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Mega-Trends der IFA: Roboterkämpfe im Smart Home

28.08.2015 Wenn die IFA in Berlin ihre Pforten öffnet, zeigt sich, wo der Digitale Home-Markt des Jahres 2015 steht. Schließlich werden hier die Trends der Unterhaltungselektronik gesetzt. iBusiness hat vorab analysiert, was die vier wichtigsten Trends der diesjährigen Internationalen Funkausstellung sind.

Ab dem 4. September trifft sich unter dem Funkturm in Berlin wieder alles was in der Elektronikwelt Rang und Namen hat. (Bild: IFA Berlin)
Bild: IFA Berlin
Ab dem 4. September trifft sich unter dem Funkturm in Berlin wieder alles was in der Elektronikwelt Rang und Namen hat.

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Die 55. Internationale Funkausstellung   in Berlin wetteifert mit der Consumer Electronics Show   (CES) in Las Vegas um den Titel der größten Messe für Unterhaltungselektronik. Entsprechend finden die Neuheiten der Berliner Messe international große Beachtung. 1.500 Aussteller stellen allein in diesem Jahr auf den insgesamt 150.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche aus. Rund 240.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr - weniger werden auch in diesem nicht erwartet.

Auch im Digitalmarkt hat die IFA deutlich an Bedeutung gewonnen. Dies zeigt sich zum schon daran, dass nach Jahren der Abstinenz das IT-Schwergewicht Microsoft   (Halle 17 / 115 und Halle 25 / 110) wieder auf der Messe Präsenz zeigt - und die Gelegenheit nutzt, um dort in einer Keynote die neuesten Produkte rund um den Konzernhoffnungsträger Windows 10 zu zeigen wird. Unter dem einschlägigen Namen 'Windows 10 Lights up New Devices' soll es neue Tablets, 2-in-1-Geräten, Premium-Notebooks, Gaming- sowie All-in-one-Hardware zu sehen geben.

Seit Jahren erstmals wieder auf der IFA präsent: Microsoft will in einer Keynote neue Windows 10 Geräte präsentieren. (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft
Seit Jahren erstmals wieder auf der IFA präsent: Microsoft will in einer Keynote neue Windows 10 Geräte präsentieren.

Und auch über einen krönenden Abschluss darf sich IFA freuen: Wenn die Aufmerksamkeit rund um die neuesten Techniktrends ihren Höhepunkt erreicht hat, wird Apple   voraussichtlich noch einmal das Augenmerk auf vernetzte Heimelektronik lenken und am 9. September - dem letzten Messetag - neue Produkte vorstellen. Kurz vor dem Weihnachtsgeschäft ist also für viel Spannung in der Unterhaltungselektronik-Branche gesorgt.

Die wichtigsten Trends der IFA:

Mega-Trend 1: Die Schlacht um das Smart Home

Alles Smart: Von der Küchenwaage über den Mixer bis zu Backofen, Spül- und Waschmaschine - eine Steuerunger über Touchscreen,  WLAN und App gehört in der Küchengeräte-Oberliga schon fast zum guten Ton. (Bild: IFA Berlin)
Bild: IFA Berlin
Alles Smart: Von der Küchenwaage über den Mixer bis zu Backofen, Spül- und Waschmaschine - eine Steuerunger über Touchscreen, WLAN und App gehört in der Küchengeräte-Oberliga schon fast zum guten Ton.

Am heißesten wird das Thema Smart Home gekocht. Unzählige Anbieter stellen auf der IFA Neuerungen vor - vom automatischen Bewässerungssystem bis zur vollvernetzten Kaffeemaschine. Es lockt ein Milliardenmarkt: Das Marktforschungsunternehmen Gartner   schätzt, dass derzeit 100 bis 200 Millionen Haushalte weltweit über vernetzte Geräte verfügen. Bis zum Jahr 2020 sollen es 500 bis 700 Millionen sein. Kein Wunder, dass nahezu alle Hersteller von Haushaltsgeräten mit entsprechenden Produkten vertreten sind. Aber auch aus anderen Richtungen treten die Anbieter auf den Plan: Energieversorger, Telekom-Anbieter sowie etablierte Elektronik- und innovative IT-Hersteller treten auf den Plan.

Viel wichtiger als die vielen Neuheiten bleibt allerdings die Frage, wie die einzelnen Geräte mit einander kommunizieren und welches System dabei die Oberhoheit behalten soll. Derzeit konkurrieren zahlreiche inkompatible Standards miteinander. So ist es zwar theoretisch möglich, dass ein beliebiges (smartes) Thermostat Jalousie, Heizung und Klimaanlage steuert. In der Praxis scheitert eine solche Schaltung aber daran, dass die beteiligten Systeme von verschiedenen Apps und Controllern gesteuert werden.

