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Analyse deutsche Start-ups: Warum Blablacar die deutsche Carpooling übernimmt. Und nicht umgekehrt.

15.04.2015 Andere Mobilitätsportale wie Uber   kassieren Milliarden von ihren Wagniskapitalisten, deutsche Anbieter lassen sich aufkaufen: Der französische Portalbetreiber BlaBlaCar   übernimmt den 2001 gegründeten deutschen Marktführer Carpooling  , der die Portale Mitfahrzentrale.de   und Mitfahrgelegenheit.de   betreibt. Damit wird BlaBlaCar zum beherrschenden Anbieter von Mitfahrgelegenheiten in Deutschland. Die Übernahme ist symptomatisch.

Was passiert ist:
Das französische Portal übernimmt 100 Prozent der Anteile, unter anderem von Wagniskapitalgeber Earlybird   und der Daimler AG   für einen nicht genannten Kaufpreis. Da die Münchner auf ihren beiden Portalen monatlich Fahrgemeinschaften zwischen 1,4 Millionen Menschen vermitteln und über ein etabliertes Geschäftsmodell aus Abos und Provisionen verfügen, dürfte der Kaufpreis sich (je nach Interessenlage) im zwei- bis maximal dreistelligen Millionenbereich bewegen. Nicht schlecht für eine ehemals von Würzburger Studenten gegründete Mitfahr-Website.

Die Hintergründe:
Blablacar will eine globale Marke aufbauen, die Namen der beiden Portale werden mittelfristig verschwinden. Das 2006 gegründete Unternehmen besitzt 20 Millionen Nutzer in 18 Ländern und hatte von VCs wie Index Ventures und Accel Partners insgesamt 110 Millionen Dollar eingesammelt. Während Blablacar sich aber von den USA als Zielmarkt fernhält, hatte Carpooling im Januar dorthin expandiert und dazu mit Uber zusammengearbeitet. Zuletzt war Carpooling in neun Ländern aktiv.

Ohne eine wirklich globale Vision - und viel Geld - ist eine globale Expansion nicht denkbar. Selbst in dem so hochlukrativen Portalmarkt. Doch der fünfjährige Vorsprung, den Carpooling gegenüber dem französchen Konkurrenten und jetzigen Käufer hatte, wurde vertan. Wie so oft bei deutschen Startups.

Die Folge:
Einen wirklichen Drang, mit dem eigenen Dienst die Welt zu erobern, verspüren offensichtlich die allerwenigsten deutschen Startups. Wann immer ein Startup in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten lokal erfolgreich war, kam ein internationaler Wettbewerber, wedelte mit ein paar dutzend oder ein paar hundert Millionen und machte von da an das Geschäft selber. Anders als in den USA, wo die Weltexpansion schon in der DNA von mindestens jedem zweiten Startup steckt, geht dieses Gen deutschen Gründern fast vollständig ab - nicht zuletzt am Namen ihrer Firmen erkennbar: 'Mitfahrgelegenheit' beispielsweise ist eben kein Wort, dass international besonders sexy klingt.

Doch auch die deutschen Wagniskapitalisten sind in weiten Teilen genau das: Deutsch. Während in den USA durchaus mal Unternehmen mit Milliarden finanziert werden, bleibt der deutsche VC bei seinem Leisten und verkauft schnell, sobald eine ausreichende Rendite winkt. 'Wagniskapitalisten', für die der erste Teil des Wortes eher Schutzbehauptung statt Verpflichtung ist und Gründer, deren Traumberuf eher 'Serial Entrepeneur' mit Fünf-Jahres-Verfallsklausel ist - statt Unternehmer mit lebenslanger Verpflichtung zu seinem Unternehmen. Kein Wunder, dass in Startup-Portalen eher über Exits als über globale Investments diskutiert wird  .

 (Bild: Blablacar)
Bild: Blablacar

Warum künftig mehr Herzblut statt Blabla gefragt ist:
Ohne eine Änderung bei der DNA deutscher Start-ups und Investoren, wird das nichts. Lichtblick ist hier nur der Zug zur Börse: Wenn Windeln.de   es wie angekündigt schafft, an der Börse genug Geld einzusammeln für eine globale Investition, könnte das auch andere Gründern dazu bringen, endlich einmal größer zu denken - und nicht typisch kleinstaatlich-deutsch.

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Von: Steffen Rühl
Am: 15.04.2015

Zu: Analyse deutsche Start-ups: Warum Blablacar die deutsche Carpooling übernimmt. Und nicht umgekehrt.

Windeln.de klingt jetzt aber auch weder international noch sexy ... ;-)
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