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Internetagentur-Ranking 2025

Das sind die größten Onlinemarketing-Agenturen Deutschlands

02.06.2025 Die deutsche Digitalagenturlandschaft, insbesondere Onlinemarketing-Agenturen, steht vor einer doppelten Herausforderung: Wirtschaftlicher Gegenwind und ein tiefgreifender technologischer Wandel stellen klassische Geschäftsmodelle zunehmend infrage. Wer jetzt nicht auf Anpassung, Effizienz und klare Positionierung setzt, läuft Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.

 (Bild: HTV)
Bild: HTV
Das aktuell erschienene Internetagentur-Ranking zeigt ein zunehmend gespaltenes Bild der Digitalagenturlandschaft in Deutschland. Während wenige große Netzwerke ihren Vorsprung ausbauen, kämpfen viele mittelgroße und kleine Agenturen mit sinkenden Umsätzen und schwierigen Marktbedingungen. Besonders die anhaltend schwache Konjunktur belastet zahlreiche Dienstleister der Branche erheblich. (Siehe Analyse "Wachstumspause im Agenturgeschäft: Die Gewinner der Krise")

Eine Sonderauswertung nach Geschäftsfeldern der Digitaldienstleister in Deutschland zeigt: Das Segment "Digitale Werbung und Kommunikation" steht seit fünf Jahren massiv unter Druck. Die Umsätze der zwanzig größten Onlinemarketing-Agenturen sind im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gesunken. Der Fünf-Jahres-Trend ist noch alarmierender: Während die umsatzstärksten Agenturen 2020 noch rund 320 Millionen Euro erwirtschafteten, sind es im aktuellen Ranking nur noch knapp 210 Millionen - ein Einbruch um 35 Prozent.

Infolge der wirtschaftlichen Unsicherheit setzen viele Auftraggeber auf kurzfristige Lösungen und maximale Kosteneffizienz. Die Marketingbudgets geraten dabei besonders schnell unter Druck. Digitalverantwortliche in Unternehmen sehen sich mit Sparzwängen, Budgetkürzungen und Projektverschiebungen konfrontiert - mit spürbaren Folgen für die Agenturlandschaft. Hinzu kommt ein wachsender Trend zum Inhousing: Immer häufiger entscheiden sich Kundenunternehmen dafür, Marketingmaßnahmen intern abzuwickeln, um externe Kosten zu vermeiden. Auch der zunehmende Einsatz von KI-Tools spielt dabei eine Rolle.

Die aktuelle Frühjahrserhebung zum Wirtschaftsklima 2025 (siehe Analyse "Digitalbranche im Stimmungstief: Leichte Erholung, aber keine Entwarnung") bestätigt die angespannte Lage. Zudem planen Marketingverantwortliche weltweit weitere Einsparungen: Laut Nielsen Annual Marketing Report 2025   wollen 54 Prozent der globalen Werbetreibenden ihre Ausgaben reduzieren, in Europa liegt dieser Wert sogar bei 60 Prozent. Keine guten Aussichten.

(Grafik: iBusiness)


Die zehn umsatzstärksten Onlinemarketing-Agenturen 2025

RangAgenturTeil-Umsatz in Millionen EuroAnteil Rankingumsatz
1 pilot Agenturgruppe   37,431100 Prozent
2 fischerAppelt AG   24,04848 Prozent
3 ressourcenmangel   17,87867 Prozent
4 web-netz GmbH   14,24195 Prozent
5 SUNZINET GmbH   13,94496 Prozent
6 add2 GmbH   13,202100 Prozent
7 Interone GmbH   12,68040 Prozent
8 Achtung! GmbH   10,37859 Prozent
9 la red GmbH   10,153100 Prozent
10 DocCheck agency AG   9,20040 Prozent



Fünf Prognosen zur Zukunft der Internet-Agentur

1. Agenturen werden Beratungsmaschinen - vor allem in Bezug auf Technologie: Wenn es einen Brennpunkt gibt, in dem sich KI in neuen Aufgaben und Anforderungen an Dienstleister niederschlägt, dann in der Beratung, von der die Unternehmen mehr brauchen denn je: Viele Unternehmen sind noch nicht soweit, nicht bei den Daten, den Technologien, den Prozessen, den Systemen, den Silos: Hier lässt sich nicht eine KI einsetzen und alles wird gut. Und so sieht Gregor Schermuly, Director CommsTech & AI bei der PR- und Kommunikationsagentur OSK   "einen starken Shift aller Gewerke in Richtung Beratung, wegen der enormen Möglichkeiten: Aufgaben, die vorher das Servicecenter machen mussten, können Abteilungen nun selbst leisten , das passiert gerade."