Kärcher Bewesserungssystem: Smart Home macht auch vorm Garten nicht halt. (Bild: Kärcher)
Bild: Kärcher
Kärcher Bewesserungssystem: Smart Home macht auch vorm Garten nicht halt.

Im Moment ist völlig unübersichtlich, wer im Smart Home die Vorherrschaft erlangt. Es wird viel geflirtet, gebalzt und gepartnert. Geräte der Samsung-Tochter SmartThings   sollen sich in Zukunft über Sprachbefehle von Amazons   Netzwerklautsprecher Echo   steuern lassen. Über Vermittlungsdienste wie If-this-than-that   (IFTTT) lassen sich Brücken zwischen den verschiedenen Geräten, Diensten und Apps schlagen. Doch über solche Insellösungen hinaus ist die Smart Home-Welt noch nicht verteilt. Die Kontrolle der Plattformen gilt jedoch als Schlüsselfaktor, Gartner-Analyst Paul O'Donovan sieht eine "Schlacht" um den Zugang zum vernetzten Zuhause aufkommen.

Besonders Google   ("Brillo  ") und Apple ("Homekit  ") hegen Ambitionen auf die Kontrolle des Smart Home. Nachdem es um Homekit zuletzt recht ruhig geworden ist und viele Hersteller die restriktive Zertifizierungspolitik von Apple kritisierten, könnten zur IFA weitere Geräte vorgestellt werden. Unter anderem Philips   (Halle 22 / 101) hat im entsprechende Produkte angekündigt. Darüber hinaus sind die Hallen 13 bis 15 zur iZone erklärt und ganz auf die Produktwelt rund um iOS, Mac, Apps und Zubehör reserviert.

Das Internet der Dinge auf der IFA

Das Smart-Home-Center von Yetu soll zwischen den verschiedenen Standards vermitteln. (Bild: yetu.com)
Bild: yetu.com
Das Smart-Home-Center von Yetu soll zwischen den verschiedenen Standards vermitteln.

Aber auch neue Angebote sind auf der IFA zu sehen: So zeigt das Berliner Startup Yetu   (Halle 11.1 / 28) etwa ein neues Gateway, das unabhängig vom Endgeräte eine einheitliche Bedienoberfläche für Smart-Home-Geräte zeigt und zugleich als Multimedia-Zentrale fungiert. Bei Yetu handelt es sich um die Kombination einer Hardware-Box, die die meisten Smart-Home-Geräte steuern kann, und einem Software-Service, der beispielsweise die Wiedergabe eines Clips von Youtube   an ein beliebiges Video-Device in der Wohnung erlaubt. Streamingdienste wie Netflix   oder Spotify   werden ebenfalls unterstützt. Die Steuerung aller vernetzten Geräte kann über ein beliebiges Gerät (Smartphone, Tablet, TV, Laptop) erfolgen, auch wenn die Wiedergabe auf einem anderen Gerät erfolgen soll. Außerdem soll die Plattform Aktionen miteinander verknüpfen: Wird ein Film gestartet, dimmen automatisch die Lichter und der Rollo fährt herunter. Klingelt es an der Haustür wird die Wiedergabe angehalten und die (Video-)Gegensprechanlagen eingeblendet.

Offen, digital und vernetzt

Smartes Home - alte Kabel: Die Lüsterklemmen von Digitalstrom entkoppeln Schalter von Verbrauchern. (Bild: Digitalstrom)
Bild: Digitalstrom
Smartes Home - alte Kabel: Die Lüsterklemmen von Digitalstrom entkoppeln Schalter von Verbrauchern.

Auch für das deutsch-schweizer Unternehmen Digitalstrom   (Halle 11.1 / 13) bietet die Sprachen-Vielfalt im Haus der Zukunft auch eine Chance. Bereits auf der CES zeigte das Unternehmen, wie sich beispielsweise ein Google-Nest-Thermostat   mit der Steuerung von Rollladen oder Deckenventilatoren verknüpfen lässt oder wie sich die Sensoren einer Microsoft Kinect   nutzen lassen, um eine beliebige Oberfläche im Haus in ein Smart-Home-Bedienelement mit Gestensteuerung zu verwandeln. In diesem Jahr demonstriert der Anbieter anhand eines vernetzten Tesla  , wie sich ein Elektroauto ins smarte Home integrieren lässt. So kann es etwa die eingestellte Temperatur automatisch an das Haus mitteilen, das Garagentor rechtzeitig öffnen und die Außenbeleuchtung einschalten.

