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Versandkostenstudie: Onlineshops setzen auf immer mehr Versanddienstleister
24.07.2024 Die Zahl der Onlineshops, die kostenlosen Versand anbieten, bleibt niedrig. Stark gestiegen hingegen ist der Anteil der Händler, die beim Versand auf mindestens drei Paketdienstleister setzen.
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Für ECommerce-Treibende ist das eine nach wie vor äußerst herausfordernde Situation. Chronische Personalknappheit trifft steigende Lohnforderungen. Zugleich sinkt die Kaufbereitschaft und die laufenden Kosten explodieren. Das alles, während die Unternehmen gerade noch in Wachstum investiert haben. Wer da nicht zügig an den richtigen Stellschrauben dreht, kann schnell in Schieflage geraten.
Bisher galten die Versandkosten als wichtige Stellschraube. Und das obwohl der Versand ein großer Kostentreiber ist, weil die KEP-Unternehmen (Kurier, Express, Paket) steigende Personal- und Energiekosten an die Händler durchreichen. Zum anderen sind sie aber eine wichtige Marketingmaßnahme, wenn nicht sogar wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells.
Daher ist lohnenswert, einen Blick auf die Branchenentwicklung im vergangenen Jahr zu werfen. iBusiness hat dazu die Versand- und Retourenmodelle von Deutschlands 100 größten Händlern (nach EHI-Ranking) unter die Lupe genommen (Stichtag: 23./24.2.2022 und Stichtag: 29./30.3.2023) und mit den Vorjahreswerten (Stichtag 18./19.07.2024) verglichen.
Die aktuelle Auswertung zeigt, die Inflation sowie teils höhere Kosten für Transporte, Verpackungen, Paletten oder auch Lizenzen führen in der ECommerce-Branche zu einem Umdenken in der Kostenkalkulation. Mittlerweile reichen viele der untersuchten Onlinehändler die Versandkosten an ihre KundInnen durch. In der Vergangenheit wurden diese Kosten häufig aufgrund der hervorragenden Konjunktur nicht weitergegeben, sondern die Shops setzten auf Wachstum und köderten OnlineshopperInnen mit Gratisversand, um sich weitere Marktanteile zu sichern.
Insgesamt sind die Versandkosten gegenüber 2022 um gut neun Prozent gestiegen und liegen aktuell im Durchschnitt bei 4,28 Euro (2022: 3,92 Euro). Dabei haben sich die erhobenen Kosten bewegt: Während die Preise im Modell "Kostenpauschale" deutlich gesunken sind (-12 Prozent), sind die Versandkosten für die KundInnen bei der Option Mindestbestellwert ("Frei ab ?") um gut zehn Prozent auf 5,07 Euro im Durchschnitt gestiegen. Im Vergleich zu 2022 ist zudem die Zahl der Shops gesunken, die einen Gratisversand bieten. Während vor zwei Jahren noch 16 Prozent auf dieses Gratis-Modell setzten, sind es (wie im Vorjahr) nun nur noch neun Prozent. Gestiegen dagegen um fast denselben Wert ist die Zahl der Versender, die ab einem bestimmten Warenwert kostenfrei liefern.
Kulanz bei den Retourenkosten
Leichte Bewegung gab es auch bei den Retourenmodellen: Während im Vorjahr jeder fünfte Onlineshop (21 Prozent) die KonsumentInnen ganz oder teilweise an den Retourenkosten beteiligt hat, ist diese Zahl wieder leicht gesunken. Aktuell müssen sich bei 16 Prozent der untersuchten Shops die KundInnen in irgendeiner Form an den Kosten retournierter Waren beteiligen. Insgesamt leicht gesunken ist dabei sowohl der Anteil der Händler, die das Retourenhandling vom Warenwert abhängig machen ("40-Euro-Regel") als auch die Händlerzahl, die grundsätzlich ihre KundInnen bei Retouren zur Kasse bitten.Grund, dass die Shopanzahl mit kostenpflichtigen Retouren rückläufig ist, könnte sein, dass bei Sortimenten wie dem Modehandel eine Kostenbeteiligung der VerbraucherInnen besonders schwer durchsetzbar ist. Möglicherweise ist das Reservoir an Shops bereits aufgebraucht, bei denen das Wettbewerbsumfeld kostenpflichtige Retouren ermöglicht.
