automaten, die von der Kreation bis zur optimierten, personalisierten Ausspielung alles übernehmen. Die Agentur gibt es nur noch als Luxusdienstleister für Kundinnen und Kunden mit Highend-Wünschen.
Auch in der Wirtschaft entstehen erste Business-Cases: Zahlungsdienstleister wie Visa entwickeln "AI-ready"-Kreditkarten, die klassische Kartendaten durch digitale Token ersetzen. KI-Agenten können damit eigenständig Einkäufe tätigen - im Rahmen vorher festgelegter Budgets und Präferenzen der Nutzerinnen und Nutzer. Für Unternehmen bedeutet das völlig neue Möglichkeiten im automatisierten E-Commerce und personalisierten Marketing.
Verantwortung und Regulierung: Der EU-AI-Act
Mit dem europäischen AI Act reagiert die Politik auf diese Entwicklungen. Das Gesetz gilt branchenübergreifend und teilt KI-Anwendungen nach Risikostufen ein - von minimal bis inakzeptabel. Seit Februar 2025 sind Systeme mit "untragbarem Risiko" verboten. Gleichzeitig gilt eine Schulungspflicht für alle Mitarbeitenden, die an Entwicklung oder Nutzung von KI-Systemen beteiligt sind. Ab August 2026 kommt eine Transparenzpflicht hinzu: KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden.Diese Regulierung zwingt Unternehmen, ihre Prozesse und Verantwortlichkeiten zu überprüfen. Marketingabteilungen müssen künftig dokumentieren, wie KI eingesetzt wird, und sicherstellen, dass alle Beteiligten den rechtlichen und ethischen Rahmen verstehen.
Lernen als Daueraufgabe
Die Geschwindigkeit, mit der sich KI weiterentwickelt, ist beispiellos. Anders als klassische Produkte verändert sie sich nach der Einführung kontinuierlich - eine Herausforderung für Anwenderinnen und Anwender, die sich regelmäßig neues Wissen aneignen müssen. Lernen wird damit zur Daueraufgabe.Das Marketing der Zukunft verlangt daher Offenheit und Lernbereitschaft. Wer die Möglichkeiten von KI versteht und verantwortungsvoll nutzt, kann Markenführung neu denken - datengetrieben, präzise und kreativ zugleich.
Was das bedeutet: KI ist gekommen, um zu bleiben. Sie verändert die Art, wie Marketing funktioniert, schafft neue Berufsbilder und fordert neue Kompetenzen. Unternehmen, die jetzt in Wissen, Schulung und klare Richtlinien investieren, sichern sich einen entscheidenden Vorsprung in der Ära der "Math Men".