Umso universell wirken zu können, kann der Digitalstrom-Server auch dumme Geräte smart machen. Dazu werden die im Haus vorhanden Lichtschalter über kleine Zwischenstecker von ihrer eigentlichen Funktion entkoppelt und dienen lediglich als Taster für den Home Server. Fortan werden die Verbraucher, die ebenfalls mit Zwischensteckern ausgestattet sind, nicht mehr direkt über den Schalter, sondern digital über den Server bedient. Die Kommunikation zwischen Server und Verbraucher kann wahlweise über Funk oder die vorhandene Stromleitung (Powerline) erfolgen. Auf diese Weise lassen sich komplexe Szenarien realisieren, in denen die vorhandenen Geräte die verschiedensten Funktionen übernehmen. Außerdem lassen sich die unterschiedlichsten Gerätetypen in die Haussteuerung integrieren.

Netzbetreiber wollen Zugriff aufs Heim

Peter Kellendonk, EEBus-Vorsitzender: 'Vogel friss oder stirb.'

Während den IFA-Besuchern die smarten Geräte vor allem über ihren Komfort und Sicherheit schmackhaft gemacht werden, haben die Netzbetreiber auch ganz handfeste wirtschaftliche Interessen an dem Thema. Sie wollen einen Zugang zum Smart Home um Solaranlagen und Wärmepumpen zu "virtuellen Kraftwerken" zusammenschalten zu können, die Akkus von Elektroautos als Energiepuffer zu verwenden oder stromfressende Verbraucher wie Waschmaschinen und Geschirrspüler in verbrauchsarme Zeiten legen zu können. Daher will das Lager der klassischen Branchenvertreter das Thema keineswegs Google oder Apple überlassen.

Es steht eine Grundsatzentscheidung an, warnt der Vorsitzende der europäischen Industrieinitiative EEBus  , Peter Kellendonk , anlässlich der Funkausstellung. "Entweder die Kommunikations-Norm wird demokratisch entwickelt und allen Interessenten zur Verfügung gestellt oder faktisch durch einen Multi gesetzt. Dann heißt es für viele: Friss oder stirb."

So formiert sich eine breite Industriekoalition, die ihrerseits eine einheitliche Sprache für das smarte Zuhause entwickeln will. Bei EEBus sind etwa Bosch, Miele, die Deutsche Telekom  , Vaillant  , Eon   oder EnBW   dabei. Die Gruppe kooperiert mit europäischen Brancheninitiativen für smarte Energieversorgung und seit Frühjahr mit dem Open Interconnect Consortium   (OIC), das unter anderem Samsung  , General Electric  , Hewlett-Packard   oder IBM   an Bord hat.

Mega-Trend 2: Virtual Reality

Virtual Reality: Die Hardware ist fertig - fehlen nur noch die Anwendungen. (Bild: IFA Berlin)
Bild: IFA Berlin
Virtual Reality: Die Hardware ist fertig - fehlen nur noch die Anwendungen.

Zweiter Mega-Trend der IFA 2015 ist das Thema Virtual Reality. Die Hardware-Entwicklung folgt einem rasanten Tempo. Neben der VR-Brille Gear VR  , die Samsung (CityCube Halle B 101) für das aktuelle Smartphone Galaxy S6 Edge   entwickelt hat, wird mit Spannung die Morpheus   erwartet, die Sony   (Halle 20 / 101) für die PlayStation 4   entwickelt. Ehrgeiziges Ziel der Entwickler: Die Darstellung soll so realistisch sein, dass die Nutzer vergessen, dass sie sich in einem virtuellen Raum befinden. Dies soll unter anderem ein 5,7 Zoll großer OLED-Bildschirm erlauben mit einer Auflösung von 960x1080 Bildpunkten pro Auge bei einer Bildwiederholrate von 120 Hertz. Morpheus soll "Anfang 2016" zum Preis von "mehreren Hundert US-Dollar" erscheinen.

