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Zehn Start-up-Trends, die das deutsche Internet verändern werden
02.03.2012 In der deutschen Internet-Gründerszene gibt es momentan heftige Verschiebungen - ein Zeichen für die Umwälzungen im Internet-Markt, für das Start-ups und Wagniskapitalisten ein Frühindikator sind. Zehn Trends, die man im Auge behalten muss.
Waren es im Jahr 2010 in Deutschland noch 28 Prozent Social-Media-Startups und mit 26 Prozent etwas weniger auf E-Commerce spezialisierte Start-ups, die im deutschsprachigen Markt aktiv waren, so hat sich das bis heute gedreht: Inzwischen ist knapp jedes dritte deutsche Start-up auf den Onlinehandel ausgerichtet (30 Prozent). Nur noch 17 Prozent sehen in Community-Lösungen ihren Schwerpunkt.
Daneben lassen sich noch weitere Trends analysieren:
- Mehr als verdreifacht hat sich der Anteil der Unternehmen, die sich als Dienstleister dem Thema Onlinewerbung widmen (7 Prozent gegenüber 3 Prozent im Jahr 2010).
- Ein Drittel mehr Start-ups, die sich mit dem Thema Bewegtbild auseinandersetzen, ist im deutschen Markt aktiv (6 Prozent gegenüber 4 Prozent).
- Mobile ist für deutsche Gründer und ihre Investoren bestenfalls ein "Auch"-Thema: Wachstum ist hier nicht zu beobachten. Im Gegenteil: Bei beiden Branchensegmenten ist der Anteil zurückgegangen.
- Das gilt auch für das Thema 'Regionalisierung'. Regionale Portale und Angebote, die speziell lokal aufgestellt sind, bleiben ein Randthema - Couponing hin, Location Based Services her.
Welche Themen, welche Konzepte, welche Geschäftsmodelle gerade in der deutschen Start-up-Szene angesagt sind - beziehungsweise, welche Themen die deutschen Wagniskapitalisten für vielversprechend halten, hat Alexander Hüsing analysiert:
1. Abo-Commerce
E-Commerce im Abo ist in der deutschen Gründerszene weiter ein Riesenthema. Mit dem Schuh-Shop ChicChickClub drängte zuletzt der Berliner Inkubator Team Europe in dieses spannende Trendsegment. Spätestens seit Glossybox ist Abo-Commerce in Deutschland der breiten Masse bekannt, auch wenn längst nicht alles im Abo funktioniert. Auftrieb erlebt das heiße Segment aktuell mit umtriebigen Diensten wie mit HelloFresh , KommtEssen und Unsere Schlemmertüte , die Zutaten und Rezeptideen im Abo liefern.Prognose: Gerade Lebensmittel könnten im Abo funktionieren.
2. Apps
In den vergangenen Monaten entstand - auch abseits der Spiele-Szene - weiter eine beachtliche Anzahl an Applikationen für Smartphones, die das Zeug haben, sich dauerhaft zu etablieren. Die enorme Bandbreite der App-Szene in Deutschland reicht vom Barcode-Scanner Barcoo über die mobile Rabattplattform Coupies bis zum Taxibestellsystem MyTaxi . In den kommenden Wochen und Monaten werden aller Voraussicht nach weitere nützliche Apps das Licht der Welt erblicken. Darunter sicherlich auch weitere Dienste, die wie MyTaxi das Zeug haben, eine ganze Branche zu revolutionieren.Prognose: Wir stehen erst ganz am Anfang!
3. Arztbuchungsdienste
Arzttermine.de erleichtert seit wenigen Wochen die Terminfindung beim Arzt. Patienten finden über die Plattform Ärzte in ihrer Umgebung, vergleichen die Bewertungen und buchen den Arzttermin direkt online. Auch wenn der Dienst nicht sonderlich spektakulär klingt, hat das Angebot es doch in sich: Viele online-affine Menschen warten seit Jahren darauf, ihre Arzttermine endlich online regeln zu können. Dasselbe Angebot bieten in Deutschland auch Doxter und HalloDr. an. Das Spannende an allen Konzepten ist die gelungene Kombination aus simpler Online-Terminvereinbarung, geo-lokaler Ärztesuche und einer Ärztebewertung.Prognose: Wenn die Ärzte mitspielen, ein toller Service
4. Crowdfunding
So manche Idee wird nie umgesetzt, weil das Startkapital fehlt. Eine Möglichkeit zur Geldbeschaffung, die bisher vor allem im gemeinnützigen Bereich eingesetzt wird, ist das Prinzip Crowdfunding: Viele geben jeweils ein bisschen, denn Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Gründer mit vielversprechenden Ideen kommen so an Startkapital von bis zu 100.000 Euro. Mit Seedmatch und Innovestment sind kurz nacheinander zwei Plattformen geschlüpft, die das Crowdfunding-Konzept auf die Start-up-Szene übertragen. Und demnächst ergänzt noch Devexo das Segment.Prognose: Auf dem Weg zur alternativen Finanzierungsmethode.
