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Recruiting-Studie: Wie Agenturen erfolgreich Personal finden
20.10.2017 Der interaktive Arbeitsmarkt ist alles andere als entspannt; fehlendes Personal gehört bei Digitalagenturen zu den größten Problemen. Wo Personalverantwortliche im Tauziehen um die besten Fachkräfte kompetente und engagierte Mitarbeiter suchen, hat iBusiness ermittelt.
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Denn der interaktive Arbeitsmarkt ist alles andere als entspannt:
- Die Anzahl und die Laufzeiten der Stellenangebote auf dem iBusiness-Stellenmarkt sprechen eine deutliche Sprache. Anfang März 2017 übersprang die Zahl der ausgeschriebenen Positionen der Interaktivbranche auf iBusiness.de/jobs erstmals die Marke von 6.700. Das ist ein Zehntel mehr als zum Jahreswechsel. Dem stehen aktuell null Stellengesuche gegenüber. Aus einer Auswertung der Stellenanzeigen vom Juli 2017 geht hervor, dass eine Interaktivagentur im Durchschnitt 146 Tage braucht, bis eine offene Stelle besetzt werden kann. Besonders schwer zu finden sind Designer, Konzeptioner, SEO-Experten und Berater: Durchschnittlich sieben Monate dauert es, einen SEO-Experten zu finden, sechseinhalb Monate für einen Designer oder Konzeptioner, und fünf Monate, um einen Berater einzustellen.
- Auch die iBusiness-Internetagentur-Rankings der vergangenen Jahre zeigten den Fachkräftemangel in der Branche deutlich. So rechneten aktuell drei von vier Agenturen damit, dass die Zahl der fest angestellten Mitarbeiter zunehmen wird. Ebenfalls bewerten die Agenturchefs das Problem des Personalmangels wieder als eines der schwerwiegendsten Probleme.
- In der deutschen Wirtschaft gibt es rund 51.000 offene Stellen für IT-Experten, teilte der Bitkom Ende 2016 mit. Ähnlich wie im Vorjahr gab jedes zweite ITK-Unternehmen an, dass aktuell ein Mangel an IT-Spezialisten herrscht. Ähnlich viele Unternehmen (48 Prozent) erwarten, dass sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen wird.
- Bis 2019 soll die deutsche Internetwirtschaft jährlich um etwa neun Prozent wachsen, prognostiziert Eco , der Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.. Das bedeutet, dass hier in den kommenden zwei Jahren mindestens 50.000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Wer sie am Ende besetzen soll: ungeklärt.
Personalverantwortliche stehen also mit beiden Beinen tief in interessanten Zeiten.
Recruiting-Maßnahmen: Über Social Media wird am häufigsten gesucht
Bei der Personalbeschaffung setzen Interaktiv-Dienstleister und Agenturen am stärksten auf Social Media. Neun von zehn Agenturen (89 Prozent) veröffentlichen vakante Stellen in sozialen Medien wie Facebook oder Twitter . Dies geht aus einer aktuellen Online-Umfrage von iBusiness hervor, an der sich knapp 100 Interaktiv-Dienstleister beteiligt haben. Abgefragt wurde, wie Agenturen bei der Personalbeschaffung vorgehen (Mehrfachantworten waren möglich). Acht von zehn Dienstleistern (78 Prozent) schreiben zu besetzende Positionen auf der eigenen Website aus. Auch auf die Mundpropaganda der eigenen Mitarbeiter wird bei der Rekrutierung neuen Personals gern gesetzt: Immerhin gehen 70 Prozent der Befragten diesen Weg. Fast genauso viele Agenturen (69 Prozent) schalten Anzeigen in Online-Stellenbörsen (63 Prozent) oder suchen über Business-Netzwerke aka Xing und Linkedin . Printmedien dagegen werden kaum genutzt: Nur acht Prozent der Agenturen schalten klassische Printanzeigen.
