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Interaktiv-Trends 2018/2019 (2): Skills/Actions als neue Apps

20.12.2017 Für viele Analysten sind sie die neuen Apps: Skills und Actions, Anwendungen für smarte Lautsprecher wie von Amazon und Google. Die Analyse zeigt, für wen die 'neuen Apps' bedeutend werden - und wo die Grenzen ihres Einflusses verlaufen werden.

Mit dem Echo bringt Amazon servicefähige, Abokosten verursachende Geräte ins Heim des Nutzers - dieses Privileg hatte früher nur die Telekom. (Bild: Amazon)
Bild: Amazon
Mit dem Echo bringt Amazon servicefähige, Abokosten verursachende Geräte ins Heim des Nutzers - dieses Privileg hatte früher nur die Telekom.

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TL;DR
Skills werden ein bedeutendes Instrument im Konzert der Endgeräte, aber sie stellen nicht, wie manche prognostizieren, das gesamte Orchester
Die Zahl der Skills für Alexa  , Amazons   Agentenlösung, wächst mit beeindruckendem Tempo: von 15.000 im Juli auf rund 20.000 im September, so der auf Voice Interfaces spezialisierte Blog Voicebot  . Die Zahl der in deutscher Sprache erhältlichen Skills lag im September bei knapp 2.000. Damit ist der Skill-Bestand zwar noch weit entfernt von den 3,4 Millionen Android-Apps, den 2,2 Millionen im Appstore und den 600.000 Amazon Apps. Doch Alexa benötigte nicht einmal zwei Jahre, um von null auf 20.000 Apps zu kommen - und das Wachstum nimmt zu: Binnen des zweiten Jahres verdreifachte sich die Zahl der erhältlichen Skills auf den heutigen Wert.

Der neue Beraterschlachtruf ließ daher nicht lange auf sich warten: Skills sind die neuen Apps. Oder: Actions   sind die neuen Apps, wie das Skill-Gegenstück aus Googles Smart-Speaker-Kosmos Home   heißt. Aber stimmt das? Nein. Natürlich nicht.

Was Skills sind und können
Bei den Skills handelt es sich im Wesentlichen um einen Webservice. Um einen Skill zu "installieren", ruft der Nutzer die Amazon Website auf, loggt sich mit seinem Nutzernamen ein, und wählt im Skill-Store aus den derzeit rund 700 verfügbaren Funktionen die gewünschte Fähigkeit aus (zum Beispiel "Fernsehprogramm"). Auf den Amazon-Servern wird dieser Service dann mit dem Benutzerkonto des Anwenders verknüpft. Eine tatsächliche Installation auf dem Gerät des Nutzers findet nicht statt.

Um den neuen Service zu nutzen, weckt der Anwender Alexa und startet den neuen Skill ("Alexa, öffne Fernsehprogramm"). Der Entwickler hat jedem Skill ein entsprechendes Schlüsselwort mitgegeben, mit dem die App aktiviert wird. Anschließend stellt der Nutzer seine Frage ("Was läuft heute um 22 Uhr im Fernsehen?"). Die notwendigen Parameter (Datum, Uhrzeit, Fernsehsender etc.) werden von Alexa extrahiert und in einem festgelegten Format an den Server übergeben, der in der Skill angegebenen ist. Dieser verarbeitet die Eingabe und gibt seine Antwort an Alexa zurück, die diese entweder vorliest (wenn es sich um Text handelt) oder abspielt (wenn es sich um ein MP3 handelt). In Zukunft kann Alexa zusätzlich sogenannte Cards auf einem angeschlossenen TV bzw. dem assoziierten Handy wiedergeben.
Allein die Differenz in den Beständen an verfügbaren Anwendungen (Skills versus Apps) zeigt auf, dass man hier noch Äpfel mit Birnen vergleicht. Und genauso wenig wird das eine das andere ersetzen: Vielmehr differenziert sich die Interaktion mit digitalen Endgeräten weiter auf: Neben PC, Tablet, Fernseher und Smartphone gibt es künftig auch smarte Lautsprecher und neben Tastatur, Maus, Touchscreen, Schalter und Fernbedienung gibt es künftig VoiceInterfaces. Skills werden Apps ergänzen, aber nicht ersetzen. So wie das Fahrrad nicht das Auto ersetzt oder umgekehrt.

