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Was nun, Apple? - Der Beleg für Apples Ende als Innovator
02.05.2016 Dass Apple erstmals weniger iPhones verkauft, ist nicht das wirkliche Problem. Vielmehr erleben wir das vorläufige Ende von Apple als Innovator; das zeigt eine exklusive iBusiness-Infografik. Apple muss reagieren. Die vier wahrscheinlichsten Szenarien, wie es für den Konzern weitergeht.
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Nun kann man den Verkaufszahlen-Einbruch sehr optimistisch als konjunkturelle Delle abtun oder apokalyptisch-hämisch etwas vom nächsten Nokia menetekeln. Was ist aber die Wahrheit: Wohin geht nun die Reise für Apple?
Was genau passiert ist: Die Schadensanalyse
Erstmal sollte man nüchtern ansehen, was geschehen ist: Konkret gingen im 1. Quartal 2016 die Handyverkäufe von 61 auf 51 Millionen Stück zurück. Der Gewinn sank um 23 Prozent auf knapp elf Milliarden Dollar. Bei den Erlösen soll auch im nächsten Quartal die Kurve weiter abwärts zeigen: Aktuell sanken die Umsätze um 13 Prozent auf 51 Milliarden Dollar, nächstes Quartal sollen es nur noch etwa 42 Milliarden Dollar sein.
Apple nennt als Ursache für den Rückgang der Smartphone-Verkäufe unter anderem die geringere Nachfrage in China sowie die geringere Nachfrage nach hochpreisigen Handys in Schwellen- und Entwicklungsländern, die nun zunehmend vom Smartphone-Boom erfasst werden. Tatsächlich dürften aber noch ein paar eher strategische Ursachen mit hineinspielen:
- Der Smartphone-Markt ist irgendwann gesättigt - und nach Experten-Einschätzungen ist dieses irgendwann jetzt: Die Zahl der weltweit abgesetzten Geräte stagnierte 2016 bei 335 Millionen Exemplaren (iBusiness berichtete).
- So sind Apples iPhones schon lange nicht mehr die unangefochtene Spitze der mobilen Nahrungskette: Sie sind nur noch etwa genauso gut oder bitte auch ein bisschen besser als der Rest. Das reicht aber weder aus, um die Preise noch das Image als großer Innovator zu rechtfertigen.
- Hinzu kommt, dass große Alleinstellungsmerkmale für das Apple Smartphone weggebrochen sind: Apple-Besitzer konnten 2011 mit Blick auf die dürftige Auswahl in Googles Playstore noch schadenfroh argumentieren, dass man kein iTunes habe, wenn man kein iTunes hat. Heute gibt es im Android-Gemischtwarenladen die gleiche Medienvielfalt.
- Man wartet bei Apples iGoldesel noch heute vergeblich auf den nächsten großen Knall, "one more (next big) thing", das Steve Jobs offenbar mit sich ins Grab nahm blieb schlichtweg aus: mit dem Konzept einer mit dem Handy vernetzten Smartwatch war Apple bereits Epigone und Nachläufer, der Konzern verpasste wichtige Mobile-Trends wie die Ablösung des mp3-Downloads durch das Musikstreaming und den Siegeszug der VoD-Videotheken (letztere fristet bei Apple ein bestenfalls hermetisches Dasein im eher bestandskundenzentriert ausgerichteten iTunes-Store).
Das eigentliche Problem: Apple setzt auf den falschen Lock-in
Dies sind die negativen Entwicklungen, soweit sie Apples Umsatzbringer iPhone betreffen. Doch es gibt noch einen folgenreicheren strategischen Makel bei Apple: Der Konzern hat sich abhängig gemacht. Von sich selbst. Und er hat es umgekehrt versäumt, andere von sich abhängig zu machen.
- Die Abhängigkeit von einem Geschäftsmodell ist deutlich komfortabler (und lebensverlängernder) als diejenige von einem Produkt.
- Und: Apple setzt zwar auf einen gnadenlosen Kunden-Lock-in, um Nutzern den Abschied von seinen Produkten möglichst schwer zu machen. Doch Apple lässt keine Fähigkeit für einen Marken-Lock-in erkennen: Kommt man als Shop nicht um Amazon , als Marke nicht um Google und als Publisher nur schwer um Facebook herum, so ist Apple ein wenig unvermeidbares Unternehmen.
One more thing, bitte: Womit Apple noch punkten könnte
Apple hat verschiedene Optionen: Das Unternehmen kann sich weiter auf das iPhone verlassen, auf ein neues Next Big Thing hoffen oder es stellt sich breiter auf und wird etwas mehr wie Microsoft .