Ob Nachwuchs oder Profi - das Internet ist für Agenturen das zentrale Medium für die Suche nach neuen Mitarbeitern. Am erfolgreichsten ist die Vermittlung über Stellenbörsen: Das geht aus den Recruiting Trends 2017 hervor. Demnach werden in der IT-Branche vier von zehn der offenen Stellen über Internet-Stellenbörsen besetzt. Etwa ein Viertel der Einstellungen kann über die eigene Unternehmenswebseite erzeugt werden. Es folgen Karrierenetzwerke mit 10,4 Prozent und Mitarbeiterempfehlungen mit 10,1 Prozent. Drei Prozent der offenen Stellen können in der Digital-Branche über Printmedien besetzt werden und 1,1 Prozent über soziale Netzwerkplattformen.
Der am häufigsten genutzte Kanal zur aktiven Suche nach Stellenanzeigen aus Sicht der Kandidaten sind laut der Studie mit 77,2 Prozent Internet-Stellenbörsen. Karrierenetzwerke folgen mit 42,7 Prozent auf Platz zwei. Die Top 3 komplettiert mit 40,6 Prozent die Unternehmenswebseite. Suchmaschinen werden von 37,7 Prozent der Kandidaten häufig zur Suche nach offenen Stellen genutzt. Im Jahresvergleich ist zu erkennen, dass Internet-Stellenbörsen über die Jahre am häufigsten für die aktive Suche nach Stellenanzeigen genutzt werden.
Viele Agenturen tun zu wenig gegen die kollektive Personalnot
Den Mangel an Arbeitskräften spiegelt auch eine weitere Studie von iBusiness wider, die die gegenwärtig gravierendsten Probleme der Agenturen identifiziert hat: 62,5 Prozent der befragten Agenturen der Digitalwirtschaft sagen, dass fehlendes Personal aktuell ein Problem für die alltägliche Geschäftsbewältigung der Agentur ist.Wer ein Problem hat, das die alltägliche Geschäftsbewältigung beeinträchtigt, wird alles dafür tun, dies zu lösen. Sollte man zumindest meinen. Fakt ist aber, die Agenturen tun zu wenig, viel zu wenig. Das zeigt eine Sonderauswertung des Internetagentur-Rankings zur Ausbildung des Digitalnachwuchses. Im Fragebogen des Rankings wird unter anderem die Anzahl der fest angestellten Mitarbeiter ohne Auszubildende sowie die kumulierte Zahl der Auszubildenden, Trainees, Volontäre und Werkstudenten abgefragt.
Zwar muss man zwischen diesen Gruppen unterscheiden: Während Azubis eine staatlich anerkannte Ausbildung absolvieren, sind Trainees und Volontäre Berufseinsteiger, die von der Uni kommen und erst mal eine schlechter bezahlte Einarbeitungsphase durchleben. Diese drei Programme werden normalerweise mit dem Ziel der Übernahme angeboten. Anders ist es bei Werkstudenten, die sich in ihrer freien Zeit in der Agentur Geld dazuverdienen. Für Agenturen und Studenten dient die Tätigkeit aber auch dazu, sich kennenzulernen; vielleicht kommt man ja nach dem Studium doch noch zusammen. Trotzdem werden in der Agenturbefragung alle vier Gruppen als Azubis zusammengefasst, weil sie alle zeigen, wie sich Agenturen um den Nachwuchs bemühen. Folgende Zahlen zeigt die Auswertung:
- In den 200 größten Internetagenturen kommen auf 100 Festangestellte 7,6 Azubis. Ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, wo die Azubi-Quote bei 8,9 Prozent lag.
- Bei einem Drittel der Agenturen kommen auf 100 Mitarbeiter weniger als fünf Auszubildende und Co. Zu diesen Agenturen gehören zum Teil auch die umsatzstärksten Digitalagenturen des Rankings etwa Spitzenreiter SapientRazorfish , wo auf 280 Festangestellte gerade mal 25 Azubis, Trainees, Volontäre und Werkstudenten kommen.
- Fast ein Viertel der Agenturen (22,5 Prozent) bildet sogar überhaupt nicht aus. Darunter auch Agenturgrößen wie Publicis Pixelpark oder Neofonie .