Skills - was passieren wird

Skills werden für Marken mit Berührungspunkten zur Alexa-Nutzungssituation 2018 und 2019 stark an Relevanz gewinnen: Für Zeitungen, Radiosender, Kochrezepteseiten oder Wetterdienste diktiert sich die Dringlichkeit einer Präsenz quasi von selbst, andere Marken können überlegen, welchen Beitrag sie zu einem Smart-Home-Szenario leisten können, der sie in Form eines Skills auf das Nutzerradar bringt. Skill-Entwicklung und ihre ASO, ihre Optimierung für den Appstore werden wichtige Gewerke.

2018/2019 wird auch den Ansturm der Advertising-Industrie auf die Smart-Home-Anwendungen erleben: In-Skill-Advertising wird wie In-App-Advertising zur Industrie werden, mit starken zu erwartenden Regulierungen von Seiten Amazons und wahrscheinlich etwas liberaleren von Google. Smart-Home-Geräte ohne Bildschirm werden neuartige Audio-Ad-Formate erleben, Hardware mit Bildschirm (wie Amazons Echo Show) werden auch von Bannern und Videos heimgesucht werden. Damit wird sich der Kampf gegen Adblocking und um Relevanz für den Nutzer auch im Smart Home wiederholen. Es ist wahrscheinlich, dass die großen Internetkonzerne als Herrscher der Smart-Home-Universen hier gut aufpassen werden, dass zu viel Werbung den Nutzern erspart bleibt.

... und was nicht passieren wird

Besitzen bereits heute ein großes Marktpotenzial, das in den kommenden Jahren noch etwas wachsen wird.
Besitzen bereits heute ein großes Marktpotenzial, das in den kommenden Jahren noch etwas wachsen wird. (Grafik: HighText Verlag)
Eine Wachablösung, bei der die Apps dieser Welt den Skills und Actions das Zepter übergeben, wird es nicht geben. Das würde voraussetzen, dass Smart Speaker andere Endgeräte verdrängen. Doch es erscheint mehr als fraglich, ob eine granularisierte Welt ein definitives Eingabegerät zulässt: Es wird wohl eher, je nach Kontext, stets ein anderes sein.

So lässt sich etwa zwischen privaten, öffentlichen und den halböffentlichen beruflichen Szenarien unterscheiden: Sprachsteuerung? Kein Problem daheim, ein großes unterwegs. Und im Job? Klares: 'Kommt drauf an' - hat man ein Großraumbüro und nervt die Kollegen, ein eigenes Büro oder ein schallisoliertes Arbeitsabteil? Und selbst diese Dimensionen - beruflich vs. privat - werden nicht ausreichen, um das wahrscheinlichste Endgerät für einen bestimmten Kontext festzulegen: So könnte beispielsweise ein Chirurg, der eine anspruchsvolle Operation ausführt sicherlich oft einen dritten Arm gebrauchen - ein Brain Computer Interface könnte ihm diesen in Form eines gedankengesteuerten Roboterarms geben. Ein begnadeter Gehirnchirurg würde mittels BCI zum einen vielleicht noch besser, zum anderen würde er die Hürde eines operativen Eingriffs zur Installation des BCIs ganz anders empfinden als ein medizinischer Laie. Das Eingabegerät der Zukunft ist also stets ein anderes - je nach Kontext - und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stets eine Kombination diverser Technologien.
Thema: Interaktiv-Trends 2018/2019 (2): Skills/Actions als neue Apps

Kommentar von Sebastian Halm

"Alexa, mein Skill ist Käse!"

Wer vor lauter Marketing-Spielgeld nicht weiß wohin, kann sich als Marke ja einen Skill spendieren. Der Rest darf abwarten. Oder an den Grundlagen feilen.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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