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E-Government: Verwaltungen brauchen weiterhin Nachhilfe in IT
25.06.2008 Der jüngst bekannt gewordenen Fall von im Netz verfügbaren Bürgerdaten macht es mehr als deutlich. Behörden und Verwaltungen mangelt es nach wie vor an Know-how und datenschutzkonformen Lösungen für ihre Online-Services. Eine gute Chance für Agenturen und Interaktiv-Dienstleister neue zahlungskräftige Kunden zu gewinnen.
Laut BITKOM und BVDW ein Wachstumsmarkt, auf dem derzeit viele Mittelständler und einige wenige größere Unternehmen agieren. Der Bedarf des öffentlichen Sektors ist immens. Laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums etwa verursacht alleine das Meldeverfahren von ehemaligen Angestellten, die beim Arbeitsamt Verdienstbescheinigungen zur Berechnung ihrer Ansprüche vorlegen müssen jährliche Kosten in Höhe von 85 Millionen Euro. Denn die von ehemaligen Arbeitgebern an die Agenturen für Arbeit schriftlich zu liefernden insgesamt 60 Millionen Bescheinigungen müssen dort wieder händisch in die EDV eingegeben werden. Nur ein Beispiel von vielen.
Dienstleistungen im Feld Datenschutz sind ein lohnendes Geschäftsfeld - nicht nur im Auftrag von Behörden, sondern auch für Unternehmen aus der Privatwirtschaft. "Datenschutz ist derzeit ein Riesenthema. Zum einen wird im Bereich der Wirtschaft genauer darauf geachtet, welche Daten Firmen erheben", sagt BVDW-Justiziar Gerd M. Fuchs . In dem Zusammenhang verweist er etwa auf die Diskussion um Datenschutz in Social Networks. "Andererseits müssen sich auch staatliche Telemediendienste immer wieder neu an der Rechtsprechung orientieren. So musste etwa das Justizministerium bei Cookies, die es auf der eigenen Website benutzte und die über Monate IP-Adressen speicherten, zurückrudern, nachdem das Landgericht Berlin die Praxis beanstandet hatte", sagt der E-Government-Experte des BVDW. "Daraus ergeben sich neue Chancen für die im Markt agierenden Agenturen. Denn wenn neue Bestimmungen umgesetzt oder Sicherheitslücken geschlossen werden müssen, sind die externen Dienstleister gefragt", so Fuchs. Derzeit würden sowohl auf EU-Ebene als auch national die Regeln geprüft und überarbeitet. Für die Unternehmen der digitalen Wirtschaft bedeute dies, dass bald schon neue Aufgaben - und Aufträge - auf sie zukommen. "In ein bis zwei Jahren rechne ich mit einem stärker wachsenden Markt", ist Fuchs überzeugt.
Da so manche Verwaltung noch Nachhilfe in Sachen Internet benötigt, werden auch bereits laufende, oder abgeschlossene Projekte angeglichen. Beispiel Potsdam, wo Datensätze tausender Bürger für jedermann im Netz zugänglich waren, wie Report München herausfand : Nach der Panne will die Kommune nun auch in den Ausschreibungen auf mögliche Sicherheitslücken verstärkt hinweisen. "Der Vorfall sensibilisiert natürlich alle
davon Betroffenen, (Verwaltung, Fachverfahrensanbieter) die IT-Sicherheit in all ihren sehr komplexen Facetten weiter auszubauen, um den Schutz von Daten zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang werden sich natürlich Leistungsbeschreibungen für Vergaben an die neuen Herausforderungen der IT-Sicherheit anpassen. Sollten sich aufgrund des Vorfalles neue Sicherheitsaspekte ergeben, sind diese natürlich zukünftig bei der Inanspruchname von E-Government-Dienstleistern zu berücksichtigen. ", so eine Sprecherin der Stadt gegenüber iBusiness.
Nicht nur auf kommunaler Ebene nehmen die Aufträge weiter zu, da noch einige Hausaufgaben zu erledigen sind, wie das Bundeswirtschaftsministerium im 'Monitoring Informations- & Kommunikationswirtschaft 2008' eingesteht :
"In Deutschland existieren zwar einige Leuchtturmprojekte, aber die Diffusion in die Breite sowie eine institutionelle Einbindung von E-Partzipationsverfahren ist noch stark verbesserungsbedürftig sind." Zudem heißt es: "Das Marketing für E-Government muss verbessert werden. Proaktives Marketing kann zu einer Steigerung der Akzeptanz und Nutzung von E-Government-Diensten beitragen."
Alleine im Jahr 2006 gaben öffentliche Auftraggeber nach BITKOM-Angaben 16,6 Milliarden Euro für IT und Telekommunikation aus. Beim Berliner E-Commerce-Dienstleister Init geht man von einem weiter wachsenden Markt aus.