Mit ebenso großer Spannung werden neue Details zur Microsofts Projekt Hololens   erwartet. Im Unterschied zu den VR-Brillen der Konkurrenz schottet das Microsoft-Projekt den Benutzer nicht von der Umgebung ab, sondern blendet virtuelle Gegenstände in das reale Blickfeld des Nutzers sein. So soll es beispielsweise möglich sein, ein virtuelles Minecraft-Spielfeld auf einen realen Wohnzimmertisch einzublenden und mit diesem zu interagieren. Die handverlesenen Journalisten, die bislang Prototypen ausprobieren durften, berichteten von einer beeindruckend realistischen Darstellung. Die Hololens, von der bislang nur Demos zu sehen waren, soll ebenfalls 2016 erscheinen. Gut möglich, dass Microsoft auf der IFA mit neuen Details und verbesserten Prototypen überrascht.

Mit Spannung erwartet: Microsoft könnte Neuigkeiten zur Hololens im Gepäck haben. (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft
Mit Spannung erwartet: Microsoft könnte Neuigkeiten zur Hololens im Gepäck haben.

Ebenfalls absolut beeindruckend und aber schon serienreif ist dagegen der VR-Helm Vive   des Handyherstellers HTC   (Halle 4.2 / 208). Um das VR-Erlebnis zu perfektionieren, wird dem Nutzer nicht nur das übliche, Tauscherbrillenartige Display übergestülpt - mittels Lasersensoren wird zudem jede Bewegung des Nutzers im Raum registriert, zwei Controller übermitteln die Hand- und Armbewegung an das System. Das Ergebnis ist so realistisch, dass die Tester reihenweise mit im dem Impuls kämpfen müssen, die rein virtuellen Gegenstände anfassen zu wollen.

Noch fehlt die VR-Software

Bei aller Euphorie der Hardware-Hersteller ist bislang noch etwas unklar, wie die Faszination der VR-Welten zu den Konsumenten überschwappen wird. Bislang löste zwar noch jede Produkt-Demo Begeisterungsstürme aus - ob es aber zu mehr als einem Gimmick reicht, muss sich erst noch beweisen. Einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom   zufolge, kann sich jedenfalls nur jeder fünfte Deutsche vorstellen, eine VR-Brille zu nutzen.

Sony will mit der Morpheus ebenfalls im VR-Geschäft mitmischen. (Bild: Sony)
Bild: Sony
Sony will mit der Morpheus ebenfalls im VR-Geschäft mitmischen.

Ausschlaggebend für den Erfolg dafür vor allem die Software-Industrie sein. Bislang gibt es kaum Anwendungen, die über reine Demos hinausreichen. Die Phantasie reicht neben Spieleanwendungen von virtuellen Shopping-Welten, über Live-Übertragungen von Konzerten oder Sportereignissen, VR-Kinofilmen bis zu Social Media- Anwendungen a la Second Life - bislang mangelt es aber schon allein an VR-fähigen Filmkameras, mit denen sich solche Szenarien realisieren lassen. Außerdem fehlen jegliche Erfahrungen mit dem Publikumsgeschmack. Die wenigsten Nutzer werden jedenfalls bereit sein, ein ganzes Zimmer leer zu räumen, um sich - wie bei Vive nötig - in einer virtuellen Welt frei bewegen zu können.

Mega-Trend 3: Fernsehen wird besser, bunter, lauter - und ein Computer

Bigger is better: Wer glaubt der Fernseher wäre 80 Jahre nach seiner Erfindung ausentwickelt, wird auf der IFA eines besseren belehrt. (Bild: IFA Berlin)
Bild: IFA Berlin
Bigger is better: Wer glaubt der Fernseher wäre 80 Jahre nach seiner Erfindung ausentwickelt, wird auf der IFA eines besseren belehrt.

Fernsehen ist der Kernbereich der IFA - und auch sind wieder einige Innovationen zu erwarten. Zunächst gibt es zahlreiche Neuerungen aus dem Bereich "besser, bunter, lauter" zu vermelden. 4K-Bildschirme und sind schon beinahe ein alter Hut, auf der Funkausstellung werden erstmals HDR-Fernseher von Samsung, LG   (Halle 18 / 101) und Philips (Halle 22 / 101) zu sehen sein. Bei HDR handelt es sich um eine Technik, die mit besonders hohen Kontrastumfängen (High Dynamic Range, HDR) das Bild verbessern soll. Herkömmliche TV-Sender strahlen allerdings noch nicht in diesem Format aus. Zur IFA soll aber immerhin ein Demokanal über Astra gestartet werden. 4K-Pionier Netflix hat zudem angekündigt, demnächst HDR-Material bereitzustellen.

