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Versand wird teurer und Gratisversand stirbt aus
09.03.2026 Der kostenlose Versand verschwindet zunehmend aus dem deutschen Onlinehandel, gleichzeitig steigen die Lieferkosten deutlich an und nun beteiligen auch immer mehr Händler ihre Kundinnen und Kunden an den Rücksendekosten. Die aktuelle Auswertung der Versand- und Retourenbedingungen der 100 größten Onlineshops zeigt: Händler geben ihre Kosten immer häufiger an die Kundschaft weiter.
Das zeigt die aktuelle Auswertung der Versand- und Retourenkonditionen der 100 größten Onlineshops in Deutschland, die iBusiness jährlich durchführt. Grundlage des Rankings bilden jeweils die deutschen Top-100-Händler, die das EHI Retail Institute im Vorjahr ermittelt hat. Die Redaktion hat dafür die Versandbedingungen der Händler erneut untersucht und mit den Werten der vergangenen Jahre verglichen.
Versand wird für Kunden und Kundinnen spürbar teurer
Bei der Auswertung setzt sich ein Trend fort, der sich bereits in den Jahren zuvor abgezeichnet hat: Der Versand im deutschen Onlinehandel wird teurer. Lag der durchschnittliche Preis für den Standardversand im Jahr 2022 noch bei 3,92 Euro, waren es 2025 bereits 4,39 Euro. In der aktuellen Erhebung liegt der Durchschnittswert nun bei 5,05 Euro.Damit hat sich der Preis für den Paketversand innerhalb weniger Jahre deutlich erhöht. Besonders stark zeigt sich der Anstieg bei Händlern, die eine feste Versandkostenpauschale berechnen. In diesem Modell liegt der Durchschnitt aktuell bei 5,43 Euro. Bei Shops mit dem Modell "frei ab ... " (Mindestbestellwert) ergeben sich rechnerisch Versandkosten von durchschnittlich 4,49 Euro.
Die steigenden Preise spiegeln den wachsenden Kostendruck im Logistikbereich wider. Paketdienstleister geben höhere Energie-, Personal- und Infrastrukturkosten zunehmend an ihre Auftraggeber weiter - und viele Händler reichen diese Belastung nun stärker an die Kundschaft durch.
Auch "frei ab ..." verliert an Bedeutung
Besonders deutlich wird der Wandel beim klassischen Gratisversand. Lange galt er als wichtiges Instrument, um KundInnen zu gewinnen und Kaufabbrüche zu vermeiden. Doch dieses Modell verliert weiter an Bedeutung. Während 2022 noch 16 Prozent der untersuchten Shops vollständig kostenlosen Versand angeboten haben, waren es 2025 nur noch sieben Prozent. In der aktuellen Erhebung ist der Anteil weiter gesunken: Mit nur noch fünf Prozent der Top-100-Onlineshops liefert nur noch eine verschwindend geringe Zahl von Händlern grundsätzlich kostenlos.Gratisversand ist zu einem klaren Nischenthema geworden, das sich nur noch wenige leisten. Für viele Händler lässt sich das Modell angesichts steigender Logistikkosten wirtschaftlich kaum noch darstellen.
Neu ist allerdings eine weitere Entwicklung: Erstmals geht auch das lange dominierende Modell "Versand frei ab ..." (Mindestbestellwert) spürbar zurück. Noch 2024 boten 51 Prozent der untersuchten Shops diese Option an. In der aktuellen Auswertung sind es nur noch 38 Prozent. Damit verliert auch dieses Modell deutlich an Bedeutung. Gleichzeitig steigt der Anteil der Händler, die grundsätzlich eine Versandkostenpauschale verlangen. Mit 57 Prozent stellt dieses Modell inzwischen klar die häufigste Versandstrategie der Onlineshops dar.
Die Entwicklung zeigt, dass immer mehr Händler darauf verzichten, Versandkosten als Marketinginstrument einzusetzen - und stattdessen stärker auf eine kostendeckende Logistik setzen.
Nun geraten auch die Retouren unter Druck
Bei den Retouren zeigt sich dagegen weiterhin ein anderes Bild. Trotz steigender Kosten dominieren nach wie vor kostenlose Rücksendungen. Aktuell bieten 71 Prozent der untersuchten Shops ihren KundInnen weiterhin eine komplett kostenlose Retoure an. Besonders in Branchen wie dem Modehandel gilt dies weiterhin als wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells.Gleichzeitig zeichnet sich jedoch auch hier eine Bewegung ab: Der Anteil der Händler, die VerbraucherInnen zumindest teilweise an den Kosten beteiligen, wächst stark. Noch 2024 lag dieser Anteil bei 16 Prozent, inzwischen sind es 29 Prozent der untersuchten Shops. Die Beteiligung kann dabei unterschiedlich ausgestaltet sein - etwa durch direkte Rücksendegebühren oder durch Service- und Handlingpauschalen, die vom Erstattungsbetrag abgezogen werden.
Nicht lassen sich die Rücksendekosten dabei übersichtlich der Website entnehmen. So ist es möglich, dass sich zwar ein "kostenloses" Rücksendeetikett anfordern lässt, sich beim Blick auf die Abrechnung aber zeigt, dass eine "Service- und Handlingpauschale" vom Erstattungsbetrag abgezogen wird. Sich schützt dagegen nur ein Blick in die AGB bzw. die Widerrufsbelehrung, die von allen untersuchten Händlern ordentlich angeboten wurden.
Insgesamt zeigt die Entwicklung eine klare Richtung: Der Onlinehandel wird vorsichtiger bei der Subventionierung logistischer Leistungen. Steigende Transport- und Betriebskosten machen es für viele Händler schwieriger, Versand und Retouren vollständig selbst zu tragen. Zugleich scheinen sich Verbraucherinnen und Verbraucher aber auch nicht mehr von Versandkosten abschrecken zu lassen. Die Bequemlichkeit des Online-Kaufs scheint inzwischen so sehr zu überwiegen, dass dafür ein Aufpreis in Kauf genommen wird - zumal die Fahrt zum Schaufensterbummel in die Innenstadt ebenfalls mit Kosten verbunden ist.
100 Shops und klare Kriterien
Wie schon im Vorjahr hat iBusiness für die Studie die Versandkonditionen der Top-100-Händler in Deutschland ermittelt. Grundlage bildete dafür das Top-100-Umsatzranking der größten deutschen Onlineshops des EHI Retail Instituts aus dem Herbst 2025. Stichtag für die Kostenermittlung war Anfang März 2026.Ausschlaggebend waren immer die in den Service-Bedingungen angegebenen Versandkosten für den Paketversand. Extras, Aktionen, Incentivierungs-, Partnerprogramme oder andere Gimmicks wurden nicht berücksichtigt. Standen mehrere Versandoptionen zur Verfügung, wurde der Standardversand für ein Paket zugrunde gelegt - in der Regel ist das die günstigste Versandart. Sondertarife wie Express-, Same-Day- oder Kurierdienste oder Sperrgut-Zuschläge wurden ebenso außen vorgelassen wie insgesamt 16 Händler, die aus anderen Gründen durchs Raster fielen. Beispielsweise:
- Das Angebot setzt eine Mitgliedschaft voraus (Shopping-Clubs) und die Versandkosten ließen sich ohne Mitgliedschaft nicht ermitteln.
- Die Lieferung erfolgt ausschließlich per Kurier, Express oder Same Day (frische Lebensmittel).
- Der Verkauf erfolgt ausschließlich zu besonderen Bedingungen (beispielsweise bei Gold- und Schmuckhändlern).
- Die Versandkosten werden individuell für jede Ware berechnet.
