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Trotz Social Media und immer mehr Kundenbeschwerden: Unternehmen reagieren kaum

27.05.2013 Von wegen '1:1-Marketing': Die Unternehmen registrieren zwar mehrheitlich eine steigende Zahl an Kundenbeschwerden, sie bleiben aber häufig lange liegen und werden dann auch überwiegend nur mit standardisierten Briefen beantwortet. Nur in jedem vierten Fall erhalten die Kunden nach einer Befragung von Banken, Versicherungen, Handels- und Dienstleistungsunternehmen im deutschsprachigen Raum eine individuelle Nachricht.

Laut der Untersuchung von Legodo   ist die Anzahl der Kundenreklamationen insbesondere bei Dienstleistern wie etwa Telekommunikationsanbietern oder Energieversorgern in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen. Zwei Drittel von ihnen weisen eine Zunahme auf, bei den meisten von ihnen ist die Beschwerdequote sogar deutlich angewachsen. Eine fast identische Situation besteht bei den Handelsfirmen. Aber auch jede zweite befragte Bank und Versicherung stellt eine ähnliche Entwicklung fest, wenngleich bei ihnen das Beschwerdevolumen etwas geringer ist.

Entwicklung der Kundenreklamationen 2008-2013 bei Banken, Versicherungen, Handel und Dienstleistern
Entwicklung der Kundenreklamationen 2008-2013 bei Banken, Versicherungen, Handel und Dienstleistern (Grafik: Legodo)
Die steigende Zahl an Reklamationen beantworten die Unternehmen in den untersuchten Marktsegmenten nur in Ausnahmefällen innerhalb weniger Tage, obwohl sie sich dabei überwiegend unpersönlicher Standardbriefe mit wenig Bezug zum Beschwerdethema bedienen. Eine individuelle Ansprache der Kunden nach Beschwerden wird durchschnittlich nur in weniger als jedem dritten Fall vorgenommen, besonders selten geschieht dies bei den Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Demgegenüber beantworten Versicherungen jede zweite Reklamation mit vollständig individuellem Bezug zum Kunden, bei den Banken erfolgt dies zu 37 Prozent.

"Es ist kaum anzunehmen, dass Kundenbindung auf Dauer über standardisierte Beschwerdeantworten funktionieren kann", sieht Legodo-Vorstand Marc Koch einen deutlichen Handlungsbedarf. "Notwendig wäre, persönlich auf sie einzugehen und dabei auch ihr bisheriges Kaufverhalten, die Dauer der Kundenbeziehung und weitere relevante Kundeninformationen einzubeziehen. Durch den persönlichen Bezug fühlen sie sich ernst genommen und entwickeln ein größeres Verständnis für vorherige Schwierigkeiten, die zu der Beschwerde geführt haben."
Versicherungen sind relativ am schnellsten
Versicherungen sind relativ am schnellsten (Grafik: Legodo)
Allerdings könnten viele Unternehmen in ihren Reaktionen gegenwärtig gar nicht persönlicher auf die Kunden eingehen, weil ihnen im Beschwerdemanagement meist nicht die gesamten Kundeninformationen zur Verfügung stehen. Sie sind häufig in den verschiedenen Datenbanken mehrerer Business-Systemen enthalten. So kann nur jede fünfte Bank und Versicherung alle bestehenden Kundeninformationen in den Antworten auf Reklamationen berücksichtigen. Ähnlich verhält es sich bei den Dienstleistungsfirmen, bei den Handelsunternehmen bestehen solche technischen Möglichkeiten sogar noch seltener.
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