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CES: Die fünf Trends der digitalen Industrie 2015
12.01.2015 Die Consumer Electronic Show in Las Vegas ist traditionell die Frühwarn-Messe der Digitalbranche der ganzen Welt. Für 2015 deuten sich in der Fülle der Produktneuheiten fünf Trends an, die das Jahr und den Handel bestimmen werden.
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Noch stärker als in den vergangenen Jahren stand die vernetzte Technik im Messefokus. Die Richtung ist klar: Alles, was mit dem Internet oder anderen Geräten verknüpft werden kann, wird künftig auch verbunden werden. Diesmal zeichnet sich noch stärker der Trend zu digitalen Gesundheits-Anwendungen ab. Für die vielen Fitness-Tracker gibt es nun Plattformen, mit denen die Daten von Geräten verschiedener Anbieter gesammelt ausgewertet werden können. Zudem kündigen sich mit der Entwicklung smarter Textilien neue Optionen an: Die Sensoren müssen nicht mehr am Handgelenk getragen werden, sondern können direkt im T-Shirt stecken.
Obwohl der Durchbruch im Massenmarkt bisher nicht gelungen ist, gab es auf der CES viele neue 3D-Drucker für die verschiedensten Anwendungsbereiche zu sehen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die 3D-Area auf der Messe noch einmal deutlich gewachsen. Im Endverbraucher-Segment zeigt sich dabei der Trend zu immer günstigeren Lösungen: So legte XYZPrinting einem Drucker für nur 600 Euro vor. Das neue Einsteigermodell DaVinci Jr. könnte für nur 300 Euro in den Handel kommen. Die Niederländer haben ihren bewährten 3D-Drucker Ultimaker 2 auf der CES in zwei neuen Größen vorgestellt: Der Ultimaker 2 Extended kann zehn Zentimeter weiter in die Höhe drucken und eignet sich damit vor allem für hohe Modelle wie 3D-Scans von Personen. Das zweite neue Modell heißt Ultimaker 2 Go und ist im Vergleich zum Original in allen Dimensionen rund zehn Zentimeter geschrumpft. Das Gerät kann im Format 120 mm × 120 mm × 115 mm drucken und hat keine beheizte Druckplattform. Das Modell soll inklusive Mehrwertsteuer rund 1430 Euro kosten.
1. Wearables: Der Massen-Marktangriff erfolgt im Fitness- und EHealth-Umfeld
Der Trend zur Smartwatch hat sich auch auf der CES 2015 fortgesetzt. Kaum ein Hersteller kommt noch ohne Bluetooth-Armbanduhr im Sortiment aus. Allen Geräten gemeinsam ist, dass die Grenzen zwischen Fitness-Tracker und Smartwatch verschwimmen. Die CES-Neuheiten Withings Activité Pop und Garmin Vivoactiv können beides: Schritte zählen und eingehende Anrufe anzeigen.
Gerade die Beliebtheit von Fitness-Trackern ist ebenfalls bei Verbrauchern enorm gestiegen: um über 1.000 Prozent innerhalb eines Jahres etwa bei Idealo . Die Auswertung der Klickdaten vom November 2014 zeigten, dass Idealo-Nutzer zehn Mal häufiger Fitness-Tracker ansurften als im Vorjahresmonat. Parallel wächst das Angebot stark: Es sind über 250 Prozent mehr Hersteller und vier Mal mehr Modelle am Markt zu beobachten als noch vor einem Jahr. Diesen Trend spielgelt die Technik-Messe wieder. Dort wurde erstmals sogar ein Tracker für das Fahrradpedal vorgestellt. Das smarte Pedal des französische Startup-Unternehmen Connected Cycle erfasst Radtouren erfassen und kann bei Diebstahl Alarm auslösen. Hierfür wurden im Gadget mit dem schlichten Namen "Pedal" Sensoren für GPS und GPRS integriert.
Zugleich arbeiten die Hersteller von Wearables an Methoden, genauere und tiefer gehende Messungen vorzunehmen als mit einfachen Beschleunigungssensoren. Zensorium aus Singapure will bald mit dem Verkauf eines Geräts namens Being beginnen, das sich als Smartwatch tragen oder an die Kleidung klemmen lässt. Am Handgelenk getragen, kann ein optischer Sensor auf der Rückseite durchgehend Blutdruck und Herzfrequenz messen, woraus ein Stressniveau berechnet wird. Die Uhr soll in drei Monaten verfügbar sein und 199 Dollar kosten.