Philips-Stand auf einer Preview-Veranstaltung: Die Holländer setzen komplett auf Android-TV (Bild: IFA Berlin)
Bild: IFA Berlin
Philips-Stand auf einer Preview-Veranstaltung: Die Holländer setzen komplett auf Android-TV

Von größerer Bedeutung für die Digitalbranche dürften dagegen die Bestrebungen von Google sein, sein Betriebssystem Android auch auf den Fernseher zu etablieren. Bislang erfolglos, könnte dem Suchgiganten in diesem Jahr der Durchbruch gelingen. Google hat mit Android 5.0 Lollipop zugleich die speziell für Fernsehschirme angepasste Sonderversion Android TV vorgestellt. Mit Philips und Sony wollen nun zwei namhafte Hersteller auf das System setzen.

Das Besondere: Mit Android TV kommen auch der Google Play Store und zahlreiche Apps direkt auf den TV-Bildschirm. Der Fernsehschirm entwickelt sich damit von der reinen Glotze zu einem weiteren Computer-Schirm. Für Streaming-Video- und Audio- Anbieter, App-Entwickler und Marketer sowie die gesamte Werbewirtschaft stellt dies eine bedeutende Entwicklung dar - zumal Apple sein Apple-TV ebenfalls für App-Entwickler öffnen will. Lineares Fernsehen dürfte durch diese Entwickelung weiter an Bedeutung verlieren, für Marketer öffnen sich neue Zugangswege und TV-Werbung dürfte sich in Zukunft immer weiter den Online-Metriken annähern.

Mega-Trend 4: Mobile ist sowas von … gewöhnlich

Archos 50 Cesium Windows 10 Smartphone (Bild: Archos)
Bild: Archos
Archos 50 Cesium Windows 10 Smartphone

Daneben wirkt der ehemalige Innovationstreiber 'Mobile' schon fast ein wenig farblos und blass. Smartphones und Tablets zwar zu einer wichtigen Umsatzstütze der Branche geworden, echte Innovationen sucht man aber vergeblich. Microsoft setzt mit seiner Windows-10-Keynote zwar ein Zeichen und viele Branchenbeobachter sehen den angekündigten Produktvorstellungen mit Spannung entgegen. Allerdings: Eine wirklich marktverändernde Neuheit traut kaum jemand Microsoft zu. Zumal in der Vorankündigung der Keynote Smartphones ausgerechnet ausgespart wurden. "Tablets, 2-in-1-Geräte, Premium-Notebooks, Gaming- sowie All-in-one-Hardware" sollen vorgestellt werden - aber kein Smartphone.

ZTE Nubia Handys (Bild: ZTE)
Bild: ZTE
ZTE Nubia Handys

Die restlichen Neuerungen schreiben im wesentlich die IFA-Trends der vergangenen Jahre fort: Die Geräte werden größer, schneller und tendenziell günstiger und manchmal gebogener. Als prominenten Neuzugang kann die Messe auf den chinesische Hersteller ZTE   (Halle 25 105) verweisen, der erstmals die Geräte seiner Edellinie Nubia in Deutschland einführen will. Das Z9 Mini mit 5-Zoll-Display soll 349 Euro kosten. Günstiger geht es beim französischen Hersteller Archos   (Halle 4.2 / 121) zu, der ein Fünf-Zoll-Gerät mit AMOLD-Gerät für 230 Euro sowie Windows-10-Einsteigergeräte ab 130 Euro bietet.

Ansonsten sind eher Kleinigkeiten, mit denen sich die Android-Hersteller von einander abzusetzen versuchen: LG zeigt das neue Tablet G Pad II 10.1, das das LED-Display im E-Book-Reader-Mode besonders augenfreundlich dimmen soll und mittels Dual Windows die gleichzeitige Verwendung von zwei Apps ermöglicht. Auf den Selfi-Trend setzt dagegen das Lenovo   (Halle 11.2 / 105) Vibe S1. Es soll gleich über zwei Kameralinsen auf der Vorderseite verfügen - auch wenn die Branche noch darüber rätselt, welchen Zweck dies erfüllen soll. Entweder - so lauten die Mutmaßungen - könnte sich dadurch der Fokus noch nach der Aufnahme verändern lassen oder der Hersteller will kürzere Verschlusszeiten beziehungsweise eine bessere Lichtstärke realisieren. Das Beispiel zeigt: Im Bereich Mobile muss man sich schon einiges einfallen lassen, um noch aufzufallen.


