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Analyse Poststreik: Das ist erst der Anfang für den Streit 'E-Commerce vs. Restgesellschaft'

09.06.2015 Jetzt wird also die Deutsche Post bestreikt  . Denn die Post will ihren Zustellern niedrigere Löhne zahlen. Der Streik von Verdi   zeigt, dass der Kampf um die Externalisierung von Kosten, die Internet-Unternehmen betreiben, erst begonnen hat.

Was passiert:
Seit Montag sind die Zusteller der Deutschen Post in den unbefristeten Streik. Auch die Verteilzentren werden von Verdi bestreikt. Die Ausstände sollen von den 140.000 betroffenen Beschäftigten stufenweise ausgeweitet werden.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist der festgefahrene Tarifkonflikt, in dem vor allem die schlechtere Bezahlung bei den neu gegründeten Regionalgesellschaften der Post geht. In den 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung will die Post ihre Paketboten nicht länger nach dem eigenen Haustarif bezahlen, sondern nach dem niedrigeren Tarif der Logistikbranche. Die Post begründet ihren Schritt mit der Wettbewerbssituation: "Nur durch eine dauerhaft wettbewerbsfähige Lohnstruktur können wir uns auch zukünftig erfolgreich am Markt behaupten."

Was das bedeutet:
Es sind vor allem die großen Onlinehändler, die einerseits für ein enormes Wachstum im Logistikgeschäft sorgen. Andererseits drehen sie in immer härteren Pitches an der Kostenschraube, um die aus dem Ruder laufenden Kosten für Versand und vor allem für Retouren in den Griff zu bekommen. Denn nur, wenn sie die Kosten drücken, können sie immer immer schärfer werdenden ECommerce-Wettbewerb überhaupt Renditen erwirtschaften.

Die Kosten für den Kampf um den billigsten Preis im Internet tragen Versanddienstleister wie die Post - und die wollen die Kosten auf ihre Arbeitnehmer abwälzen. Indem sie niedrigere Löhne zahlen. Das Amazon-Dilemma, nämlich dass die von den Konsumenten eingeforderten wettbewerbsfähige Versandkosten (sprich: Gratisversand und Rücksand) Niedriglöhne bedeuten, hat iBusiness schon vor über zwei Jahren belegt.

Die Folge:
Mittlerweile hat sich das Internet insgesamt zu einer Externalisierungsmaschine gewandelt. Kosten werden aus dem System ausgelagert, damit hochgejazzte Startup-Gründer und Wagniskapitalisten ihren Milliardenschnitt machen können. Von den rund 1,4 Millionen Bundesbürgern, deren Vollzeit-Lohn nicht für den Lebensunterhalt ausreicht, stammt die Mehrheit aus drei Bereichen: Neben Baugewerbe und Zeitarbeitsfirmen sind das vor allem die Bereiche Kundenservice, Lager und Logistik - also die drei Felder, die für den E-Commerce mit entscheidend sind. Die Gesamtsubvention ist enorm hoch: Allein in den Jahren 2007 bis 2011 wurden über 53 Milliarden Euro an Steuergeldern ausbezahlt, um Aufstockern ein erträgliches Leben zu gewährleisten. Nicht alles für den E-Commerce. Aber immerhin ein Teil. Allein der Callcenter-Branche flossen im Jahr 2011 laut Bundestagsanfrage   32,7 Millionen Euro zu. Vollzeitbeschäftigte erhielten durchschnittlich 461 Euro pro Monat, weil sie sonst unter das Hartz-IV-Niveau gefallen wären.

An dem Ergebnis des Streiks zwischen der relativ mächtigen Gewerkschaft Verdi und dem systemrelevanten Paketauslieferer Post/DHL   wird man feststellen, wohin in der Internetwirtschaft die Reise geht: Kann man durchsetzen, dass auch analoge Kosten (wie Löhne) in digitale Produkte (wie ECommerce-Versand) eingepreist werden? Oder entsteht eine Spaltung der Gesellschaft in wenige digitale Gewinner (wie Plattformbetreiber) und viele analoge Verlierer (wie Postboten)?
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