Eine digitale Meditationshilfe, die EEG-Messungen an das Smartphone weitergibt, stellte das franzöische Unternehmen myBrain Technologies vor. Melomind misst über Metallelektroden die Gehirnwellen und schickt sie über Bluetooth an eine Smartphone-App. Diese App spielt Musik ein, die sich laut Dumas an veränderte Hirnaktivität anpasst und so beim Entspannen hilft. Das Gerät soll 299 Dollar kosten und voraussichtlich Ende 2015 auf den Markt kommen. Ebenfalls auf der CES zu sehen: Pacif-i ein Schnuller von Blue Maestro , der die Körpertemperatur von Babys misst und an Smartphones meldet. Oder Tzoa, ein Gerät von Clad Innovations aus Vancouver, das Luftverschmutzung und UV-Belastung erfasst.
Die vielen Geräte zum Anziehen und intelligenten Hausgeräte auf der CES könnten zugleich neue Chancen für Technologieunternehmen bringen, ihre Angebote auf das Nutzerverhalten abzustimmen, sagte Shawn DuBravac , Forschungsleiter der Consumer Electronics Association, bei seiner Rede in Wüstenstadt. Als Beispiel dafür führte er an: Netflix könnte bald intelligente Thermostaten, Heimkameras und Smartwatches auswerten und daraus schlussfolgern, dass jemand allein und traurig ist und friert - und dann einen guten Film zur Aufheiterung vorschlagen.
2. TV-Trends: Kampf ums Betriebssystem
Die Hersteller von TV-Geräten haben wieder das Thema Auflöung in den Vordergrund gerückt. Die dritte Dimension wich dem Thema 4K. Der Branchenfokus liegt also auf ultrahoher Auflösung und alle großen Hersteller beschwörten in Las Vegas deren Zukunftspotential. Während andere große Hersteller das Feld geräumt haben, bleibt LG dabei: OLED ist die beste Technik für TV-Displays: Gleich sieben neue OLED-TV-Modelle Auf mit Diagonalen zwischen 43 und 107 Zoll (1,10 bis 2,70 Meter) haben die Koreaner in Las Vegas vorgestellt.In Sachen intelligente Fernseher zeigte LG die zweite Version seiner WebOS-Oberfläche für Smart-TVs. Mit ihr sollen die Zuschauer ihre LG-TVs doppelt so schnell steuern können, außerdem beherrschen die WebOS-Geräte nun auch 4K-Streaming. Die meisten 4K-TVs von Sharp hingegen nutzen Android TV und können mit Apps aus dem PlayStore bestückt werden. Alle neuen Modelle können 4K-Inhalte streamen und beherrschen sowohl H.265/HEVC als auch Googles VP9-Videocodec. Samsung wiederum stattet Fernseher und kommende Smart Devices mit Tizenaus. Hatten viele der Geräte dieser Hersteller bislang Googles Android-Betriebssystem vorinstalliert, wollen sie in Zukunft ihr eigenes Ökosystem etablieren - und zumindest bei Smart Devices nicht auf Software des Suchmaschinenriesen setzen.
Auch Mozilla mischt sich nun ins Geschehen und in den Kampf um Anteile bei den immer wichtiger werdenden Geräten in Smart-Home- und Wearable-Bereich ein. Das hat das Unternehmen auf der CES bekundet. Aus einer Partnerschaft mit dem japanischen Technikhersteller Panasonic gehen dabei gleich mehrere Produkte hervor. So werden unter anderem die in diesem Jahr erscheinenden 4K-Smart-TVs des Herstellers auf Firefox OS als Betriebssystem setzen. Anders als Android Wear oder iOS wird ein so eingesetztes Firefox OS auch mit den Betriebssystemen der Konkurrenz kommunizieren können. Konkrete Geräte wie eine Smartwatch wurden auf der CES noch nicht gezeigt.
3. Smart Home: Das nicht-vernetzte Gerät verschwindet allmählich
Smart Home hat die CES 2015 in Las Vegas erobert. Das verdeutlichen die unzähligen CES-Neuheiten aus diesem Bereich. Die Smart-Home-Technik ist und soll weit aus intelligenter sein, als bisher. Künftig soll Smart Home aber noch viel intelligenter werden. Dabei spielt neben modularen Sensoren, die Verknüpfung von allen technischen Geräten innerhalb eines Haushaltes eine entscheidende Rolle.Das vernetzte Zuhause ist bereits Realität. Den oft als Beispiel genannten Kühlschrank, der die Milch selber nachbestellt, dürfte es zwar auch weiterhin nicht im Alltag geben. Aber in Las Vegas wurden Hunderte Geräte und Lösungen gezeigt, die sich miteinander und mit dem Internet verbinden lassen. Etwa Heizung, Licht oder den Kaffeeautomaten vom Handy aus steuern, die Waschmaschine richtet ihre Arbeitszeit nach den günstigsten Stromtarifen aus.