5. Curated Shopping
Aktuell wird der Online-Kleiderkauf von verschiedenen neuen Konzepten kräftig aufgemischt - eines heißt Curated Shopping. Übersetzt mit "betreutes, organisiertes Einkaufen" enthält das Konzept, dass Menschen nach einem Style-Test von Experten Outfits zugeschickt bekommen, die dem eigenen Stil entsprechen sollen. Die Zielgruppe ist dabei eindeutig männlich - schließlich richtet sich das Konzept an Mode- und Einkaufsmuffel. In Deutschland sind zwei Anbieter unterwegs, die Männern perfekt auf sie zugeschnittene Kleidungsstücke versprechen: Modomoto und Modemeister , beide aus Berlin.Prognose: Steckt noch in den Kinderschuhen!
6. Lieferdienstvermittlung
Gleich mit zwei großen und millionenschweren Herausforderern muss sich Pizza.de , der Marktführer in Sachen Lieferdienste, momentan herumschlagen. Lieferando und Lieferheld.de brachten mit ihrem aggressiven Auftreten aber zuletzt auch viel Bewegung in den lukrativen Markt rund um Pizza, Pasta und Sushi. Potenzial dürfte in diesem Segment noch reichlich vorhanden sein, noch immer bestellen viele Mainstream-Onliner via Telefon bei der Pizzeria um die Ecke. Nachteil: Die Imbissbudenbesitzer im Laden dürften von den vielen Anwerbeversuchen durch immer neue Vermittler langsam genervt sein.Prognose: Ohne viel Geld geht hier gar nichts mehr.
7. Re-Commerce
Deutschland ist ohne Zweifel im Wiederverkaufsfieber! Doch längst verkaufen die Menschen im Lande ihre Bücher, CDs und gebrauchten Handys nicht mehr bei Ebay, sondern auf einer der vielen Re-Commerce-Plattformen. Zu den wichtigsten Diensten gehören Flip4new , Momox.de , ReBuy.de und WirKaufens . Schon heute fahren Momox.de und ReBuy.de zweistellige Millionenumsätze ein. Starke Investoren und eine ordentliche Kapitaldecke können alle Start-ups vorweisen. Für ReBuy.de interessieren sich inzwischen sogar Offline-Giganten wie Media Markt-Saturn .Prognose: Das Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft!
8. Schmuck
Mit der Schmuckfabrik 21Diamonds , früher Les Facettes, und dem Mitbewerber Amoonic sind bereits zwei Start-ups unterwegs, bei denen Nutzer ihre Wunschschmuckstücke - Halsketten, Ohrringe und Ringe - selbst gestalten können. Preislich bewegen sich beide Jungfirmen im Luxussegment und konkurrieren somit nicht mit der Schmuckabteilung von Kaufhof, sondern mit dem angesagten Juwelier in Citylage. Noch in den Startlöchern stehen dagegen die beiden Start-ups Juvalia aus dem Hause Springstar und Colors of Eden .Prognose: Der Wettkampf um zahlungskräftige Kunden wird hart.
9. Social TV
Social TV bzw. Second Screen wird auf jeden Fall einer der ganz großen Trends des noch jungen Jahres. Start-ups wie Couchfunk , mcCheckin , TunedIn , Tweek und Zapitano brachten sich im vergangenen Jahr bereits in Stellung. Zapitano und die vielen Mitbewerber positionieren sich als "soziale Begleiter der TV-Zuschauer". Die Nutzer sollen über die Plattformen über das TV-Programm diskutieren und "parallel auf einem sogenannten Second Screen aktiv am Fernsehgeschehen teilnehmen".Prognose: Das Thema ist heiß, aber auch schwierig.
10. Zimmervermittlung
Mit 9flats.com , Airbnb und Wimdu wetteifern gleich drei üppig finanzierte Start-ups um die privaten Zimmer im Lande. Interessant bei diesem millonenschweren Dreikampf ist, dass das US-Vorbild Airbnb den Wettkampf mit den deutschen Kopien auf deutschem Boden austrägt. Über die drei Zimmervermittler kann jeder Onliner eine Wohnung, ein Zimmer oder eine Couch im Wohnzimmer kostenlos als Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Bei jeder Buchung bekommen 9flats.com und Co. eine Provision. Allerdings ist der Markt nicht unproblematisch: Nach Entlassungen bei 9flats.com und Wimdu herrscht momentan leichte Katerstimmung in der Szene.Prognose: Der Markt wächst langsamer als gedacht!
iBusiness-Autor Alexander Hüsing ist Herausgeber von Deutsche-Startups.de . Er ist Partner beim iBusiness Startup-Poster 'Wagniskapital 2012 - Wer-gehört-wem im deutschen Internet', das nun erschienen ist. Die 2012er-Ausgabe des beliebten iBusiness-Posters ordnet 466 Start-ups ihren Branchensegmenten zu - und zeigt, welche der 42 deutschen Inkubatoren, Wagniskapital-Unternehmen und Investoren dort jeweils investiert haben.
iBusiness-Premium-Mitglieder erhalten das Poster "Wagniskapital 2012 - Wer-gehört-wem im deutschen Internet" im Rahmen ihrer Premium-Mitgliedschaft kostenlos. Start-ups, Investoren und alle diejenigen, die ein Interesse am deutschsprachigen Gründer-Markt haben, können sich für den Gratis-Bezug qualifizieren. Dann erhalten sie ihr persönliches Druckexemplar des Wer-gehört-zu-wem-Posters für die deutsche Social-Media-Welt im Überformat 122x69cm für ihre Bürowand.