Mega-Trend 5: Die Roboter kommen

Roboter mit freundlichem Gesicht: Der Benebot soll erst einmal im Geschäft mit helfen. Später kommt er vielleicht auch einmal nach Hause. (Bild: Ecovacs)
Bild: Ecovacs
Roboter mit freundlichem Gesicht: Der Benebot soll erst einmal im Geschäft mit helfen. Später kommt er vielleicht auch einmal nach Hause.

Eng verwandt mit Thema Smart Home sind die zahlreichen Haushaltshelfer, die inzwischen völlig automatisiert durch Wohnung und Garten rollen. Der Markt wächst kontinuierlich: Allein in Privathaushalten stieg die Zahl der verkauften Serviceroboter gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent auf knapp 4 Millionen, berichtet der World Robotics Report   in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IPA  . In Deutschland stieg der Umsatz mit den Helfern um neun Prozent auf ein Rekorderlebnis von 11,4 Milliarden Euro.

Entsprechend viele Neuheiten gibt es auf der IFA zu sehen. Der Trend geht dabei vor allem in Richtung Produktverbesserung hinsichtlich (Saug)-Leistung, Navigation, Vernetzung und Multifunktionalität. Immer mehr Sensoren sollen "Unfälle" vermeiden, die Geräte der neuesten Generation können zudem eigene Karten zu reinigen Räume erstellen, so dass sie nicht mehr nach dem Zufallsprinzip durch die Wohnung fahren müssen. Samsung zeigt mit dem Powerbot VR9200J einen Staubsauger, der sich per App auch aus der Ferne steuern lässt. So kann er von unterwegs in Aktion versetzt werden, damit die Wohnung beim Heimkommen fertig gesaugt ist. Mit 'Point Cleaning' können Samsung-Geräte zudem dem roten Punkt eines Laserpointers folgen, so dass gezielt einzelne Stellen gereinigt werden können.

Ecovacs Robotics   (Halle 9 / 113) zeigt mit dem Deebot M8 einen Multifunktions-Bodenreinigung, der in einem Arbeitsgang saugen, kehren und wischen kann. Der integrierte Wassertank soll dabei dabei die feuchte Reinigung ganzer Räume ermöglichen, ohne dass ein Nachtanken nötig wäre.

Menschliche Roboter, Kekse aus dem Drucker

3D Food Printer von XYZ-Printing: Kekse lassen sich schon herstellen. (Bild: XYZ-Printing)
Bild: XYZ-Printing
3D Food Printer von XYZ-Printing: Kekse lassen sich schon herstellen.

Die IFA erlaubt aber auch einen Blick in die Zukunft der Robotertechnik: Mit immer menschenähnlicheren Robotern. So feiert auf der IFA der Verkaufsassistent Benebot   seine Europapremiere. Der Publikumsliebling der CES soll im Handel eingesetzt werden, um über die dort erhältlichen Produkte zu informieren. Dazu ist Benebot nicht nur in der Lage natürliche Gespräche zu führen, sondern soll durch sein emotionales Verhalten auch die Sympathien der Kunden erobern. Mit ähnlichen Konzepten versuchen weltweit die Entwickler Service-Roboter beispielsweise für die Pflege von alten und kranken Menschen fit zu machen.

Viel Aufmerksamkeitsstark dürfte auch der 3D Food Printer des Herstellers XYZ-Printing   (Halle 11.2 / 109) auf sich ziehen. Das Gerät kann zwar noch weit davon entfernt, beliebige Lebensmittel herzustellen, wie es manchen Herstellern vorschwebt. Immerhin kann es aber aus maximal drei unterschiedlichen Rohmaterialien individuelle Kreationen erzeugen. So lassen sich beispielsweise Kekse mit individueller Form und Geschmackszusammenstellung und Farbe "drucken". In Asien sollen grellbunte Törtchen mit individuellem Aufdruck bereits zum Standardsortiment vieler Konditoreien zählen.

Immerhin: Die Roboter auf IFA 2015 bleiben vorläufig friedlich. Ernsthafte Roboterkämpfe   finden wo anders   statt.

Thema: Mega-Trends der IFA: Roboterkämpfe im Smart Home

Kommentar von Dominik Grollmann

Fernsehen hat das größte disruptive Potential

Mobile sorgt für Umsatz, Smart Home für Spannung, Virtual Reality und Robotik für Aufsehen. Man könnte in dieser Aufzählung das klassische Fernsehen glatt vergessen. Dabei steckt hier das größte disruptive Potential. Änderungen in der Fernsehwelt kommen langsam, aber gewaltig.

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Dominik Grollmann, iBusiness-Analyst (Dominik Grollmann)
Bild: Dominik Grollmann
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