Jedoch hat die CES 2015 gezeigt, dass noch einige Hürden zu überwinden sind, wie etwa ein einheitlicher Kommunikationsstandard. Zwar gibt es schon eine Vielzahl von Smart-Home-Lösungen auf dem Markt, doch diese arbeiten mit unterschiedlichen Übertragungstechnologien wie zum Beispiel ZigBee, DigitalStrom, HomeMatic, KNX, WLAN oder DECT.
4. Virtuelle Realität: Neue Standards für Gaming-Anwendungen
Aus dem Virtual-Reality-Bereich gibt es ebenfalls so manches zu bestaunen. Die meiste Aufmerksamkeit erregte natürlich der Pionier Oculus mit seinem verbesserten Prototypen, aber auch Razers Open-Source-VR-Vorstoß stieß auf großes Interesse. Gaming-Hardware-Hersteller Razer wagt gemeinsam mit Partnern einen interessanten Vorstoß und möchte mit "OSVR" einen gemeinsamen Standard für die Wiedergabe von VR-Inhalten etablieren.Kleinere Startups, wie zum Beispiel FOVE mit ihrerEye-Tracking-Brille, brachten neue Impulse. Augen-Tracking soll das Feature sein, mit dem sich die japanische VR-Brille Fove auf dem wachsenden Markt von den Konkurrenten abheben will. Jedoch ist diese Technik nicht nur für Computerspieler interessant, die Brille wurde auch für Menschen mit Behinderung entwickelt. So sollen Kinder und Erwachsenen, die Ihre Arme nicht benutzen können möglich, zum Beispiel Klavierspielen können.
5. Smart Cars: Selbstfahrende, vernetzte Autos fahren in den Mainstream
Das Internet hält Einzug ins Auto. Die Autoindustrie arbeitet mit Hochdruck an vernetzten und selbstfahrenden Fahrzeugen, dabei ist die IT-Branche Partner und Rivale zugleich. Auf der Überholspur präsentierte sich die Automobilindustrie: Selbstfahrende und vernetzte Autos standen 2015 noch stärker im Fokus der Elektronik-Show, vor allem deutsche Autohersteller drängen sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Direkt zum Messeauftakt hat Mercedes-Benz das Projekt F 015 Luxury in Motion präsentiert und damit gezeigt, wie sich die Stuttgarter das Auto der Zukunft vorstellen.Zwar schwebt die 5,2 Meter lange Luxuslimousine noch nicht über den Boden, aber rollt mit bis zu 200 km/h autonom über die Straßen. Der Innenraum ist als umfassend vernetzter, digitaler Erlebnisraum gestaltet, in der Mitfahrende während der Fahrt entspannen, kommunizieren oder arbeiten können sollen.
Auch BMW hat den James-Bond-Traum wahrgemacht: Der i3 fährt ganz ohne Fahrer. Und man kann ihn wirklich mit einer App auf dem Handy oder auf einer Smartwatch rufen. Der BMW soll dann zum Beispiel in Parkhäusern voll automatisch einparken und ausparken. Die Technik ist in den Autos schon vorhanden, in wenigen Jahren soll das Parken von Geisterhand Realität werden.
Autonomes Fahren liegt auch bei der Konkurrenz von Audi voll im Trend. Der Audi "Prologue" zeigt nicht nur, wie die Audis von morgen aussehen - die Studie kann auch vollautomatisch fahren. Alle Konzepte des autonomen Fahrens haben aber ein Problem: Die Technik ist zwar bald serienreif, doch es gibt noch rechtliche Probleme: So forderte der Ingolstädter Autobauer Audi von der Bundesregierung liberalere Regeln für das autonome Fahren. Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg warnt vor dem drohenden Verbot fürs autonome Autofahren, wegen der Gesetzeslage drohe Deutschland ein klarer Standortnachteil."Da müssen unsere Ministerien handeln. Sonst fahren wir hierzulande hinterher", sagte Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg im Interview mit der WirtschaftsWoche . Nach Einschätzung des Managers könnte vollautomatisierte Fahren auf der Autobahn etwa schon in fünf bis zehn Jahren so weit sein, "weil dort der Verkehr stark reglementiert ist und die Störgrößen so überschaubar sind. In der Stadt hingegen ist alles viel komplexer, auch rechtlich. Da reden wir über mehr als zehn Jahre."
Audi wird im neuen A8 sein System mit der internen Bezeichnung "James" anbieten, das bis zu 60 Kilometer pro Stunde pilotiert fahren kann. Der Nachfolger "Jack" mit bis zu 140 km/h werde als Update voraussichtlich in drei bis dreieinhalb Jahren kommen und auch in anderen Modellen eingebaut.
