Unsichtbare Marktpotenziale mit Kaufkraftdaten erschließen Jetzt zum Webinar anmelden
Eigene Daten zeigen oft nur einen Teil des Bildes. Erfahren Sie, wie Kaufkraft-, Markt- und Regionaldaten zusätzliche Perspektiven auf Kunden, Regionen und Standorte eröffnen. Anhand konkreter Praxisbeispiele lernen Sie, wie sich bislang verborgene Marktpotenziale erkennen und gezielter nutzen lassen.
Jetzt zum Webinar anmelden
Expert-Talk: GEO-PR: "Es geht um Relevanz in KI-Systemen" Video-Podcast ansehen
Wer in ChatGPT, Gemini oder Perplexity sichtbar sein will, darf sich nicht auf die eigene Website verlassen. Denn KI-Systeme prüfen, was andere über eine Marke sagen - auf Fachportalen, Bewertungsplattformen, Vergleichsseiten, Reddit oder YouTube. Hier setzt GEO-PR an. Video-Podcast ansehen

November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk

35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.

Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.

Alle Inhalte im November kostenlos
Heute frei lesen. Morgen nichts verpassen.

Registrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.

Das Newsletter-Abo erhalten Sie im Rahmen der kostenlosen Registrierung.

Abruf exklusiv für Premium-Mitglieder

New Work? Künftig nur mit Stechuhr.

15.05.2019 Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten systematisch erfassen, so ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Das hat Auswirkungen auf den neuesten heißen Scheiß im Employer Branding. Und zeigt, wie die Digitale Transformation von der realen Welt verändert wird.

Stempeluhr der Firma Benzing, Schwenningen am Neckar, um 1900, Textilmuseum Bocholt (Bild: Ziko-C/Wikipedia)
Bild: Ziko-C/Wikipedia
Bild: Ziko-C/Wikipedia unter Creative Commons Lizenz by-sa
Stempeluhr der Firma Benzing, Schwenningen am Neckar, um 1900, Textilmuseum Bocholt

HANDLUNGSRELEVANZ

 
Operativ
Strategisch
Visionär
Technik
Medien
Wirtschaft
 
heute
morgen
übermorgen
Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Die (reale) Gesellschaft kontrolliert den digitalen Wildwuchs. Diese Entwicklung wird weitergehen.
Wir haben schon bei der DSGVO gelernt, wie zuverlässig die Reflexe der Digitalen funktionieren, wenn sich Politik und/oder Gerichte in das einmischen, was die digitale Welt als ureigenes Territorium ansieht.

Deswegen passiert jetzt wahrscheinlich Folgendes: Zunächst werden Unternehmenslobbyisten, CDU-Wirtschaftsrat und FDP über die drohende überbordende Bürokratie lamentieren. Danach werden die Digitalevangelisten darüber öffentlich sinnieren, wie hoffnungslos Europa nun im globalen New-Work-Wettbewerb zurückfällt. Und schließlich wird auf hippen Digitalkongressen unter beifälligem Applaus aller anwesenden hippen Digitaler konstatiert, dass die Politik im Allgemeinen und die EU im Speziellen von den Besonderheiten der digitalen Welt ü-ber-haupt keine Ahnung hat (wobei sie beiläufig das Alter der EuGH-Richter erwähnen). Der Digitalverband Bitkom   etwa kommentiert: " Nehmen wir das Beispiel eines Vaters, der nachmittags seine Kinder aus der Kita abholt, um am späten Abend noch einmal E-Mails zu beantworten und am nächsten Morgen wieder pünktlich im Büro zu sein". Wer so arbeite, bediene einerseits ein modernes Familienmodell, verstoße aber gegen die Ruhezeiten des Arbeitsgesetzes: "Die systematische Erfassung von Arbeitszeiten wird unzählige Arbeitnehmer und Arbeitgeber ins Unrecht setzen."

(Grafik: Wirke) Quelle: http://www.schwartzpr.de/de/newsroom/Wrike/Bildergalerie/Infografik_Digital-Work.jpg
Die Facebook-Timeline wird mit Stechuhr-Memes überflutet. Die Trolle in den Kommentarforen belegen, dass die Flüchtlinge an allem schuld sind. Auf Twitter trendet das Topic #KeineStechuhrMitUns. Sascha Lobo schreibt einen launigen Kommentar auf Spiegel Online, der das EuGH-Urteil in Verbindung setzt mit den frühsozialistischen Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts.

Tatsächlich passiert ist ja Folgendes: Der EuGH   hat die Mitgliedstaaten der EU dazu verpflichtet  , Unternehmen aufzuerlegen, ein objektives, verlässliches und zugängliches Zeiterfassungssystem zu verwenden. Es sei erlaubt, auf Besonderheiten eines Tätigkeitsbereichs und "Eigenheiten bestimmter Unternehmen" - beispielsweise der Unternehmensgröße - einzugehen. Als Zeiterfassungssystem kann also eine Stechuhr, aber auch Excel oder eine App genutzt werden.
Diese Entscheidung ordnet sich ein in Regelungen unterschiedlicher politischer Instanzen zum Spam (Gerichte: Double-Opt-In), Datenschutz (EU: DSGVO), zur Plattformökonomie für Dienstleistungen (Bund: Uber-Regulierung), Waren (Bund: Steuerpflicht für Amazon-Händler) und Services (Kommunen: Airbnb-Verpflichtung wegen Wohnungs-Fehlbelegung).

Insgesamt vollzieht sich Schritt für Schritt (wenn auch mit der demokratisch-systemischen Fünf-Jahres-Verspätung), wie die Gesellschaft den schnell wuchernden Internet-Urwald einhegt, beschneidet und kultiviert. Für New-Work (und andere Arbeitsmodelle, die sich von 9to5 unterscheiden) bedeutet das: (Erstens) was für die privilegierte Angestelltengruppe der hochbezahlten (digitalen) Wissensarbeiter funktioniert, funktioniert für alle Arbeitnehmer. Mindeststandards müssen aber sein. Und (zweitens) muss man auch in digitalen Arbeitsumgebungen einen Ausgleich finden zwischen der Freiheit der Wahl von Arbeitszeit und Arbeitsort - und dem Kampf gegen Ausbeutung unter dem Deckmantel von Freiheit.

Nur wer weiß, wie viel er oder sie arbeitet, kann bestimmen, ob diese Freiheit den Preis auch wert ist. Für dieses Wissen sind jedoch Daten nötig. Und Daten - da sind sich ja auch alle einig - sind schließlich der Motor der Digitalen Ökonomie.

Am Ende waren die Brüsseler Richter deutlich digitaler, als alle gedacht haben.
Thema: New Work? Künftig nur mit Stechuhr.

Kommentar von Joachim Graf

Wie wir leben wollen

Wollen wir, dass das Internet von unserem demokratischen Gemeinwesen reguliert wird? Oder wollen wir, dass jeder (Internet-)Unternehmer machen kann, was er will?

Weiterlesen
Joachim Graf (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
Neuer Kommentar  Kommentare:
Schreiben Sie Ihre Meinung, Erfahrungen, Anregungen mit oder zu diesem Thema. Ihr Beitrag erscheint an dieser Stelle.
alle Veranstaltungen Webcasts zu diesem Thema:
Dienstleister-Verzeichnis Agenturen/Dienstleister zu diesem Thema: