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DerWesten.de: Deutsche Online-Publisher glauben nur bedingt an Regional-Portale
30.10.2007 Gestern ist das neue regionale Online-Portal "DerWesten.de" von der WAZ-Mediengruppe gestartet. Das Nachrichten- und Kommunikationsportal vereinigt die Internetangebote von fünf Zeitungstiteln unter einem Dach. Deutsche Online-Publisher sind generell vom Erfolg des millionenschweren Online-Projekts überzeugt. Warnen aber davor, dass solche Regionale-Portale nur unter bestimmten Voraussetzungen funktionieren. Und damit kein allgemein gültiges Erfolgsmodell für deutsche Verleger darstellen.
Ergänzt wird das Online-Angebot durch zahlreiche Web-2.0-Features wie Videobeiträge und Weblogs. Darüberhinaus sollen die Leser aktiv eingebunden werden und beispielsweise Artikel kommentieren. Zudem können sich die Nutzer in einem großen Community-Bereich mit Anderen vernetzen, Profile anlegen, Beiträge schreiben und Fotos hochladen. Das wichtigste Novum ist allerdings das Geo-Tagging. Als einziges deutsches Internetportal stellt DerWesten.de Nachrichten, Veranstaltungen und die Onlineaktivität anderer Nutzer über Landkarten dar. So kann jeder Leser nach eigenen Kriterien erkennen, was gerade in seiner Umgebung passiert.
Chefredakteurin ist mit Katharina Borchert , eine ehemalige Bloggerin . Der Verlag hat mit einer Anfangsinvestitionen in einstelliger Millionenhöhe eine neue 22-köpfige Online-Redaktion in der Essener Verlagszentrale eingerichtet. "Unsere Kernkompetenz ist nicht Zeitung machen, sondern verlässlicher Qualitätsjournalismus mit lokalem und regionalem Schwerpunkt", erklärt der WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach zum Start des Portals. Dabei ist es "gleichgültig, ob die Produkte auf Papier oder elektronisch transportiert würden".
Holger Kansky , Referent Multimedia beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), bewertet das neu gestartete WAZ-Portal positiv: "Lokale und regionale Berichterstattung ist seit jeher ein Alleinstellungsmerkmal bei Verlagen", erklärt er. "Das kann die WAZ jetzt noch stärker hervorheben."
Besonders begrüßt er den Einsatz von Geo-Tagging, womit sich Inhalte "verorten" lassen: "Das bringt dem Leser allerlei nützliche Zusatzinformationen.". Kansky geht daher davon aus, "dass sich solche Lokalkonzepte noch stärker durchsetzen werden und weitere Verlage dem Beispiel WAZ folgen werden." Vor allem in Puncto Lokale Suche werden seiner Einschätzung nach Verlage künftig ihre Anstrengungen verstärken.
Raimondo Sanna , Geschäftsführer Merkur-Online glaubt hingegen nicht, dass das WAZ-Konzept ein Trend für Verlage wird. Sanna zufolge funktioniere ein solches Konzept "manchmal und manchmal eben auch nicht". Wenn sich wie im Falle DerWesten.de mehrere kleine Verlage zusammenschließen, kann so ein Regional-Portal seiner Einschätzung nach vielleicht Erfolg haben. "Der Efolg aber das hängt auch von der Region und den Verlagen ab."
Das solch ein Portal für den Süden Deutschlands funktionieren könnte, kann Sanna sich daher nicht vorstellen. "In Bayern gibt es 32 Tageszeitungen, die zwar einigermaßen mit einander auskommen, aber eben untereinander konkurrieren. In einem Ballungszentrum wie München ist daher wegen des Konkurrenzkampf zwischen den Tageszeitungen und Regionalblättern ein ähnliches Portal nicht realisierbar."
In ein ähnliches Horn bläst Thomas Schultz-Homberg, Redaktionsleitung der Sächsische Zeitung . Auch er sieht in dem DerWesten.de-Modell kein Trend für das Verlagsgeschäft, obwohl er es eigentlich ganz gut findet. "So ein Konzept macht nur in Gebieten Sinn, in denen Ballungszentren eng nebeneinander liegen. In großflächigen Bereichen lohnt es sich schlicht nicht", so Schultz-Homberg. "In den Gebieten um Dresden herum würde sich solch ein Modell nicht für uns lohnen."