Andrerseits erzählt Tim Cook dann wieder von Innovationen, einer glänzenden Zukunft und viel Geld für die Aktionäre, was eher nach Festhalten am alten Kurs klingt, während die Entwicklungsabteilung weiter nach dem nächsten großen Ding sucht.
Und dass ausgerechnet Apples Agentenlösung Siri es war, die den im Vorfeld stets streng geheim behandelten Termin der nächsten Entwicklerkonferenz WWDC16 bekannt gab - das kann man mit gutem Willen als spannende Aussicht auf Neuerungen aus dem Feld der virtuellen Assistenz werten. Indes - hier hat zuletzt Microsoft mit neuen Fertigkeiten für Cortana Schlagzeilen gemacht, Monate vor Apple. Da muss also schon ordentlich was kommen, damit Apple nicht wieder Nachzügler ist.
Doch die Wahrscheinlichkeit für einen großen Knaller ist eher gering: Es wird mittlerweile schon als potenzielle Großinnovation gehandelt, wenn die Apple Watch künftig eventuell vielleicht ohne iPhone, autark, funktionieren soll. Und de facto hat Apple seit 2010 kaum eine bedeutende Neuerung vom Stapel gelassen - die einzige Ausnahme ist Voice-Agentin Siri, die aber inzwischen mehrere Konkurrenten auf Augenhöhe besitzt.
| Die Agentenlösungen der großen Interaktiv-Giganten | ||||
|---|---|---|---|---|
| Apples Siri (2011) | Googles Now (2012) | Microsofts Cortana (2014) | Facebooks M (2015) | Amazons Alexa (2015) |
| sprachgesteuert | text- und sprachgesteuert | sprachgesteuert | textgesteuert | sprachgesteuert |
| Der erste Mainstream-Agent kann Fragen beantworten, aber auch komplexere Dinge tun, wie einen Tisch zu reservieren | Versucht dem Nutzer vorausschauend zu helfen: 'Wenn du deinen 17-Uhr-Termin schaffen willst, solltest du nun losfahren!' | Cortana weiß, was Nutzer in der virtuellen wie physischen Welt in der Vergangenheit getan haben und kommuniziert mit Service-Bots. | Eine Art Chatbot im Messenger, der Witze erzählt oder motivierende Sprüche loslässt. | In Amazons drahtlosen IoT-Lautsprecher eingebaut - vor allem ein ECommerce-Assistent |
Auch neue Felder stellen sich schon als weitgehend abgegrast dar: In der Virtual Reality hat sich zuletzt Samsung groß in Szene gesetzt, als es Käufern des neuesten Modells die passende VR-Brille dazu mit auf den Weg gab und auch das erste Modell mit gebogenem Display kam aus Südkorea statt aus Cupertino.
Szenarien für Apples Zukunftsstrategie
Vor diesem Hintergrund bieten sich vier Szenarien für die künftige Strategie des iPhone-Erfinders an.Auf welche Strategien Apple nun setzen kann
Diversifikation
Apple stellt sich breiter auf und setzt verstärkt auf Software, Services, IT, Cloud, Dienstleistungen: Es wird mehr wie Microsoft oder Amazon Web Services . Dafür müsste man allerdings grundsätzlich umdenken und das Hardware-zentrierte geschlossene Ökosystem öffnen.
Wo bleibt denn das Next Big Thing?
Der Konzern drückt auf die Forschungstube und sieht zu, bald wieder vollkommen neue, innovative Felder mutig mit nie dagewesenen Produkten zu besetzen. Alleine: Mit Cook geht das auf keinen Fall. Und ob es mit Apple im Jahr 2016 geht, ist auch zweifelhaft.
Apple optimiert sich selbst
Schrumpfen die iPhone-Einnahmen und Apple landet keinen neuen Hit, müssen Margen optimiert und Kosten gekürzt werden: Weniger Jobs, mehr iPhone-Modelle, möglichst viel Umsatz aus Gadgets wie der Watch: Apple quetscht aus seinem Bestseller raus, was nur geht - es wird zum handelsüblichen Handyhersteller. So kann die Firma noch viele Jahre gut leben.
Aussitzen
Das mit den Absatzrückgängen kann nur eine Delle gewesen sein - die Menschen wollen schließlich zwei Dinge: iPhones und möglichst mehr davon. Der Konzern sitzt es erfolgreich aus, die Nachfrage steigt bald wieder.
