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iBusiness Executive Briefing 18.07.2024

Ziel: Der total transparente E-Commerce

18.07.2024 Verkaufen Sie online Kaffee oder Kondome? Möbel oder Matratzen? Schinken oder Schokolade? Dann (aber nicht nur dann) müssen Sie ab Dezember noch auf ein weiteres europaweites Gesetz achten. Wie die "EU-Entwaldungsverordnung" zeigt, warum ohne KI, PIM und ERP in Zukunft kein E-Commerce mehr möglich sein wird.

 (Bild: Midjourney/jg)
Bild: Midjourney/jg
Am Montag hat meine Kollegin Susan Rönisch über die neue Produktsicherheitsverordnung und ihre Auswirkungen auf den Onlinehandel geschrieben. Über den kommenden Digitalen Produktpass (DPP) ging es vergangene Woche. Und über das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und das EU-Lieferkettengesetz diskutieren Politik und Industrie schon seit Jahren.

Zum Dezember 2024 kommt nun die EU-Entwaldungs-Verordnung   (EUDR). Nach der dürfen bestimmte Rohstoffe und Erzeugnisse nur dann in die EU ein- oder ausgeführt oder verkauft werden, wenn diese nicht mit Entwaldung und Waldschädigung in Verbindung stehen. Darunter fallen unter anderem die sogenannten "relevanten Rohstoffe" Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja und Holz.

Der Megatrend 'Transparenz'

Es ist egal, wie man zu dem einen oder anderen Gesetz steht. Es ist sogar egal, ob es dieses Jahr oder erst in drei Jahren in Kraft tritt - oder ob die eine oder andere Partei noch Ausnahmen für KMUs oder bestimmte Segmente durchsetzt. Klar ist, dass es drei globale Trends gibt, die ich für unaufhaltsam halte.

  1. Totale Produkttransparenz: Verbrauchende, Politik, NGOs - sie alle wollen zunehmend wissen, wie ein Produkt hergestellt wird. Welche Komponenten es enthält. Wie man es optimal anwendet, repariert, entsorgt. Diese Daten werden Verantwortliche in Herstellung und Handel ermitteln - und zur Verfügung stellen müssen.

  2. Totale Verantwortung: Auch wenn (wie beispielsweise beim Lieferkettengesetz) nur Großunternehmen im Fokus eines Gesetzes stehen: Angesichts der vernetzten Systeme werden auch Kleinunternehmen die geforderten Daten vorhalten müssen. Sei es, weil Großunternehmen entlang ihrer Lieferketten diese Daten anfragen. Oder sei es, weil potentielle Kundschaft es gewöhnt sein wird, diese Daten von großen Unternehmen zu erhalten - und dies bei KMUs auch verlangt.

  3. Totale Datendominanz: Damit diese Daten bereitgestellt werden können, benötigen alle Unternehmen ein Produktinformationssystem (PIM) oder ein anderes System (ERM, PXM, WaWi ...), in dem diese Daten zentral gespeichert werden können. Dazu nötig sind aber vor allem die Recherchedienste, um alle Daten für alle geforderten Anforderungen überhaupt zusammenzutragen. Wer hier entsprechende Datenservices anbieten kann, sitzt auf einer Diamantenmine.

Im Bereich der Customer Journey haben sich die großen Tech-Unternehmen eine Datenhoheit (und damit einen enormen Wettbewerbsvorteil) gesichert. Eine solche Datenhoheit werden sich Tech-Unternehmen, Consultingunternehmen, große Handelskonzerne und vor allem Marktplätze auch für den Produktbereich sichern können. So mancher Onlineshop wird vor der Alternative stehen, viel Personal mit der Recherche von (gesetzlich und konsumentenseitig verlangten) Produktdaten zu beauftragen. Oder viel Geld für zentrale Datendienste auszugeben. Oder eben sich einem Marktplatz anzuschließen, der diese Produktdaten zentral zur Verfügung stellt.

Für kleine und mittelständische Unternehmen mit mehr als nur einer Handvoll Produkte werden die Herausforderungen auf jeden Fall zunehmen.

Joachim Graf
Herausgeber

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