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Pfeifen im Wald: Social Networks wollen schlechte Zahlen nicht glauben
11.03.2008 Weil immer mehr Menschen in immer mehr unterschiedlichen sozialen Netzwerken online unterwegs sind, steigt zwar deren Reichweite. Aber die durchschnittliche Nutzungszeit sinkt. Besonders ärgerlich für ein großes US-Portal und einen deutschen Herausforderer: Die beiden müssen bei beiden Werten Federn lassen und fallen im härter werdenden Wettbewerb zurück.
Besonders deutlich ist diese Tendenz bei dem Netzwerk Wer-kennt.wenn.de zu erkennen. Dort ging die Verweildauer je Nutzer pro Monat von 180 Minuten auf durchschnittlich 168 Minuten zurück, während die Reichweite die Ein-Millionen-Nutzer-Grenze überschritt. Parallel dazu stiegen laut der IVW sowohl die Visits, als auch die Page Impression zwischen Dezember 2007 und Februar 2008 deutlich.
Anders herum verhält es sich hingegen bei Lokalisten.de : Bei der Münchner Community sank die Verweildauer deutlich, während die Reichweite seit einigen Monaten stagniert und im letzten Monat sogar zurück ging.
Besonders ärgerlich ist das Ergebnis für MySpace . Das Social Network verliert sowohl an Reichweite wie auch an der - im Vergleich zur Konkurrenz ohnehin niedrigen - Verweildauer. Damit liegt die Nutzungsdauer der deutschen MySpace-Mitgliedern deutlich unter denen der amerikanischen.
Allerdings hat auch MySpace USA mit Rückgängen zu kämpfen: In den USA ist die durchschnittliche Verweildauer auf MySpace im vergangenen Jahr von 230 auf 180 Minuten im Monat gefallen.
Joel Berger , Managing Director von MySpace Deutschland, kann sich den Rückgang nicht erklären. Er argumentiert auf die iBusiness-Frage nach seiner Strategie gegen den Rückgang, man wolle, "um die Verweildauer der MySpace-Nutzer weiterhin hoch zu halten" auf der deutschen Startseite "weiterhin laufend aktuellen redaktionellen Inhalt und Content liefern" - also Business as usual.
Myspace-Sprecher Mats Wappmann rechnet offiziell die Werte um, indem er die Myspace-Nutzungsdaten von Comscore heran zieht: MySpace habe doch in Deutschland im Januar 2008 seine Visits gegenüber dem Vormonat Dezember um 22 Prozent auf 44 Millionen gesteigert. Bei den Unique Visitors zählt Comscore für MySpace im Januar 2008 4,5 Millionen (plus 11 Prozent) - das ist fast das Doppelte der Nielsen-Werte: "Den von der FAZ beschriebene Trend der sinkenden Reichweite widerlegen diese Zahlen also klar", erklärt Wappmann.
Weil sich die Nutzer mittlerweile viel besser mit den Mechanismen sozialer Netze auskennen würden, würden sie nicht mehr so viel Zeit benötigen: "Die Leute kommen häufiger vorbei, bleiben aber nicht mehr so lange" , erklärt Wappman. Auch seien Infrastruktur und Usability deutlich besser geworden.
Bei den beiden Holzbrinck-Ableger StudiVZ und SchülerVZ liegt die Verweildauer bei 100 Minuten beziehungsweise 111 Minuten pro Monat. Beide Netzwerken verzeichnen trotz Wachstum kein Rückgang der Nutzer-Verweildauer, so die Analyse von Nielsen Online.
In den USA beobachten Marktforscher den Tendenz, das viele soziale Netzwerke zwar ihre Reichweite weiter ausbauen, aber die durchschnittliche Verweildauer geht mit jedem weiteren Nutzer zurückgeht, schon länger. Grund dafür: Immer mehr Menschen sind mittlerweile in mehreren Netzwerken angemeldet und darunter leidet die Verweildauer in den einzelnen Netzwerken. Laut der Analyse wird sich diese diese Tendenz verstärken.
Offenbar ist die Verweildauer stark abhängig vom Netzwerk-Design, wie bei den Business-Netzwerken LinkedIn und Xing zu beobachten ist: Während das eher verstaubt anmutende LinkedIn in den USA durchschnittlich nur sieben Minuten je Monat von seinen Mitgliedern genutzt wird, ist die Aktivität auf Xing mit 40 Minuten pro Monat deutlich höher.
Stolz berichtet Xing-Geschäftsführer Lars Hinrichs , dass die Comscore-Statistiken belegen, dass die Zahl der Minuten, die unsere Nutzer insgesamt pro Monat auf der Plattform verbringen, zwischen November 2007 und Januar 2008 weltweit um 175 Prozent und um 196 Prozent bei den deutschen Nutzern gestiegen ist: "Gemessen an Kennzahlen wie Seitenaufrufen und Verweildauer sind wir nicht nur in Europa, sondern weltweit Marktführer im Bereich Business-Networking", freut sich Hinrichs.
Die reine Nutzungsdauer ist für Hinrichs nicht das allein entscheidende Kriterium: "Die Aktivität der Mitglieder ist das entscheidende Kriterium für ein Social Network. Dazu zählt neben der Länge des Besuchs vor allem die Häufigkeit, mit der die Mitglieder die Plattform besuchen und wie viele Seiten sie aufrufen." Hinrichs zufolge nutzen Xing-Mitglieder die Plattform intensiv als tägliches Businesstool, "92 Prozent der Premium-Mitglieder waren im monatlichen Durchschnitt im dritten Quartal 2007 auf der Plattform aktiv."