2. KI frisst Leute und spuckt einen Fachkräftemangel aus: KI hat einen paradoxen Einfluss auf die Personalsituation: Zum einen ersetzen Agenturen mal eben 50 Prozent der Leute, weil die KI auf mechanischer Ebene schneller und oft genau so gut agiert (Texte, Code). Zum anderen können Agenturen mit einer kritischen Größe durchaus mal einen Etat abgreifen: Zum Beispiel, wenn es beim Kunden brennt, weil die KI-Tools dann doch minderwertigen Content ausspucken und schnell der menschliche Dienstleister ranmuss. Man kann sich als Agentur also auch zu Tode sparen, wenn man all-in bei der KI geht und dann am Ende nur die gleiche KI-Konfektionsware ausspuckt wie der Wettbewerber. Damit ist es zu keiner Lösung des Personalmangels durch KI gekommen, vielmehr zeichnet sich eine Verschärfung des Fachkräftebedarfs aufgrund der neuen Technologien ab: Es braucht weiter gute Leute und wenn die nur in der Konferenz mit dem Kunden sitzen, ihn verstehen und aufpäppeln.

3. Der Trend geht zum Agenten-Pitch: Claudia Buente , KI-Expertin an der Berlin University of Applied Science  , hält es für möglich, dass Agenturen das Pitching weitgehend in die Agentic-Economy verlagern und automatisieren: "Man muss viel pitchen und das in mehreren Stufen. Da kann ich mir ein automatisches Vorgehen gut vorstellen. Denn am Ende gewinnt ja nur Einer und die anderen haben lediglich Arbeitskosten." Hier könne ein Agenten-Verbund helfen, wieder wirtschaftlich zu arbeiten: Maschinen pitchen an und verhandeln mit Maschinen, danach setzt wieder der Mensch an.

4. Mensch rückt in die Sales: "Künftig schaffen die Mitarbeiter auf der Kundenseite, machen Sales, die Produktionsseite übernimmt die KI", sagt Ömer Atiker , der Geschäftsführer der B2B-Marketingagentur Click Effect   . Man dürfe nicht vergessen: "Es ist nicht der Job der Dienstleister, Texter zu beschäftigen, sondern eine Agentur zu betreiben."

5. Worst-Case Agenten-Agentur: Wie realistisch ist es, dass eine App oder Suite auf den Markt kommt, die die Agentur so komplett ersetzt, wie die Taschenrechner-App den physischen Taschenrechner weitgehend ausgemerzt hat? Ein KI-Agent, der den Dienstleister frisst? Kann passieren, ist aber eher unwahrscheinlich. Voraussetzung wäre erstmal, dass man keine Prompts mehr braucht, sondern ganz normal mit den Agentur-Agenten reden kann, so wie mit einem Designer, Texter und Agenturchef. Wozu dann noch die Agentur und ihre Beratung?

Zum einen wird die KI nicht gleich eine durchdachte Strategie ausspucken oder eine Gesamtkampagne mit gesundem Menschenverstand durchplanen - hier haben Hirnzellen, Gespür und Erfahrung noch ein Heimspiel. Ein Mensch hätte nie Bilder von SS-Soldaten kreiert, die schön divers durchgestaltet sind und daher asiatische, schwarze und Trans-Nazimörder abbilden (Sie erinnern sich, das ist wirklich passiert). Und selbst wenn alle die KIs fehlerfrei laufen und intuitiv bedienbar sind - einer muss noch immer "das Händchenhalten beim Kunden übernehmen", sagt Ömer Atiker. Physisch und menschlich.
Thema: Das sind die größten Onlinemarketing-Agenturen Deutschlands

Kommentar von Susan Rönisch

Wer jetzt nicht führt, wird geführt

Die Agenturbranche steckt in der Krise, aber nicht (nur), weil der Markt schwächelt. Sondern weil zu viele Agenturen ihre Rolle nicht konsequent neu definieren. Wer im Zeitalter von KI, Inhousing und Budgetkürzungen bestehen will, braucht mehr als Tools und Titel, es braucht Haltung, Mut und echte Führung.

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Susan Rönisch, iBusiness-Analystin (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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