Ranking: Die Agenturen mit den höchsten Azubi-Quotienten
Außerdem hat iBusiness ein Ranking der Agenturen mit den meisten Auszubildenden 2016 erstellt. Gerankt wurde hier nach dem von uns definierten Azubi-Quotienten, der besagt, wie viele Azubis, Trainees, Volontäre und Werkstudenten auf 100 fest angestellte Mitarbeiter kommen. Dieses Ranking haben wir in zwei Kategorien unterteilt:- In die Internetagenturen mit 2,5 Millionen Euro Umsatz und mehr sowie
- in die mit weniger als 2,5 Millionen Euro Umsatz, aber immer noch mehr als fünf Mitarbeitern (Stand 1. Januar 2016).
| Full-Service-Internetagenturen (ab 2,5 Mio Umsatz) mit den höchsten Azubi-Quotienten | Full-Service-Internetagenturen (<2,5 Mio Umsatz, >5 MA) mit den höchsten Azubi-Quotienten | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Rang | Internetagentur | Mitarbeiter (ohne Azubis) | Azubi- Quotient | Internetagentur | Mitarbeiter (ohne Azubis) | Azubi-Quotient |
| 1 | web-netz GmbH | 62 | 25,8 | Intercontact Werbegesellschaft mbH | 11 | 172,7 |
| 2 | von Affenfels GmbH | 30 | 23,3 | cynapsis interactive GmbH | 15 | 66,7 |
| 3 | .NFQ - Netzfrequenz GmbH | 30 | 23,3 | VISION UNLTD. CREATIVE WORX | 14 | 50 |
| 4 | avenit AG | 48 | 22,9 | Schommer Media GmbH | 20 | 50 |
| 5 | brandung GmbH & Co. KG | 70 | 22,9 | Feil, Feil & Feil | 13 | 38,5 |
| 6 | fischerAppelt AG | 236 | 22,9 | VOLL digital GmbH | 12 | 33,3 |
| 7 | queo GmbH | 70 | 21,9 | obisCONCEPT | 6 | 33,3 |
| 8 | alphasystems gmbh | 80 | 18,8 | Webworker United | 6 | 33,3 |
| 9 | eviom GmbH | 21 | 18,3 | e-pixler NEW MEDIA GmbH | 6 | 33,3 |
| 10 | comspace | 53 | 17 | Pagemachine AG | 21 | 33,3 |
| 11 | anyMOTION GRAPHICS | 44 | 15,9 | HQ GmbH | 12 | 33,3 |
| 12 | Kontrast Communication Services GmbH | 65 | 15,4 | Weber eBusiness Services GmbH | 10 | 30 |
| 13 | add2 GmbH | 90 | 14,4 | Team23 GmbH | 20 | 25 |
| 14 | communicode AG | 84 | 14,3 | DMK E-BUSINESS GmbH | 30 | 23,1 |
| 15 | TWT Interactive GmbH | 324 | 14,2 | Trafo2 GmbH media engineering | 13 | 23,1 |
| 16 | SinnerSchrader AG | 324 | 13,8 | TBO interactive - Creating Digital Experiences | 13 | 23,1 |
| 17 | people interactive GmbH | 72 | 13,3 | atlantis media GmbH | 22 | 22,7 |
| 18 | Newcast | 306 | 12,7 | mobivention GmbH | 19 | 21,7 |
| 19 | APPSfactory GmbH | 80 | 12,5 | helllicht medien GmbH | 5 | 20 |
| 20 | UEBERBIT GmbH | 33 | 12,1 | pro-medial | 5 | 20 |
| Der Azubi-Quotient besagt, wie viele Auszubildende, Trainees, Volontäre und Werkstudenten im Schnitt theoretisch auf 100 fest angestellte Mitarbeiter in einer Internetagentur kommen. | ||||||
Kleine Agenturen bilden mehr aus als große
In dem Ranking zeigt sich, dass die kleineren Agenturen tendenziell mehr ausbilden als die großen. Zum Beispiel der absolute Spitzenreiter, die Intercontact Werbegesellschaft aus Frankfurt am Main, beschäftigt elf feste Mitarbeiter, dreizehn Werkstudenten und drei Auszubildende. Insgesamt sind unter den kleineren Agenturen acht, die einen Ausbildungs-Quotienten von mehr als 30 haben. Unter den größeren Agenturen mit mehr als 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz knackt keine diesen Wert.Dabei profitieren die ausbildenden Agenturen direkt von der Arbeit mit dem Nachwuchs, erklärte unlängst Johanna Ruschkowski , Leitung Marketing & Online-Services von Intercontact. Und zwar über das Binden des Nachwuchses an die Agentur hinaus. "Wir merken im Alltag, dass sich die Fachkräfte mancher Zusammenhänge und Prozesse noch bewusster werden, wenn sie mit Auszubildenden zusammenarbeiten." Darüber hinaus würden die Fachkräfte durch die Zusammenarbeit mit den Auszubildenden ihre Sozialkompetenz erweitern. "Davon profitieren wir dann in anderen Bereichen."