Dennoch lohnt sich für den Verbraucher bzw. die Verbraucherin generell, bei den Retouren genau hinzusehen. Oft ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, ob eine Retoure gratis ist. So können VerbraucherInnen gelegentlich ihre Ware mit einem beiliegenden Retourenlabel kostenlos zurücksenden - bei der Durchsicht der Abrechnung zeigt sich dann aber, dass eine Service- oder Handlingpauschale vom Erstattungsbetrag abgezogen wird.
In anderen Fällen scheinen die Versand- und Retourenkosten gar prohibitiven Charakter zu haben. So ist uns im zweiten Jahr in Folge ein Reifenhändler aufgefallen, der zwar aus Wettbewerbsgründen gratis liefert, aber die Kosten für eventuelle Rücksendungen an den Kunden überträgt. Bei einem kompletten Satz Autoreifen ein teurer Spaß.
Anzahl der Paketdienstleister pro Shop steigt massiv
Stark geschrumpft ist der Anteil der Top-100-Händler, die sich nur auf einen einzigen Paketdienstleister verlassen: Während im Vorjahr noch 34 Prozent der Shops auf einen einzigen Anbieter beim Versand setzten, sind es aktuell nur elf Prozent der Shops. Ebenfalls gesunken ist die Zahl der Shopbetreiber, die auf zwei Versender setzen - nämlich von 34 Prozent auf 28 Prozent. Massiv angezogen hat dafür der Anteil der Onlineshops, die mindestens drei oder mehr Paketdienste nutzen: Gut sechs von zehn Shops (61 Prozent) nutzen mittlerweile mindestens drei Versandunternehmen. Im Vorjahr waren es gerade mal 27 Prozent. Hier ist also eine starke Dynamik zu beobachten.Entscheidende Argumente für Händler mit mehreren Dienstleistern zusammenzuarbeiten, dürften vor allem Flexibilität und höhere Zuverlässigkeit sein. Aber auch die Wettbewerbssituation spricht dafür, mehrere Paketdienstleister unter Vertrag zu nehmen. Indiz dafür: In der Regel werden laut unserer Untersuchung auch die in Rechnung gestellten Versandkosten im Schnitt günstiger, je mehr Dienstleister beschäftigt werden.
Am häufigsten wird nach wie vor der Marktführer Deutsche Post DHL von den Onlineshops angeboten. 85 Prozent der Top-100-Onlinehändler verschicken ihre Pakete zumindest teilweise mit dem einstigen Staatsunternehmen. Von 48 Prozent (Vorjahr: 42 Prozent) der Händler wird (auch) der Dienstleister Hermes gewählt. UPS, DPD und GLS werden dagegen deutlich weniger häufig beauftragt. Wobei Hermes-, DPD- und GLS-Händler im Vergleich meist mit deutlich niedrigeren Versandpauschalen als DHL auskommen.
Studiendesign
Wie in den Vorjahren hat iBusiness für die Studie die Versandkonditionen der Top-100-Händler in Deutschland ermittelt. Grundlage bildete dafür das Top-100-Umsatzranking der größten deutschen Onlineshops des EHI Retail Instituts aus dem Herbst 2023.Ausschlaggebend waren immer die in den Servicebedingungen angegebenen Versandkosten für den Paketversand. Extras, Aktionen, Incentivierungs-, Partnerprogramme oder andere Gimmicks wurden nicht berücksichtigt. Standen mehrere Versandoptionen zur Verfügung, wurde der Standardversand zugrunde gelegt - in der Regel ist das die günstigste Versandart. Sondertarife wie Express-, Same-Day- oder Kurierdienste oder Sperrgut-Zuschläge wurden ebenso außen vorgelassen wie insgesamt 13 Händler, die aus anderen Gründen durchs Raster fielen. Beispielsweise:
- Das Angebot setzt eine Mitgliedschaft voraus (Shopping-Clubs) und die Versandkosten ließen sich ohne Mitgliedschaft nicht ermitteln.
- Die Lieferung erfolgt ausschließlich per Kurier, Express oder Same Day (frische Lebensmittel).
- Der Verkauf erfolgt ausschließlich zu besonderen Bedingungen (beispielsweise bei Gold- und Schmuckhändlern).
- Die Versandkosten werden individuell für jede Ware berechnet.
