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10 Thesen: Warum sich der Online-Journalismus verändern wird

von sr

23.04.2007

  1. Journalismusferne Portale beeinflussen die Internet-Nutzer stärker als die News-Sites der Verlage und traditionellen Medienhäuser.
  2. Von Laien betriebene Vor- und Scheinformen von Journalismus in Gestalt sozialer Netzwerke und Weblogs erweisen sich als Bedrohung für den redaktionell betriebenen Journalismus.
  3. Nachrichten werden im Web nicht nach Wichtigkeit und Relevanz ausgewählt, sondern nach Einschaltquote.
  4. Daraus resultiert eine Themenselektion und Gestaltung im vorauseilenden Gehorsam, ausgerichtet an den Bedürfnissen von Suchmaschinen und am Massengeschmack - eine antizipierende, opportunistische und liebedienerische Auswahl, die sich auf technisch begleitetes Ausspionieren der Leser stützt.
  5. Die Orientierung an Quote und Massengeschmack bewirkt eine Holzschnittartigkeit und Uniformität der Websites, eine Verarmung der journalistischen Stilformen, eine Manipulation der Leser und Inhalte, eine Überrepräsentation seichter und unterhaltender Themen.
  6. Keine verlegerisch motivierte Nachrichten-Site kann sich dem Druck der Reichweitensteigerung entziehen. Zeitungen und Magazine mit fokussierter Ausrichtung (Wirtschaft, Politik oder Sport) dehnen ihr Angebot weit über ihre eigentlichen Kernkompetenzen aus.
  7. Nicht durch redaktionelle Beiträge, sondern durch Tools, Show, Rätsel und Fotostrecken wird das Gros der Reichweite erzeugt. In der Praxis entwickeln sich Online-Journalisten zu Content-Aggregatoren. Ihre Arbeit beschränkt sich im Wesentlichen auf Zweitverwertung sowie die Bearbeitung und Anpassung angelieferter Texte.
  8. Die Abhängigkeit von Agenturen steigt.
  9. Bedingt durch neue Werbeformate verschwimmen die Grenzen zwischen redaktioneller Berichterstattung und Werbung. Anzeigenkunden und Werbeagenturen gewinnen stärkeren Einfluss auf redaktionelle Websites.
  10. Lobbyisten eröffnen sich durch die Arbeitsweise der Online-Redaktionen neue Möglichkeiten zur Instrumentalisierung.

(Quelle: Studie Nachrichten-Sites im Internet  , Friedrich Ebert Stiftung  )

Thema:

Studie: Traditionelle News-Portale sind vom Aussterben bedroht

Zweitverwertung, Agenturhörigkeit, Einfallslosigkeit: Einer aktuellen Studie zufolge haben klassische Nachrichten-Portale zunehmend unter der Geldknappheit der Verleger zu leiden. Und werden deswegen in Zukunft verstärkt Leser an Web-2.0-Dienste verlieren. Um zu überleben, müssen sich die kränkelnden News-Dienste vom puren Nachrichtengeschäft verabschieden.

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 (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft

Kommentar von sr

Die Zukunft ist das Wissensportal

Auch wenn immer mehr Konkurrenz aus dem Web 2.0 droht: Der professionelle Online-Journalismus wird auch künftig seine Bedeutung haben. Nur werden sich eben Art und Inhalt der Berichterstattung im Vergleich zu heute deutlich verändern.

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 (Boris Giesl)
Bild: Boris Giesl
2. Teil: 10 Thesen: Warum sich der Online-Journalismus verändern wird
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Von: Torsten Bonikowski ,  mabsys gmbH
Am: 28.01.2008

Zu: 10 Thesen: Warum sich der Online-Journalismus verändern wird

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