Außerdem schätzt sie die Unvoreingenommenheit der jungen Menschen, mit der sie Fragen zu Prozessen und Abläufen stellen, die von den Alteingesessenen nicht mehr kommen. "Das veranlasst uns manchmal dazu, einen neuen Weg auszuprobieren, der von dem nach Erfahrungen aufgebauten Wegen abweicht."
Wer als Agentur ausbildet, kann noch von einem weiteren Aspekt profitieren: Er kann prinzipiell aus einem größeren Pool potenzieller Kandidaten schöpfen. Zwar kann ein Azubi keine erfahrene Fachkraft ersetzen. Aber wer es über lange Zeit nicht schafft, einen Data Scientist zu rekrutieren, sollte es mit einem Dualstudenten im Bereich Angewandte Informatik oder einem Fachinformatiker probieren - natürlich nur, wenn im Haus bereits die Kompetenzen vorhanden sind, um ihn oder sie auszubilden. "Für uns ist es einfacher, Auszubildende zu rekrutieren", berichtet Johanna Ruschkowski. Allerdings hätte sich die Situation in den vergangenen Jahren verschlechtert.
Vier Szenarien zur Zukunft der Personalbeschaffung
IT-Berufe hoch im Kurs
Der Nachwuchs findet immer mehr Gefallen am Internetgeschäft, viele wittern das große Geld. Deshalb haben IT-Studiengänge und -Ausbildungsberufe großen Zulauf. Aber nicht nur der Nachwuchs dämmt den Fachkräftemangel ein. Zudem schulen viele um, weil IT- und Internetjobs auf einmal sexy sind.
Mangel bremst Branchenwachstum
Es ist kein Ende für den Fachkräftemangel abzusehen und die Interaktivbranche liefert sich weiterhin ein Tauziehen mit anderen Branchen um die besten Fachkräfte. Da klassische Industrien wie die Automobilindustrie oder der Bankensektor meist besser zahlen können, haben Internetunternehmen oftmals das Nachsehen. Die Branche kann dadurch nicht ihr volles Wachstumspotenzial ausschöpfen.
Internetbranche differenziert sich erfolgreich
Internetunternehmen setzen alles in Employer Branding, Recruiting und Ausbildung. Dadurch erarbeitet sich die Branche bei Arbeitnehmern einen sehr guten Ruf und kann viele qualifizierte Arbeitskräfte von anderen Branchen abziehen. Das ist aber nicht ganz billig. Deshalb steigen langfristig die Preise für Interaktivdienstleistungen.
Ausländische Fachkräfte stopfen das Loch
Weil in Deutschland ein Mangel an kompetenten Fachkräften herrscht, ziehen immer mehr Interaktivunternehmen Mitarbeiter aus dem europäischen Ausland an, vor allem aus Süd- und Osteuropa. Diese arbeiten sich gut ein und lernen die Sprache schnell, weil sie sich eine bessere berufliche Zukunft in Deutschland versprechen. Der Markt profitiert von der kulturellen Vielfalt.
